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Jakob genannt. Er ist im Dienste Gr. Hochwohlgeboren des Herrn v. E. Seine Religion ist die luterische. Alt ist er fünfundzwanzig Jahre. In Rücksicht der Sache selbst stimmt er in seinen Aussagen mit dem Beifuss pünktlich, ausser dass er wegen der Flucht der Wilhelmine – – noch folgende Umstände nachträgt:

Es ward ihm aufgegeben, die Flüchtlingin einzuholen, nachdem ihre Flucht und ihr grosser Diebstahl zu jedermanns Wissenschaft drang. Nach einigen fruchtlosen Bemühungen war er wirklich so glücklich, sie auf der Flucht zu erspüren und zu bezirken, da indessen sein Auftrag sich nicht weiter erstreckte, als die Läuflingin gütlich zur Rückkehr zu bequemen, blieb er bei der Verfolgung dieser Läuflingin unbewaffnet. Sobald er sie traf, machte sie einen Schrei, welcher ihm zwar sehr auffiel, indessen hätt' er sich eher den Tod, wie er bemerkt, als die Folge vorgestellt, welche dieser Schrei wirklich gehabt; denn es war ein Hülfsund Notzeichen, und sogleich stürzte eine starke Mannsperson auf ihn zu, mit einem Messer, mit welchem er den Comparenten nicht etwa bedrohte, sondern er stürmte los auf ihn, und würde' ihm auch wirklich auf der Stelle das Leben genommen haben, wenn er sich nicht zu retten gesucht hätte. Wilhelmine – – forderte diesen Mörder mit Geberden und Worten auf, setzte Comparent hinzu, mich zu verfolgen, indessen war mein Pferd aller dieser Bemühung überlegen. Dieser unglückliche Vorfall brachte den Comparenten nicht ab, der Flüchtlingin nachzusetzen, vielmehr sprengte er ins nächste Dorf, um sich zu verstärken. Er hatte Mühe, wegen der Feldarbeit, ein paar Männer für Geld und gute Worte zu stand zu bringen. Er ritt mit zwei herzhaften Begleiternwir alle drei, wie die Bären, sagte er, allein Wilhelmine und der Mörder (anders kann ich ihn nicht nennen) waren nicht aufzufindenihre Stätte war nicht mehr. – Wir ritten in die Kreuz und Quere, bis in die sinkende Nacht hinein. Auf die Frage: in welchem verhältnis Comparent den Mörder gegen Wilhelminen gefunden, und was sich eins gegen das andere angemasst? erwiderte er, um seine eigenen Worte beizubehalten: Ich halte diesen Kerl für nichts weniger als ihren Liebhaber, wohl aber für einen, den der Liebhaber gedungen haben könne, ihr sicher Geleit zu geben. Unfehlbar schlief Mine, da ich sie entdeckte, und schon die Entfernung des Mörders bei dieser gelegenheit beweist meine Meinung.

Ob Wilhelmine zu Wagen, zu Pferde oder zu fuss gewesen, weiss Comparent nicht anzugeben, der sehr bedauert, dass Se. Hochwohlgeboren ihm, dieses Vorfalls wegen, einen grossen teil des vorigen gnädigen Zutrauens entzogen, so dass ihm, wenn selbst er ein Schuldgenosse, Mitgehülfe und Teilhaber von dieser Läuflingin gewesen, nicht ungnädiger begegnet werden könnte, indem Güte und Wohlwollen die Hauptzüge an Sr. Hochwohlgeboren waren. Seine, des Comparenten, Wünsche, die er mit gefalteten Händen tut, gehen dahin, dass Wilhelmine – – als eine Landstreicherin, Diebin und Mordbefehlshaberin dingfest gemacht und zur Bestrafung eingeliefert werden möchte, und dass alsdann nicht Gnade für Recht ginge, wie er aber, nach der Milde Gr. Hochwohlgeboren, nach vielen belebten Datis, befürchten müsste.

Nachdem dem Comparenten seine Aussage wörtlich vorgelesen worden und er ihr in alle Wege beigestimmt, ward er abgelassen.

Bei der kleinsten Nachfrage findet sich vor, dass Wilhelmine – – weit und breit gestohlene Sachen verkauft. Um die Akten nicht ohne Noch zu häufen, schränkt man sich auf die laudirte A m t m ä n n i n und ihre S c h w e s t e r ein, welche bei allen Anstrichen und Bemäntelungen, die sie der Sache zuwenden, jedoch so viel unverdreht eingestehen, dass sie Wäsche und Kleider wenige Tage vorher, da Wilhelmine entsprungen, gekauft. Sie versichern, dass sie auf keinen bösen Gedanken verfallen, da Wilhelmine – – schon sonst Kopfputz und andere Stücke ihnen käuflich überlassen. Diessmal, sagt die Amtmännin, war das erstemal, dass sie nicht unmittelbar mit uns handelte, sonst geschah es nie durch die dritte Hand, sondern vor aller Welt, Augen und Ohren und allen andern Sinnen. – Diessmal war das erstemal, dass die Sachen unter der Vorspiegelung zu uns gebracht wurden, die person, welcher diese Stücke als Eigentümerin zustünden, sei in Geldverlegenheit und notgedrungen, hiess und das auszustossen. Beide, sowohl die Amtmännin als ihre Schwester, bekennen, aus vielen Umständen bemerkt zu haben, dass Wilhelmine – – bei diesem Verkauf unter der Decke spiele, gewiss aber, fügen sie hinzu, wussten wir's nicht. Sie bitten inständigst es zu vergünstigen, dass sie diese Sachen, da sie solche nicht unter dem Wert berichtigt, behalten und nicht auszuantworten mögen angewiesen werden.

Nebenumstände findet man nicht nötig diesem Protokoll einzuverleiben, welche diese beiden letzten Personen, nämlich die Amtmännin und ihre Schwester, eingestreut.

Alle Brödlinge des Herrn v. E. Hochwohlgeboren treten den Aussagen des leiblichen Vaters der Läuflingin bei und bekunden, dass diese Wilhelmine – – ein verhärtetes, verdorbenes Herz besitze, und sich durch die gnädigsten Verheissungen der hochwohlgebornen Gutsherrschaft, sie auszustatten und den Kranz zu bezahlen, nicht auf andere Wege lenken lassen; wie sie denn geflissentlich, vorsätzlich und arglistig Zwistigkeiten, Irrungen und Verschiedenheiten erregt, die klarsten Dinge verflochten und verdreht. Mit diesen Gesinnungen vereinbarte sie auch obenein die verteufelte Schadenfreude, so dass um die Sache kurz zu fassen, diese person, welche schnöde zu handeln sich zur