nicht lange auf ein Pastorat warten dürfen. – Hat der Herr v. E. Pastorate zu vergeben? fragte Mine bitter. – Das nicht, allein die Connexion der Edelleute unter einander –
Wieder nach einer Weile: Magdalene wird meine Frau! Das war nicht der erste Blitz, der Minen durchs Herz ging. – Meine Frank! wiederholte Hermann; ob du aber ihre Tochter werden willst, hängt von dir ab – die alte gnädige Frau will dich – du sollst nichts mit der jungen herrschaft zu tun haben. Herr v. E. heiratet, das weisst du doch?
Ja, sagte Mine, ich weiss –
Wieder nach einer Weile: Er will, wenn du's verlangst, noch herkommen und sich wegen seines Antrages bei dir entschuldigen, den er dir sehr unzeitig getan. Seiner Mutter kam dieser Antrag zu.
Ich sollte denken, sagte Mine –
Und dann wieder nach einer Weile: Er sieht seinen Fehler ein.
Mit oder ohne Glas? erwiderte Mine so bitter, so todesbitter, dass das weise Hofmännchen ganz aus dem Concept kam.
Mine war in einer schrecklichen Situation. – Sie sagt', ihr Plan wäre, ihre künftige Stiefmutter zu ehren, nie ginge sie in den Hof. Mein Leben, setzte sie sehr lebhaft hinzu, und meine Ehre ist eins!
"So?" sagte Hermann. Ja, Vater, sagte Mine.
"Und weisst du auch –". Er wollte zu drohen anfangen; allein eben zu rechter Zeit fiel ihm seine Maske ein, er b e g n ü g t e sich daher grossmütigst, Minen den Bettelstab, Elend und Verachtung zu prophezeien.
arme Mine, edles, unglückliches Mädchen! ich empfinde, was du empfandest – und dürft' ich doch nicht erzählen, was Mine sehr natürlich noch weit unglücklicher, noch bedauernswürdiger machen musste.
Diess verfolgte, unglückselige Mädchen entschloss sich, in den Armen meiner Mutter eine Freistatt zu suchen. Sie war aufs Aeusserste gebracht. Sie schrieb an sie. Den Brief hat Mine mir nie gezeigt. Es ist deine Mutter! schrieb die Holdselige und machte einen –
Ehe sie aber diesen Brief abschicken konnte, stehe da! ein Brief von meiner Mutter an Mine. Die wirkung des Uriasbriefes und seiner Beilage. Dieser Brief fing sich an:
"Es will verlauten, dass Sie meinen Sohn verführt hätten und noch verführen –" und schon dieser Anfang lehrt, dass meine Mutter dem Uriasbriefe seine Schliche abgemerkt und den Verfasser für das, was er war – einen Schwarzkünstler, gehalten. Sie glaubte sein Hokuspokus vom lebendigen Andenken nicht, allein anstatt dass sie der verfolgten Mine, ihrer so wohlgeratenen Schwiegertochter, die Hand geben und sie in Schutz nehmen sollen, was tat sie? Sie verschwieg diesen ganzen Vorgang meinem Vater, und wenn ich ihren Brief ganz meinen Lesern mitteilen sollte, würde' ich der achtung zu nahe treten, die ich meiner Mutter schuldig bin. Sie liess Mine aus besonderer Milde Vorzüge, nur den konnte sie ihr nicht zugestehen, die Frau eines Pastors und die Schwiegertochter einer so ahnenreichen Pastorin zu werden. Es wäre nicht das erstemal, schreibt sie, dass ein Cavalier ein armes Mädchen geheiratet hätte; sie wünschte, dass aus Scherz Ernst und Mine die Frau v. E. würde; denn unverhofft, setzte sie hinzu, kommt oft.
Ein paar Stellen muss ich ungekürzt geben:
"Es wäre Stank für Dank, wenn Sie die Nachbarsrechte so gewissenlos aus den Augen setzen und meine grauen Haare so mit Schimpf und Schande hinab ins Grab bringen wollten. Ich habe e t w a s in originali gelesen, auf dessen Rechnung eine grau gewordene Stelle meines Hauptes gehört. Ich weiss die Minute, da sie grau ward. Gott verzeih' dem Urheber d i e s e s E t w a s in originali die graue Stelle auf meinem haupt. – L a s s e t a l l e s e h r l i c h u n d o r d e n t l i c h z u g e h e n , das, dächt' ich, hiesse wohl ziemlich klar und deutlich, die Tochter eines noch zu bezweifelnden Literati könne meine Schnur nicht werden. – Ich habe schwarz auf weiss und verbitt' alle Sprünge durch einen Reif, alle Kunststücke der Entschuldigung, und kurz und gut, alles und jedes zur Antwort, die ich so warm, als ich sie erhalte, zurücksenden werde. Ihren Zuspruch muss ich noch aus einer andern Ursache mehr verbitten; auch selbst wenn Sie an der Hand meines Sohnes kämen, würde' ich für beide über Feld gegangen und nicht zu haus sein. So was kann nicht g e s c h l i c h t e t , sondern muss g e r i c h t e t werden. Ungern hab' ich an Sie geschrieben; allein um nicht Oel zum Feuer zu giessen und das allgemeine Gerede noch gemeiner zu machen, das ohnehin schon in fliegende Blätter ausartet, wie eine Raupe in einen Schmetterling – bloss darum dieser Brief, der erste und der letzte.
Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen,
Vertrau' des himmels reichem Segen,
Und er wird jeden Morgen neu!
Denn wer nur seine Zuversicht
Auf ihn setzt, den verlässt er nicht."
Da war nun Mine von aller Welt verlassen, diese Gerechte! Das S c h w a r z