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Herr, segne Sie! Ich küsse Ihnen und dem Herrn Pastor, dem Boten Gottes, die Hand. Gott wird ihn so in seinem Letzten erquicken, als er mich vorigen Sonntag in meinem Letzten inerquicket hat.

Lieber Vater, sagen Sie diese Stellen der Frau Pastorin vor, und danken Sie dem Herrn Pastor tausendmal, tausendmal! Lieber Herr Pastor! Engel Gottes! ich danke Ihnen tausendmal, tausendmal! –

Ich wünschte sehr, mein Vater, dass diese frommen Leute gut von mir dächten, des Gebets dieser Frommen wegen, dem ich mich empfehle. Setzen Sie mich, mein Vater, in die Güte, in das fromme Andenken der Frau Pastorin zurück. Schlagen Sie mir, lieber Vater, diese letzte Bitte nicht ab, und dann noch eine nicht: – das Grab meiner Mutter in Ehren zu halten! Wenn die Erde nachlässt und das Grab sinkt, lassen Sie, lassen Sie doch Erde, gute schwarze Erde nachschütten, damit es nicht das Ansehen, das edle Ansehen eines Grabes, eines Hügels verliere. Meine Mutter ist ja die Handvoll schwarzer Erde wert! – Nun leben Sie wohl! – Wenn Sie Denen heiraten, lassen Sie sie nicht verächtlich von meiner Mutter reden; es ist eine selige Mutter. Verdoppeln Sie Ihre Liebe gegen meinen Bruder Benjamin. Er ist jetzt das einzige Kind, das von einer Mutter stammt, die im Himmel ist. – Grüssen Sie ihn von mir tausendmal; so oft er zu Ihnen kommt, grüssen Sie ihn tausendmal! – Grüssen Sie alle, die sich meiner zu erinnern die Güte haben. Verfolgen Sie mich nicht, denn ich gehe auf Gottes Wegen. Regine ist so unschuldig an meiner Entfernung, als die Sonne am Himmel. Grüssen Sie auch Reginen von mir. Ich bitte Reginen ab, dass ich Sie wegen meiner Flucht getäuscht habe. – Gott lasse es Ihnen allen, allen, allen wohl gehen zeitlich, geistlich und ewig wohl! wohl! Wenn Herr v. E. seine Gemahlin treu lieben wird, nur dann wird er glücklich sein. Gott sieht das Herz an und alle guten Leute, die Gottes Bild an sich tragen, dessgleichen. Ich wünsche auch ihm alles, alles Gute! Hiermit leben Sie wohl, alle! alle! Leben Sie wohl!

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Hermann war gerührtweinen konnte er nicht. Schon wollte er den ganzen Handel mit D e n e n wieder aufgeben und zu meinem Vater gehen, und seine Sünde in den Schooss seines Beichtvaters bekennen. Er konnte sich nicht entbrechen, vor sich zu sagen, als ob er sich auf das Compliment zu meinem Vater besönne: Vater, ich habe gesündiget im Himmel und vor dir, ich bin hinfort nicht wert, dass ich dein Beichtsohn heisse.

Diese Bussgedanken wurden aber bald zerstreut. Nimmt Herr v. E. Denen von mir, was hebe ich an? Graben mag ich nicht; doch schäme ich mich zu betteln. Diess setzte er seinen Bussgedanken entgegen, und wenn sie gleich nicht völlig in Flucht geschlagen wurden, so waren sie doch wenigstens wankend gemacht. Je weiter er dem Vorfall nachdachte, desto mehr befestigte sich sein Entschluss, sich unter die gewaltige Hand des Herrn v. E. zu demütigen. Sein letzter Vorsatz war, dem Herrn v. E, der, wenn er wollte, ihn ganz und gar an den Bettelstab bringen könnte, alles zu entdeckenund sich ihm auf Gnade und Ungnade, auf Tod und Leben zu ergeben. Er nahm den Brief mit (die Hand zitterte ihm, da er ihn angriff) und ritt nachzum Herrn v. E.

Nun, Teufel! war der Willkommen.

Hochwohlgeborner, gnädiger Herr! hier!

Was? (Herr v. G. nahm und las.) Blitz! Donner! Zeter! Wetter! wo ist die Bestie?

Gnädiger Herr, verzeihen Sie

Er ist toll!

Wie Ew. Hochwohlgeboren befehlen.

Die Bestie, wo ist sie?

Das ist Gott bekannt!

Nach einem langen Missverständnis; kam es heraus, dass der Abgesandte J a k o b die Bestie war. Ich bin ihr begegnet! – Gewiss und wahrhaftig, sie war es! schrie Herr v. E.

Ketten! – Jakob! wo ist die Bestie? Jakob kam, und nach den entsetzlichsten Flüchen wurde Jakob in Eisen geschmiedet. Dieser Kerl, mit dem ein kurzer Process gemacht ward, schien der Ableiter der Wut des Herrn v. E. zu sein. – v. E. erholte sich. –

So lange als ich sie nicht habe, sollst du so liegen, Bestie! das war das Urteil.

Es wurden Steckbriefe und Boten zu Fuss, zu Pferde und zu Wagen ausgesandtallein Mine kam glücklich nachKönigsberg. – Sie erschrak über diesen Ort. So gross! sagte sie zu den Fuhrleuten. Es war der nämliche Major und der nämliche Junker, die mich nach Königsberg gebracht hatten. – Mine schlief in Königsberg auf der nämlichen Stelle, wo ich geschlafen hatte, und es sei, dass Ahnung es ihr eingab, oder, was weiss ich, wie sie empfand, dass ich da gewesen. Bis dahin hatte sie hiervon keinen Gedanken gehabt. – Jetzt kam es ihr schnell ein, wie alles kommt, was gut ist. – Mine lenkte das Gespräch auf die hohe Schule, und immer weiter und weiter, bis die Majorin selbst von mir anfing