Sie wissen es anders, lieber Freund, allein Mine braucht es nicht anders zu ein zehnfaches Muss, das eilfte sag' ich keinem, als Ihnen, meinem vertrautesten Freunde! Ich habe Reiseschulden, und in kurzem werden ein halbes Dutzend a Datos eintreffen. Sehen Sie nur, lieber Hermann, um Sie recht von meiner ehrlichen und redlichen Absicht zu überzeugen, ich will das Testamentsfräulein und Minchen zu gleicher Zeit, mit einer Klatsche zwei Fliegen. – Sagen Sie selbst, wie mir bei der Trauung zu Mute sein müsste, wenn ich nicht auf den Trost Ihres Engels rechnen könnte. Ihr gutes Herz wird mich nicht verwahrlosen. Alle Welt hat Holz zu diesem Brande gelegt, und nun verbrenn' ich in dieser Flamme. Ich weiss alle Fehler bei dieser Sache, denn sonst wäre Mine schon mein – ihrer stoischen Tugend ungeachtet, die eben so wenig wie heute zu Tage irgend eine Festung Stich hält. – Wir leben in überwindlichen zeiten. – Ich knirsche mit den Zähnen vor Liebe und vor Wut, dass ich so schlecht gespielt habe. Wenn meine Mutter Minen den Antrag getan, hätt' ich gewonnen Spiel gehabt; allein alsdann könnten Sie, Freund, Ihre Kunst nicht zeigen, alles wieder in Ordnung zu bringen. Kurz, Herr, so wahr ein Teufel in der Hölle und ich ein Cavalier in Curland bin, das ist viel gesagt, Dene ist nicht die Ihrige, wenn Minchen nicht die meinige ist! Eine Hand wäscht die andere. Wird aber M i n e D e n e – Sie verstehen doch deutsch? – so sollen Sie von meiner Mutter, nämlich von ihrem Wittwengehalt, von Testaments wegen, so lange Dene lebt, und wenn Dene eher als Sie stirbt, noch so lange Sie leben, achtzig Taler Albertus haben. Gelt, das schmeckt? Ausserdem geb' ich Ihnen ein- für allemal noch zweihundert Taler Albertus, sobald Minchen sich zum Ziele legt. Die Kinder sollen als deutsche Leute erzogen werden, wie mein seliger Vater Denens Kinder erzogen hat. Um die Sache Ihnen ganz auf ein Haar deutlich zu machen: ich verlange Minen nur her, und Sie haben die Wette zum grössten teil gewonnen. Es müsste mit dem feuerspeienden Drachen zugehen, wenn ich nicht Minchen bewegen sollte. – Nur her, Herr Magister, und das übrige wird sich finden, wie eine auswendig gelernte Predigt. Wenn Minchen sich weigert, wie sich ein Ast weigert, wenn man Kirschen pflücken will: einhundert fünfzig Taler Albertus; wenn sie nichts hören und wissen will und doch herkommt: hundert Taler Albertus und bald vergessen. Muss man doch dem Herrn alles zu Häcksel schneiden! – – Die Kruste kann der Herr Bräutigam nicht vertragen, darum Krume, wo nicht gar Pappe. – Genug, wenn Sie sich alle Mühe, es versteht sich alle erdenkliche, geben, Mine zu bequemen, und man dennoch Nein schreit und weint und klagt, ist noch ein Mittel. Ich denke doch, Sie wissen, was ein Cavalier in Curland vermag, und dass er, wie Könige, lange hände hat? drei verschwiegene Kerls zu Hand- und Spanndiensten sind auf einen Wink hier, und dort und da. – Das Beste wäre, Sie brächten Minchen her. – Schlagen Sie vor, was Sie für gut finden, sparen Sie keinen Fleiss. Auch auf den Fall der drei handfesten Kerls fünfzig Taler Albertus, und in allen Fällen, wo nur Mine ist, auch Dene. Sonst aber, hol' mich der Teufel, nicht – ewig nicht! – Der Herr soll wieder seine Klippschule halten und seine Knackwurst essen und Kofent dazu trinken. So was von Minchen trifft man nicht so leicht. Ich bin nicht etwa in sie verliebt, ich bin in sie verrückt, und das kommt wohl zum grössten teil, weil ich eben Bräutigam bin und den Verliebten spielen soll (eine verdammte Rolle!) bei einer Braut, die mir so unerträglich ist, und die mir noch unerträglicher wäre, wenn ich nicht eine Mine hätte, bei der ich mich erholen könnte. Mine gehört alles, was ich der Testamentsbraut sage, und wahrlich, ich würde' ihr nichts sagen können, ich würde vergessen, was verliebt sein und verliebt tun hiesse, wenn ich Mine nicht zur Uebung hätte. Wer Minens Tugend? – Ist so etwas Tugend, so ist wenig auf der Welt – hol' mich der Teufel – wenig! – Ich schwöre nur für Eva, weil niemand als Adam da war. – In Paris und an andern Orten essen die Schäfchen aus der Hand. Nur ganz zuletzt in Königsberg hab' ich Ihnen ein Mädchen – Mündlich mehr! Einen so langen Brief hab' ich, seitdem ich schreiben kann, nicht geschrieben. Wäre Minchen nicht der Inhalt, so müsste mich der Teufel plagen, so viel zu schreiben. Das Testamentsfräulein soll, bei meiner Seele! keinen über sechs Reihen besitzen. Haben Sie nicht was Gutes von Liebesbriefsteller, damit ich daraus ein paar Briefe für die S. abschreiben kann? Ich hab' aus vielen Gründen, und auch darum an sie geschrieben, weil ich dich kenne, du verzagter, argwöhnischer Hund! Nun hast du doch was Schriftliches in der Hand und kannst mich vor allen Gerichten knebeln. neu ist's bei alledem, dass meine Testamentsbraut die Courtage für Minchen bezahlt. Glaubt mir, Hermann, ich mein' es ehrlich mit Mine. Man wird von Tag zu