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zu d e n lettischen Declinationen und Conj u g a t i o n e n , wie ich unlängst gelesen, ein Märtyrer ward, und eine wiewohl b e m i t t e l t e und f r e i e l e t t i s c h e Bauerwittwe (hübsch wird sie ohne Zweifel auch gewesen sein) heiratete, um recht unter das Lettische zu kommen. Ihm hat die lettische Grammatik den Eckstein, die Kirche aber sehr schöne Gesänge zu danken. Ehre, dem Ehre gebühret! sagte der alte Herr; und so wenig ich es zugeben würde, dass dem alten Herrn was abginge, eben so wenig will ich auch meine Leser bei einem Irrtum lassen, der sich sehr leicht bei ihnen hätte zur Miete anbieten können.

Ehe ich vom a l t e n Herrn zum jungen übergehe, noch ein Wort an den herzlich geliebten Leser, den wider mein Verschulden der Gedanke befallen, dass die Charaktere in dieser geschichte so ziemlich übereinstimmend wären:

Da mein Vater sein Vaterland und der alte Herr seinen Namen verschwiegen;

Da meine Mutter sich eben sowohl über den Ritter Jachnis, als den Cantor und respective Schneider, Töpfer und Schuster, Nicolaus Herrmann genannt, aufhielt; da – – –

Allein hierauf dienet dem geneigten Leser zur dienstlichen Antwort, dass ich die Sache erzähle, wie sie war, und nicht, wie man sie wünschen könnte. Wenn ich einen Roman schriebe, wäre es was anders. – Haben nicht sogar Völkerschaften gewisse ähnliche Züge? und jede Stadt und jedes Dorf durch die ganze Welt halten unter einander wieder ihr Abzeichen. Würde es mir zuzuschreiben sein, wenn die Unergründlichkeit wirklich der Hauptcharakter unseres Kirchspiels gewesen wäre? und wäre dieses nicht um so begreiflicher, da mein Vater hierzu den Ton angeben können? wo hab' ichs indessen je gesagt, dass der alte Herr seines Namens wegen in Anfechtung gewesen? oder dass er ihn verschwiegen? Ist denn a l t e r H e r r zu heissen nicht eben so gut, als C a s p a r und M e l c h i o r ? und ist's einerlei, lettische Verse machen, welches in Curland was allgemeines ist, und ein Positiv schlagen, welches selten vorkommt? – Wenn ich ganz aufrichtig sein soll, hast du dich gewaltig geirrt, lieber Leser, denn du kennest den alten Herrmann nicht weiter, als wo er von meiner Mutter überflügelt war. Dieser Uebergriff entscheidet nichtsund was ist's am Ende für Kunst, Physiognomien zu beurteilen, wo der eine eine Habichts- und der andere eine Mopsnase hat, – wo der eine ein Verschwender und der andere ein Harpagon ist. Sieh aber leibliche Brüder, sieh natur- und Staatsbrüderfind'st du noch Bedenklichkeiten; bist du ein Recensent, und da verlohnt's nicht, zu streiten, dass du nur nicht hingegeben im verkehrten Sinn, zu schreiben, was nicht taugt, mir, um dein vorgeschriebenes Recensionsmass voll zu machen, ein gegebenes Aergerniss andichtest. – Ich verfluche jedes Wort, das der Religion und ihrer Mutter, der Tugend, nachteilig sein könnte; allein ich glaube, die Religion in der Kirche verschliessen und sie nicht ins gemeine Leben bringen, heisst alle Wärme, alle Empfindung des Herzens aus der Welt verbannen, und Tugend an einen Ort verlegen, wo denen, die nicht Geistliche sind, weiter keine Handlung übrig bleibt, als ö f f e n t l i c h in den Seckel zu legen, und kein anderes Verdienst, als still zu sitzen. Ich wette, die mich auf diese Art zeihen, vergessen, dass wir nur aus der Kirche eine glühende Kohle vom Altare heimholen sollen, um im gemeinen Leben Gott Opfer der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit zu bringen, die allein ein süsser Geruch vor dem Herrn sind und wert geachtet in seinen Augen. Auch seine Heiligen sind nicht rein vor ihm, und warum soll ich also meine Mutter anders darstellen, als? – Ich bin zu bewegt, als dass ich heute mehr könnte als die Sonne untergehen, und wenn ich ins Bett' mich lege, nach meiner Mutter Weise ein Licht ausbrennensehen.

Geschrieben an einem schönen

Abend den17

Benjamin gefiel mir unter allen Jungen unseres Kirchspiels am besten, und da ich vollkommen entschlossen war, aus ihm den Darius (den kleinen oder letzten) zu machen, so muss ich gestehen, dass ich viel Mühe befürchtete, durchzukommen. Zum Glück fiel mir die Tronerhöhung eines seiner Vorfahren ein. Wie kann Benjamin Darius werden? sagte das Heer. Hier sind acht Jungen, die gerade Beine haben, und ausserdem, dass dem H e r r n Benjamin (so nannten sie ihn schon, weil er Candidat des Trons war) das Bein nicht an der rechten Stelle sitzt, hat er den Fehler, dass er link ist. Nehmt sieben, sagt' ich, nach Anzahl der sieben Fürsten, welche den König Smerdis mit seinem Anhange ausrotteten, und der, dessen Pferd, wenn ihr beim Spital angeritten kommt, am ersten beim Aufgange der Sonne wiehern wird, sei Darius. Gut, sagten die sieben Candidaten zur königlichen Würde; allein sie wussten nicht, dass der königliche Candidat es so einrichten liess, wie es Darius, des Hystaspis Sohn, oder vielmehr dessen Stallmeister einrichtete, und wie man es noch bis auf den heutigen Tag bei allen Wahlen, man