aussöhnen. Eure Jugend redet Euch das Wort, und wenn Euch Gott, nach ausgestandener Strafe, noch Leben und Gesundheit fristet, habt Ihr noch Zeit und Raum, Gutes zu tun, die Leute, die ihr bestohlen habt, zu entschädigen und da Friede und Ruhe zu stiften, wo Ihr Zank und Zwist verbreitet habt. Seht, wie nahe liegt der Mord, das letzte schrecklichste Cainsverbrechen in dieser Welt, dem ersten Schritt vom rechten Wege! wie nahe! – Wir werden uns schwerlich in dieser Welt mehr sehen, wie sehr aber würde ich mich freuen, wenn wir uns da zusammenfinden würden, wo wir beide Parteien sind und wo ich auch mein Richteramt dem, der mich damit belehnt hat, abzugeben verbunden bin. Tut eure Pflicht, brave, tapfere Soldaten! nehmt diese Frevlerin hin. – Vorderhand kann sie nach – – ins gefängnis abgeliefert werden, bis ihres weitern Transports wegen von höherem Ort Verhaltungsbefehl erfolgt.
Gott bekehre die Frevlerin!
Salvis omnibus.
Dieses Promemoria's wegen mussten der Unterofficier und die zwei Mann eine Meile vor L– einen sogenannten Augenblick, der aber eine Stunde war, verziehen, indem der Deputatus noch hier und da ein Wort nahm und gab; und nun nach L–.
Das erste, was Deputatus vornahm, war die Belagerung des – – Hauses des verstorbenen – –, und da er damit fertig war, ging er geradezu ins Haus und redete den Wirt, ohne ihn zu sehen, an:
"Er möchte wohl bedenken, was er nächst Gott Sr. Majestät schuldig wäre, nämlich treu, hold und gewärtig zu sein, das Beste Sr. Majestät überall zu befördern, Schaden und Nachteil aber zu verhindern," und nachdem er ziemlich weit in dieser Anrede gediehen, ward er erst gewahr, dass niemand als ein altes Weib vor ihm gestanden. Sie war, ausser einer Katze, welche ihr selbst zugehörte, die einzige lebendige Seele im ganzen haus. Er war also, nachdem er sich mit diesem Phänomen bekannter gemacht, verbunden, sein Protokoll wie folgt anzuheben:
Actum L– 17–.
Dem höchsten Befehl der königlichen Regierung von – – zur untertänigsten Folge, begibt sich Endesunterschriebener, nachdem er die ihm zugefertigten Akten genau gelesen, beprüft und sich den erforderlichen Plan entworfen, nach L– in die Behausung des – –, wo der Angabe nach Inculpatin, Wilhelmine – –, sich aufhalten soll. Das Haus ist indessen völlig wüst und bis auf eine alte person leer, welche sogleich vernommen wird.
Sie heisst Catarina – – ist achtundsiebzig Jahr alt, luterischer Religion, nährt sich von Kinder- und Krankenwartungen, und ist nicht eher, als nach dem seligen Ableben des – – in dieses Haus gekommen. Der Pfarrer des Orts hat sie dazu berufen, damit, so lange das Haus nicht verkauft sei, welches nicht anders als nach öffentlicher Feilbietung und mittelst gewöhnlichen Anschlages geschehen könnte, es nicht ledig stehen und am Wert einbüssen möchte. Der selige Mann ist seit fünf Wochen, wie es ihr dünkt, begraben, und zwar kinder- und erbenlos. Sein Hab und Gut ist, nach seinem letzten Willen, den Ortsarmen zu teil geworden. Die Comparentin sagt: Ich selbst hatte Ursache, seine kalte Hand zu küssen. Der Prediger ist Testamentswärter und Vollstrecker gewesen, und, um ihren eigenen Ausdruck beizubehalten, "e s i s t v i e l d a v o n z u s a g e n ." Zur Sache führt sie an, dass ein Frauenzimmer, wohlgebildet wie Milch und Blut, gleich nach dem Ableben des – – angelangt. Sie kam ohne alle Begleitung und ganz allein an, sagt Comparentin, und wie ich nicht anders weiss, in einem gemeinen Wagen mit vier Pferden bespannt. Ihr Besuch, der auf diese Art zu spät gekommen, hat, wie's der Comparentin dünkt, keine andere Absicht gehabt, als ihren Verwandten zu besuchen und ihn vielleicht, wenn es Gottes heiliger Wille so genehmigt, zu beerben.
Auf die Frage: ob sich keine starke Mannsperson
zu dieser Zeit, oder vor und hernach, blicken lassen? erwiderte sie: ja, es hätte einige Tage vorher sich jemand blicken lassen. Nachdem aber diesem Umstande genauer nachgespürt wird, so kommt endlich heraus, dass dieses ein Luftspringer sei, der sich im dorf zur Schau gestellt. In wie weit dieser Luftspringer mit der Inculpatin in Verbindung gewesen sei, noch sei und sein werde? ist der Catarine – – ganz und gar unbekannt.
Damit alle Gerechtigkeit erfüllt und bei dieser gelegenheit der Umstand eingetrieben und eingemahnt werde:
ob dieser Gaukler die starke Mannsperson mit dem gezogenen Messer sei? und
in wie weit dieser Gaukler ein a l l e r h ö c h s t p r i v i l e g i r t e r sei, wird dem Amtswachtmeister aufgegeben, diesen Luftspringer vorzubescheiden. Dieser stellt sich mit seiner Bestallung, die a l l e r h ö c h s t e i g e n h ä n d i g vollzogen ist, dar und will durch einige Proben dem Deputatus ad oculum seine Geschicklichkeit demonstriren, welches verbeten wird. Ausser dieser Notdurft bringt er bei, wie der Prediger die Kirchspielskinder von ihm abgepredigt und ganz offenbar zu verstehen gegeben, dass sie besser täten, wenn sie was anderes machten, als einen allerhöchst privilegirten Gaukler sähen, und dass ein Gaukler ein Gaukler bleibe, wenn er auch ein königliches Patent hätte