und W e i ss und das a l l g e m e i n e G e r e d e , und das E t w a s in originali, auf dessen Rechnung eine grau gewordene Stelle gehörte, die Gott dem Urheber verzeihen sollte, waren Mine unbegreifliche Dinge, – allein die Hauptsache war desto begreiflicher. – Mine tat ihren Mund nicht auf. – Zu meinem Vater sich zu wenden hatte sie kein Herz. – Es fiel ihr der Ueberfall im Wäldchen ein. – Dieser hatte bei Mine etwas zurückgelassen, was sie hielt. – Sie wollte schon, allein sie konnte' es nicht vollenden. O liebe, liebe Mine, warum nicht?
Als ich einem meiner Freunde aus freier Faust meinen Lebenslauf erzählte und an diese Stelle kam, bei der ich ihn fragte: Haben Sie das von meiner Mutter gedacht? antwortete er: Ja, Freund, denn sie konnte buchstabiren, sie setzte ihren Casum und war fromm.
Ob mein Freund recht gerichtet, mögen meine Leser nicht hier, sondern über ein Kleines beurteilen.
Herr v. E. kam jeden Sonntag in unsere Kirche. Mine sah ihn nicht an; allein er sah sie, und wie er sah, das wissen wir schon. Er verlobte sich wirklich mit dem Testamentsfräulein; den Sonntag darauf war er in unserer Kirche mit ihr und trieb die Sache so weit mit Mine, dass alle das Kirchengestühl, wo Herr v. E. sass, und Mine in einer Reihe ansahen, so dass mein Vater selbst ein paarmal ein Wort zweimal sagen und ein anderes lang ziehen musste, um sich auf das folgende zu besinnen, so sehr ward er gestört! Mine hörte, indem sie aus der Kirche ging: "Der Braut im Gestühl drückt er' die Hand und von Jungfer Minchen liess er kein Auge. Was ist besser, Hand oder Auge?"
Hermann ward in dieser Verlobungszeit mit keiner Ladung beehrt, allein dass er mit dem Herrn v. E. in Verbindung war, ergab sich unter anderm daraus, weil sie häufig Briefe wechselten, weil Verschiedenes in die Küche kam, wovon aber Mine keinen Bissen ass, und weil Hermann so gefällig gegen Mine tat, dass sie sich vollständig überzeugte: es ging etwas vor.
Sie hatte schon oft an ihren Bruder in diesen Herzensnöten geschrieben; jetzt schrieb sie dringender und Benjamin kam. Seine Ankunft konnte bei Hermann um so weniger Verdacht erwecken, da er selbst verlangt hatte, dass sein Sohn zur Schicht und Teilung kommen sollte. Es ist unaussprechlich, wie sich Mine freute, ihres Geliebten Bevollmächtigten, ihrer Liebe Zeugen, ihren Benjamin zu sehen. – Sie konnte sich nicht zurückhalten, diese Freude vor den Augen des Vates aufflammen zu lassen – schön, wie ein Opferfeuer!
Mine entdeckte ihrem Bruder mehr, als sie zu schreiben im stand gewesen, und Benjamin kannte sie kaum wieder, so sehr hatte sie sich verändert. arme, arme Mine! rief er und sah sich um, ob es auch Hermann gehört hätte. – Die ungewöhnlich starke Correspondenz ihres Vaters mit dem v. E. fiel beiden zu deutlich auf. Zwar gingen alle Briefe:
An die
Hochedelgeborne ehr- und tugendbelobte Jungfer
Magdalene –
dienstfreundlichst
in –
indessen schien sie nur überhaupt das Feigenblatt zu sein. Bald, schreibt Mine, hatte' ich Hoffnung, es würde' ein ende' gewinnen, dass ichs könnt' ertragen, bald verlor ich den letzten warmen Tropfen Mut – und ich zitterte über Leib und Leben. – So ging es auch dem Benjamin. – Ohne dass dieser seiner Schwester etwas davon sagte (wer weiss, ob sie's zugegeben hätte?), entschloss er sich, da Hermann einen guten Nachbar besuchte – (noch ward er nicht zum Herrn v. E. beschieden) – das Pult zu öffnen und eine Hand voll Briefe zu nehmen. Er rief seine Schwester, "L i e s !" sagt' er. Sie konnte nicht weit kommen; es überfiel sie eine Ohnmacht nach wenigen Reihen. Antwort ganz.
B r i e f d e s v. E. a n H e r m a n n .
Herr, Sie sollen nicht Denen haben und wenn ich Denen selbst heiraten sollte! ich selbst! Hört der Herr? wenn ich sie selbst sollte! Ihr krummer Buckel und Ihr Händedruck macht es nicht. Für was ist das? Ich bin Sohn und will das väterliche Testament aufrecht erhalten. Das will ich! ich will das! Der Herr schreibt nicht hin, nicht her! nicht gehauen, nicht gestochen. Ich muss wissen, woran ich bin, denn ich liebe Ihre bildschöne Tochter zum Entsetzen. Unter uns gesagt, ich denke' auch nicht, dass Sie ihr Vater sind. Minchens Mutter wird sonder Zweifel so bildschön gewesen sein, wie die Tochter noch ist, und dessen Gebeine mögen sanft ruhen, der den Weg mit der Mutter ging, den ich, wenn ich lebe und gesund bleibe, mit der Tochter gehen will. Das Mädchen hat Verstand wie ein Engel, oder besser wie ein Teufel. Gegen mich ist sie ein Teufel. Damit Sie, lieber Hermann, sich alles zurückerinnern, worauf es bei der Sache ankommt, so bitte' ich, ja nicht zu vergessen und zu versäumen, Minchen alle zwölf Stunden, und wenn es auch öfter wäre, zu sagen, dass ich heirate, und zwar aus lichterloher Liebe.