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Tag älter und muss solid denken. – Wenn der Pastor uns, S. und mich, traut, lass Mine dabei stehen. Dem Testamentsfräulein geb' ich zwar die Hand, denn das bringt die Ceremonie so mit, aber Mine will ich ein ganzes Auge voll Ja's schenken, und hol' mich der Teufel, ich will sie selbst ansehen, wenn ich Ja zur S. sage, und diess Ja soll so leise sein, dass es der liebe Gott selbst kaum hören soll. Mehr, glaube' ich, kann Minchen nicht zur Gewissensberuhigung fordern, wenn sie Superintendentin wäre, und mehr kann sie nicht fordern, wenn sie zehn Jahre Jura studirt hätte. – Dieser Brief muss zerrissen werden, sobald er gelesen ist, oder ich stecke dem Herrn Hermann das Haus an. Hat Magdalene nicht öfter Wochen gehalten als meine Mutter? Und einen Mund voll Zähne abgerechnet, was fehlt ihr zur Ehre, die Frau eines Literatus zu werden? Reinen Wein, ober ich heisse nicht

– – v. E.

Wenn meine Leser die saubere Antwort auf diesen curisch-französischen Brief lesen wollen, hier ist sie:

Hochwohlgeborner Herr und gönner!

Gnädiger Herr Baron und gönner!

Ew. Hochwohlgeboren werden gnädigst zu verzeihen geruhen, dass ich gleich anfänglich in aller Ehrfurcht bemerke, wie ich mich wohl zu bescheiden weiss, an Briefe von gnädigen Händen nicht gewalttätige Hand zu legen; indessen ist dieser hohe Brief für Minen wie verbrannt, und noch ärger wie verbrannt, da sie nicht einmal die übrig gebliebene Asche sehen soll. Es wird Ew. Hochwohlgeboren par renommée bekannt sein, dass es mir nicht an Witz und Fähigkeit gebricht; indessen steht mir jetzt alles still, und ich muss aufrichtigst bekennen, dass ich bei dieser Sache keinen Einfall anzubeissen weiss, wenn's mir das Leben kosten sollte. Die Ochsen stehen, mit Ew. Hochwohlgeboren erlaubnis, am Berge. – Der Auftrag, womit Ew. Hochwohlgeboren mich zu beehdass ich beschämt bekennen muss, nie auf so viel Gnade gerechnet zu haben. Minen (verzeihen Ew. Hochwohlgeboren, dass ich mit dem Namen meiner Tochter den Punkt anhebe; es geschieht bloss in Aussicht der Ehre, die ihr vorsteht) hab' ich alles gesagt, was ein redlich gesinnter Vater seiner ins Verderben laufenden Tochter nur bei dieser gelegenheit sagen kann. Sie bleibt indessen bei dem, was Ew. Hochwohlgeboren schon wissen. Ich habe leise und laut geredet, sauer und süss, Böses und Gutes gezeigt, Finsterniss und Licht; was hat's geholfen? Was die Tugend ohne Brod ist, weiss ich leider aus eigner Erfahrung, und da Ew. Hochwohlgeboren entschlossen sind sich zu verheiraten, so fällt ja alle gelegenheit zum Verdacht weg, welches in Absicht eines Mädchens, nach meiner wiewohl unmassgeblichen Meinung, die ganze Mädchentugend ist. Meidet den Schein, kommt mir als die ganze M ä d c h e n o r d n u n g d e s H e i l s vor. Es ist nichts versäumt, sie ist gebeten, sie ist bedroht, sie ist gesegnet, ihr ist geflucht; allein sie bleibt bei ihrem Eigensinn. Ich sag' es ohne Ende und Ziel: Herr v. E. sind Bräutigam, und da ich es ihr schon so oft gesagt habe, tu' ich, als sagte ich's zu mir selbst: "Der Herr von E. Bräutigam! wie's ihm doch lassen wird?" u.s.w. Es wär' als mein Rat, über drei Wochen, so lange geruhen Ew. Hochwohlgeboren sich gnädigst zu behelfen, zu uns zu kommen und noch Hochselbst einen Besuch zu künsteln. Wie würde' ich mich freuen, wenn er einschlüge! Sollt' auch dieser Vorschlag vergebens sein, so muss ich schon auf die drei verschwiegenen Kerls votiren, und werde' ich alsdann mündlich Zeit und Ort zu bestimmen die Gnade haben; indessen bitte' ich, ihr diese Widerspenstigkeit nicht nachzutragen, sondern ihr sogleich zur bewussten Brodstelle zu verhelfen, und mit der Zeit sie ihrem Seelenhirten als Pastorin zu überliefern. Ew. Hochwohlgeboren können sich ganz sicher darauf verlassen, dass ich nicht zum erstenmal bei einer solchen gelegenheit, wo drei verschwiegene Kerls dabei sind, in Dienst gewesen; nur bei einer Tochter, ich muss es zu meiner Schande bekennen, dürft' es mir schwer werden, falsch zu weinen und die hände zu reiben. Vielleicht kann ich indessen so glücklich sein und mir die einhundert fünfzig Taler Albertus verdienen, daher wiederhol' ich ganz untertänigst meine Bitte, mir und ihr annoch drei Wochen huldreichst nachzusehen. Für die Nachricht von Magdalenens glücklichen Niederkünften bin Ew. Hochwohlgeboren ich ganz dienstlich verbunden; indessen wünscht' ich doch ungefähr zu wissen, wie oft sie Dero seliger Herr Vater begnadigt, um sie desto höher schätzen zu können. Wiewohl ich ohne Stolz glaube, dass es ihr nicht gleichgültig sein könne, dass sie einem Literatus zu teil werde. Ew. Hochwohlgeboren Bedienter hat sich sehr schön bei diesem Briefe benommen. Er verdient das Geschenk, wozu Ew. Hochwohlgeboren ihm bedingliche Hoffnung gegeben. – Meine Tochter ist auf keinen Schatten von Verdacht gefallen, und da ich, wie ihr bekannt ist, mit der Jungfer Dene in einem Liebesverständniss stehe, so kann es sie nicht befremden, dass ich in dieser kritischen Zeit mehr schreibe, als ich sonst zu schreiben gewohnt gewesen. Wenn Mine an Ort und Stelle und