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wähle einen König, einen Landesdeputirten, einen Priester, einen Küster einrichtet. Es wird überall gewiehert. Kurz Benjamins Pferd wieherte zuerst, und die Krone war sein, damit ich sie ihm durchs Recht der Waffen, welches das besonderste Recht von allen ist, nehmen könnte. Er nahm die Glückwünsche an, und da ich bei dergleichen Dingen erschrecklich gelehrt war, brachte ich noch so viel Umstände aus der geschichte bei, dass ich nunmehr, wiewohl zu spät, aus der Bewunderung des volkes einsah, wie ich um eines Darius wegen eben kein Pferd hätte wiehern lassen, sondern bloss meine Zunge tapfer brauchen dürfen. Einen Alexander durften wir nicht suchen, denn die heilige Taufe hatte mir dazu ein Recht gegeben. – (Das Glück ist nicht viel auseinander, einen Freund oder einen Feind zu haben, der uns Ehre macht, und wenn ich also den Benjamin zu meinem Feinde anzunehmen kein Bedenken trage, was wollten denn die Jungen?) – Fast schäme ich mich, da ich meinen Lesern so spät eröffne, dass ich Alexander heisse. Um indessen diese Verspätung gut zu machen, will ich dabei bemerken, dass meine Mutter mit diesem Namen d e n A l e x a n der Einhorn, zweiten Superintend e n t e n in Curland, mein Vater aber den wirklichen A l e x a n d e r , oder den A l e x a n d e r M a g n u s , d e n A l e x a n d e r , gegen den alle andere Alexander es nicht sind, zu verstehen schienen. Meine Mutter hielt sogar das Wort E i n h o r n für eine freie Uebersetzung des Namens Alexander, und rief mich daher sehr oft E i n h ö r n c h e n , obgleich mein Vater nicht sonderlich damit zufrieden war. Sie hätte um alles in der Welt willen nicht O l y m p i a s sein wollen. Es war ihr sehr unangenehm, dass wir heidnische Historien aufführten, daher sie, sobald sie Kriegsgeschrei im dorf hörte, uns die Historie vom J o s e p h in Vorschlag brachte, wozu sie unter andern den Grund hernahm, weil ich einen bunten Rock hatte. Indessen bestärkte mein Vater meinen Entschluss, Alexander zu werden, und war dabei so zufrieden, dass ich den guten Mann als Feldpropst hätte mitnehmen können, wenn A l e x a n d e r einen F e l d p r o p s t gehabt hätte.

Zum Aristander war mein Vater nicht als ein christlicher Geistlicher zu brauchen, eine so wichtige geistliche Rolle auch Aristander zu seiner Zeit in der geschichte Alexanders spielte. Gelegenheiten machen Diebe, Gelegenheiten machen Helden, und es ist nicht zu läugnen, dass auch Alexander gelegenheit gefunden. Aristander indessen, das wett' ich, hat eben so viel getan als Alexander, obgleich der erste eigentlich nur ein Gelegenheitsmacher war. Von der Auslegung des Traums des Philippus an, welchem vorkam, dass er den Leib seiner königlichen Gemahlin Olympias mit einem Wappen, worauf ein Löwe gegraben war, versiegelt, als welchen Traum Aristander auf einen Sohn, der ein Löwe sein würde, auspunktirte, bahnte er durch alle seine Auslegungen unerhörte Wege. Es ging wie beim Religionskriege zu A r i s t a n d e r gab dem Alexander, seinem Generalfeldmarschall B u c e p h a l u s und der ganzen A r m e e den Sporn. Die Auslegung, als man ihm meldete, dass eine Bildsäule des Orpheus geschwitzt hätte, gefiel seinem christlichen Herrn Collegen, meinem Vater sehr übel. Es sollte dieses nach des Aristanders Deutung anzeigen, wie die Poeten bei der Alexandriade schwitzen würden. "Dass dich," – sagt mein Vater, "Aristander hat bei dieser Auslegung selbst geschwitzt." Ich kann es jetzt zwar meinen Lesern nicht ohne lachen erzählen, durch den Umstand sehr aufgefordert zu sein:

Dass in der Nacht, da ich geboren, ein Backhaus

Indessen brauchte mein Vater diesen Vorfall sehr zu meinem Vorteil. Es war das Gerüste, auf das ich stieg, um gut dazu zu kommen, die Leiter, mich, so jung und klein ich war, doch künstlich gross zu machen. Der Vorfall diente ihm meine Lebenskarte zu illuminiren, und es half mir diese Fiction bei Sprachen und bei Schlachten. Wenn gleich ich mir nicht einbilden konnte, dass die Diana nicht Zeit gehabt, das Backhaus in Protection zu nehmen, da sie bei meiner Mutter Hebammendienste verrichtete, schien's mir doch was Denkwürdiges. Das Feuer vom Backofen war mir eine Leuchte auf manchem sauern Vocabelnwege, und nimmermehr würde' ich dieses alles so herzlich erzählt haben, wenn nicht bei tausend Merkwürdigkeiten, die in der Welt geschehen, ein abgebranntes Backhaus der Entstehungsgrund wäre. Eine Art Bucephalusgeschichte veranstaltete mein Vater, da er einem Pferde diesen Namen verehrte, das wie alle andere Pferde war, das seines Schattens wegen nicht in Unordnung kam, und das eben nicht wert war, im besonderen verstand v o n d e r S o n n e beschienen zu werden. Meinem Tempel der D i a n a indessen war der Gaul sehr angemessen. Ich sah verschiedenes, was man beim Bucephalus sah, allein ich konnte es nicht ändern, dass ich nicht auch verschiedentlich etwas anders sah. Mein lieber Vater sah alles

Was der Herr von Voltaire in seiner geschichte "Alexander Magnus" vom Bucephalus