Mann, der den Herrn v. E. von Universitäten her kannte, war über diess und jenes bei der Sache im Irrgarten, aus dem er sich endlich herausgefunden haben würde (obschon v. E. auf die Art noch nie geliebt hatte, oder eigentlicher, verliebt gewesen war), wenn nicht Minens leiblicher Vater eine Rolle in diesem Stücke gehabt.
Herr v. E. litt wirklich, allein so wie jeder Sünder leidet. – Kann man so etwas leiden nennen? Zuweilen war er stummtoll. – Man hatte Ursache, seinetwegen zu fürchten. – Der Protokollist hatte wirklich Mitleiden mit ihm; so nahe wusst' er's ihm zu legen. Könnt' ich doch weinen, sagte er eines Abends zu ihm, Herzensfreund, weinen! Wer kann es aber in der Hölle? Hätt' es der reiche Mann gekonnt, würde' er nicht nötig gehabt haben, einen Tropfen wasser zu betteln. – Und dann wieder: "Freund, wenn die Hölle ärger sein kann, ist kein Gott im Himmel!" – Würde Mine auch nur in Mitteldingen (wenn es dergleichen gibt) ergiebiger gewesen sein, Herr v. E. würde sie geliebt haben, wie er sonst zu lieben gewohnt war. – Ihr edler Rückhalt, ihre heroische Flucht bracht' ihn mit zu diesem, ihm sonst wildfremden Schwung.
Der Justizrat – – (wir sind wieder in Preussen) ward vom Direktor, als das A und O im Collegio, zu diesem Geschäft ausersehen, und eben weil er ausersehen war, wollt' er ein Meisterstück liefern. Er lernte fast das Gesuch des Herrn v. E. an die curische Regierung und das Protokoll auswendig, um ja keine Sylbe ungetroffen zu lassen. Folgender Entwurf zu den fragen an die engelreine, unschuldige Mine kann von seinem Diensteifer ein Pröbchen abgeben. Es konnte sich der Deputatus nichts Gewisseres denken, als dass Mine alles und jedes wäre, wozu sie das seine curische Protokoll und dessen Ueberrock, das verkleisterte, gekünstelte Gesuch des Herrn v. E., machen wollte. Dieses blinde Zutrauen zu einem gerichtlichen Protokoll bestimmte ihn, den Requisitorialbrief an die Garnison noch eher abzusenden, als er Minen gesehen und gehört hatte. Eine Meile vor L– sandte er, nachdem er nochmals alles überlesen und das Vollwort des Protokolls ihn überschienen hatte, den Requisitorialbrief ab. Den Erfolg dieser Absendung wollt' er eben hier und eine Meile vor L– abwarten. Es kann sein, dass auch etwas Furcht vor dem starken Kerl, der dem Martin Jakob Kegler so schwer gefallen, zu den Ingredienzen dieser Eilfertigkeit und dieses Vorlauts gehört. – Zwar erfolgte keine schriftliche Antwort; allein es erfolgten ein Unterofficier und zwei Mann, die sich Verhaltungsanordnungen ausbaten. Einen Augenblick, sagte unser Scharfrichter, denn er übersah noch seine Fragstücke, und fand sie hie und da nicht bandfest. Einen einzigen Augenblick, sagte unser Justizrat; allein es währte eine Stunde.
Ein Pröbchen von unserm Justizrat.
Promemoria
in Untersuchungssachen wider die aus Curland ent
laufene Dienstbotin und Diebin, W i l h e l m i
n e – –, ihre vorläufige Abhörung und Haft betref
fend.
Nach den gewöhnlichen fragen:
Namen? Geburtsort? Vaterland? Eltern? Wer ihr Vater sei? (Es ergibt sich nicht aus den Akten untertänig ist sie nicht.) Bei der Mutter ein Wort zu seiner Zeit. Wie alt? Religion? Wozu noch ausserhalb der Linie kommen könnte: ob sie vom vierten Gebot unterrichtet und mit den Pflichten bekannt sei, die sie allen denen, die Gottes Bild an sich tragen, welches im gegenwärtigen Fall Herr v. E. wäre, schuldig? Des Vaters Segen baut den Kindern Häuser. Stoff zur dreifachen Ermahnung. – Bleib im land und nähre dich redlich. Ob sie das siebente Gebot Gottes wisse? Geschärfte Ermahnung. Ob das fünfte Gebot Gottes? Wer lügt, stiehlt auch, und wer stiehlt, mordet. – Eine Erschütterung!!!! Wer Menschenblut vergiesst, dessen Blut soll wieder vergossen werden. Ob sie nicht alle zehn Gebote Gottes übertreten und ob, wenn noch mehr als zehn wären, sie nicht auch die mehreren mit Füssen gestossen?
Es gibt nur ein Laster, nur eine Tugend. Einmal eins ist eins.
Das gegebene böse Exempel ist wie eine Brandstiftung; wenn man auch gern die Flamme hemmen wollte, kann man?
Donner und Blitz! –
Vogel friss oder stirb!
Nach diesen Vorbereitungsfragen:
Ihr stehet vor Gott und der Obrigkeit, die von ihm geordnet ist, prüft Euch, ob Ihr mit dem Vorsatz hergekommen, Gott die Ehre zu geben und die reine, ungeschminkte Wahrheit zu bekennen? Ist es nicht Euer Vorsatz gewesen, sondern habt Ihr geflissentlich Sünden mit Sünden häufen wollen, so verstockt wenigstens auf diess Wort Euer Felsenherz nicht.
Das Wenigste, was Ihr tun könnt, ist Bekenntniss und eine geduldige Unterwerfung in Rücksicht der zeitlichen Strafe, die gegen die ewige leicht ist. Antwortet ohne Gleissnerei und Kunststück, aus dem Innersten Eures Herzens und so, wie Ihr es einst vor dem letzten strengen Richterstuhl Gottes zu verantworten gedenkt, wohin, so jung Ihr seid, Ihr über ein Kleines citirt werden könnt. Wollt Ihr? –
Ehe noch Mund und Hand ans Werk gelegt wird, die R e c o g n i t i o n der person, nach denen, wiewohl im besonderen Styl, übersandten Angaben:
Wuchs.
Sie gränzt ans Männliche.
Schlank.
Gesund