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Ursache war: sie grüsste mich liebreich. Zum letztenmal, dachte ich, und eine Träne stürzte aus meinen Augen! – Deines Vaters Hand, oder die deinige, war auch das Letzte, was ich ansah, und hiermit fielen mir die Worte ein: Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Da ich zu haus war und die Predigt deines Vaters, und den liebreichen letzten Gruss deiner Mutter mir wiederholte, überfiel mich der Gedanke, deinen Eltern lieber alles zu entdecken. Wer steht dir, dachte ich, für den Erfolg? Für deinen Vater war mir zwar seine Predigt Bürge geworden, s e i n e H a n d war mir Bürge, du warst mir Bürge; indessen schlug der Eifer deiner Mutter für den Stamm Levi diesen Gedanken nieder. Die feste Verabredung mit Benjamin, die Gewalt, die sich ein curischer Cavalier beilegtund endlich das W ä l d c h e n , waren Beiträge zur Entkräftung meines Mutes. – "Ich kämpfte lange, endlich siegte der Zweifel." – –

Mine packte noch das Uebrige zusammen, berichtigte jeden Dreier, wo sie etwa für Milch oder für Früchte etwas schuldig war, schenkte ihren Paten im dorf viele Sächelchen, die ihr auf der Reise nichts helfen konnten.

Nichts, schreibt sie, M o n t a g s frühe, nichts ist, mein Einziger, von den gesegneten Sachen zurückgeblieben! Alles, alles, was ich von dir habe, alles, was dein Mund, deine Hand eingeweiht hat, geht mit mir Regine bat mich, da sie sah, dass ich im Austeilen begriffen war, um das Band, das dir so sehr gefallen hatte; du hattest es oft in deiner Hand. – Nein, Regine, das nicht. – Ich gab ihr ein anderes Band, und da ich kein schlechtes hatte, eins, das zehnmal höher im Weltwert war.

Du packst ja, Mine, sagte Hermann, indem er sich Sonntags an den Tisch, der mit Schöpfenfleisch und weissem Kohl besetzt war, hinsetzte. – Mine muss es sehr merklich gemacht haben.

Ich räume auf, antwortete sie.

Schön, mein Kind; es ahnt dir vielleicht ein Besuch.

Ein Besuch?

Es könnte sich zutragen, dass Herr v. E. käme. Wenn es sich zutrüge, liebe Mine, wennFolge deinem Vater und sei gefällig.

Sie hatte kein Wort im Vermögen; allein sie war so ruhig, dass Hermann diese Ruhe fühlte und sie zu seinem Vorteil entgegennahm. Er klopfte ihr auf die Wange und sagte: Du bist doch ein hübsches, gutes Mädchen, und wirst eine Pastorin werden zum Küssen. Auch darüber entrüstete sich Mine nicht. – Sie blieb ruhig. Hermann zählte schon die hundert fünfzig Judastaler in Gedanken.

Montag Nachmittag kam Herr v. E., alles, wie es geschrieben stand. Die Sühne ward eröffnet. Hermann entfernte sich, nachdem er, wie er glaubte, die Sache in gang gebracht. Sobald die Hauptparteien allein waren, fing Herr v. E. ohne Glas seine Rebe mit vielem Bitten um Verzeihung an, und machte sich als Bräutigam mit fräulein S. bekannt. Mine gab darauf nichts als das Alltägliche. Es hatte wieder das Ansehen, dass Herr v. E. ein Geschenk in der Nähe hätte. Er wollte wagen es zum Vorschein zu bringen; allein es schien, als dürfte er's nicht. Nun nahm er einen andern Weg und bemerkte, dass er mich kenne. Zwar hätte er nur einen Abend in meiner Gesellschaft zugebracht; indessen wäre ein Abend hinreichend, wenn man Leute, wie mich, träfe. – Mine hatte sich so sehr in ihrer Gewalt, dass sie fragen nach mir tat, die Herr v. E. zu meinem Vorteil beantwortete. Mine ward dadurch aufgeräumt, und Herr v. E. ergriff diesen Zeitpunkt, im Namen seiner Mutter seine Anwerbung zu tun. So, setzte er hinzu, hätte diese Sache gleich gefasst werden können und gefasst werden sollen. Verzeihen Sie diesen, verzeihen Sie alle und jede Fehlerich bin jung; allein merken Sie es nicht selbst, fügte er hinzu, bin ich nicht älter geworden, seitdem ich mich verlobt habe? Meine Mutter darf also hoffen?

Mine sagte ihm mit einem Anstande, der nicht seines Gleichen hatte, dass sie nie gewohnt gewesen, Hoffnungen zu geben, die sie zu erfüllen ausser stand wäre; sie müsste es abschlagen. – Und warum? fiel Herr v. E. hitzig ein.

Sie und mich zu schonenund, wollen Sie noch

mehr, Ihre künftige Gemahlin.

Er widerlegte sie Schritt vor Schritt mit vielem

künstlichen Zubehör. Da Mine aber fest in ihrer Gottseligkeit blieb, und das s e g n e G o t t u n d s t i r b des Herrn v. E. mit englischer Geduld trug, lief Herr v. E. über und stand da, ganz wie er war. Mine erschrak, da sie die plötzliche Verwandlung der Schlange in einen Tiger sah; indessen kam sie nicht aus der Fassung.

Es scheint, Sie haben Ihrem Adonis zugeschworen,

keine Mannsperson anzusehen, fing Herr v. E. nach einigen Erholungsblicken spitzig und hohnlächelnd an Seine Zähne blieben unbedeckt.

Eben würde ich das Gegenteil bewiesen haben,

wenn ich einen Adonis hätte, erwiderte Mine.

Du sollst nicht andere Götter haben neben mir