ei, dann Vater sein! – Versteht sich, sagte Herr v. E., ehrlich und ordentlich – ich werde doch, Herr! zum Teufel! wissen, mit einem Mädel eine Comödie zu spielen! Hat der Herr schon gehört, dass die Personen im letzten Akt des Lustspiels sterben? Und ein Lustspiel, hört der Herr? ein Lustspiel soll es werden! Dieses Lustspiel wäre, Dienstags vollendet worden; allein Herr v. E. musste nolens volens seine Braut zu einem ihrer Anverwandten, der bei Mitau wohnte, begleiten. Hermann blieb, auf Geheiss des Herrn v. E., so lange bei der Frau v. E. Gnaden und bei der Jungfer Dene Hochedelgeboren.
In zwei bis drei Tagen bin ich hier, schrie noch Herr v. E. dem Hermann vom Pferde zu, und dann Herr v. E. traf nach drei Tagen ein, fand den Hergende Schrift:
Sie wissen selbst, m e i n V a t e r – Vater werde ich Sie nennen, es gehe wie es gehe – Sie wissen selbst, dass ich nicht aus Tücke des Herzens aus meinem vaterland, und aus meiner Freundschaft, und aus meines Vaters haus gegangen, in ein Land, das Gott mir gezeigt hat! – Sie wissen alles! Ich bin Ihre Tochter! Mehr als diess: S i e w i s s e n a l l e s , darf ich mich nicht unterstehen, zu schreiben, und sollten oder wollten Sie nicht alles wissen, so wäre es ein sehr unzeitiges Geschäft, mehr zu schreiben. Gott verzeihe es mir, wenn ich jetzt oder jemals die achtung aus dem Auge verloren, die ich Ihnen schuldig bin. – Mein Weg geht, wie ich fühle, zum Himmel ein. Ich habe zu viel Angst, zu viel Kummer erlitten, um hoffen zu können, eher als vor Gottes Tron bei meiner seligen, ja wohl seligen Mutter glücklich zu sein! Dann, dann wird, o wie freue ich mich dessen! das Grab in Absicht meines hinfälligen Teils meine Behausung, Finsterniss mein Bette, die Verwesung mein Vater und die Würmer die Meinigen sein – allein mein Geist! – dort, dort werden abgewischt werden die Tränen von meinen Augen! – Im Himmel ist mein teil und Erbe! – Ich bitte Gott, dass ich Sie einst auch da finden möge, mein Vater, da, wo Ruhe ist! Sie haben mir auf volle acht Tage Ausgabegeld gegeben; die Rechnung vom Sonntag und Montag liegt auf Ihrem Schreibtische. Reginen habe ich Geld auf zwei bis drei Tage zurückgelassen, hier ist das übrige vom Wochengelde. – Ich habe nichts von dem Ihrigen mir zugeeignet, ich habe Ihnen nichts entwendet. Sie berechneten sich mit meinem Bruder Benjamin, und wie mir es vorkam, legten Sie auch mein teil ab. Diesen schenke ich meinem Bruder. Ich wünschte wohl, dass D e n e nichts trüge, was meine teure Mutter getragen hat, wenn es ihr, wie ich vermute, nicht schon an sich zu schlecht ist. – – Sollten Sie, mein Vater wider all mein Vermuten, etwas missen, so muss Regine davon Anzeige tun können, die indessen, wie Sie wissen, die Ehrlichkeit selbst ist. Ich gehe, und das können Sie sich leicht vorstellen, mit schwerem Herzen, o Gott! mit schwerem Herzen von hier. An diesem Briefe habe ich drei Tage geschrieben. Tränen beziehen mir so die Augen, dass ich auch jetzt nicht sehe, was ich schreibe. – Gott sei mir gnädig! Ich bete auch für Sie! und werde es nie aufhören zu tun. Haben Sie tausend Dank für alles Gute, so Sie meiner Mutter, und so Sie mir getan! Meine Mutter lässt sich noch durch mich bedanken. Gott vergelte es Ihnen! – Ihr Grab war mein Labsal, sonst wäre ich vergangen in meinem Elende. Verzeihen Sie alle meine Fehler, wodurch ich Sie in meiner Jugend betrübt habe. Seit vielen Jahren, dünkt mich, habe ich Ihnen nicht gelegenheit zur Unzufriedenheit gegeben. Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen. – Meine Entfernung rechnen Sie nicht unter Fehler, die ich Ihnen abzubitten schuldig wäre – ich bitte sie Ihnen dennoch ab, weil ich weiss, dass sie Ihnen einigen Verdruss machen wird. Der Himmel gebe, dass er so klein sei, als nur möglich, nur möglich. – Wenn Sie nicht glauben wollen, dass mich Gott zu gehen geheissen hat, so lassen Sie sich von dem Herrn Pastor die Predigt vom vorigen Sonntag geben. Diese Predigt liess Gott durch ihn an mich halten – das können Sie mir glauben, weil ich es empfunden habe, und wenn Sie die Predigt lesen, werden Sie es auch empfinden, und mir wenigstens e i n e g l ü c k l i c h e R e i s e wünschen, wie Sie meinem Bruder wünschten. – Die Frau Pastorin haben Leute, das weiss ich, wider mich aufgebracht.
Ich bitte Sie, meine liebe Frau Pastorin, um Gottes
willen, um Gottes willen, nicht zu denken, dass ich Ihren Sohn verführt habe, und noch verführe. Eben so wenig, als er mich verführt hat und verführen wird, eben so wenig ich ihn. – Sie sind eine gute, verehrungswürdige Frau, meine geistliche Mutter, die mich über die Taufe gehalten hat – ach! – – Gott, der