stehlen kann, sondern zu tugendhaft wäre, um sein Allerallerliebst zu beherzigen, so fand er nötig, einen andern Weg einzuschlagen und diese Festung, nach seinem Ausdruck, die nicht im Sturm überging, durch List einzunehmen.
Nachdem ich das Testament, fing er an, genau erwogen, find' ich Ihre Scheidung von Denen so leicht nicht, gnädige Mutter, als zuvor.
(Hermann und Dene gegenwärtig.)
Das dachte' ich wohl, erwiderte Frau v. E. in ihrer Unschuld. Ein Testament ist ein Testament. – Es ist der Wille eines Vaters! eines Gemahls! der letzte Wille – und ich glaube nicht, dass Sie sich von Denen so leicht zu trennen im stand sind.
Die Frau v. E. würde mehr gesagt haben, wenn nicht der Herr Sohn dieses Drama in Gegenwart Denens und Hermanns aufgeführt. Die Mutter schrieb diesen Umstand auf die Rechnung seines Leichtsinns, allein er gehört' auf ein unwürdigeres Blatt, auf die Rechnung einer niedrigen List. Es war dieses Drama Ausdünstung eines bösen Herzens. Die Mutter blinzte bald mit dem rechten, bald mit dem linken Auge, allein der Sohn liess den Vorhang nicht fallen, das Glück hatte seine fünf Aufzüge – Dene und Hermann hörten wie natürlich auf. Er machte dem Hermann, auf den es bei dieser List angelegt war, so bange, dass er stehenden Fusses Minen verraten und verkauft hätte, wenn er damit dem Testament eine günstige Wendung geben können. Diess war das Ziel, nach welchem Herrn v. E's Rede gerichtet war.
Je mehr seine Mutter bei dieser Sache abbrach, desto weitschweifiger ward er. Sein Auge lag auf der Erde und konnte' also dem Winken der Frau v. E. nicht begegnen. – Die Mutter nahm ihn endlich bei der Hand – er küsste die Hand und fuhr fort. – Wollen wir nicht allein? sagte sie. – Warum, schönste Mutter? antwortet' er; es sind ja unsere Freunde.
Seht! was ist Recht und Unrecht? Wachs in einer warmen Hand; du aber, gerechter Gott, siehst auf alle, die auf Erden wohnen.
Nach einem sehr ausstudirten Vortrage aller der Schwierigkeiten, warum Dene nicht das mütterliche Haus verlassen könnte, sucht' er mit Fleiss eine gelegenheit, den Hermann allein zu sprechen, um ihn vollende in sein Netz zu ziehen. Herr v. E. tat, da er diese gelegenheit hatte, als ob sie ganz von ungefähr gekommen oder, wie man sagt, vom Himmel gefallen wäre.
Nötig hat er nicht, den Hermann über Denen auszufragen, denn alles war gegendkundig; indessen fing er an, von Denen als von einer Sache zu sprechen, bei der man wenig oder nichts verlöre. Diess wirkte. – Er brachte den Hermann immer weiter, bis er ihn endlich so weit hatte, dass er zu allem Ja zu sagen warm war; nur Dene musste von diesem Ja abhängen. Was meinen Sie, sagte Herr v. E., würde' Ihre Tochter wohl Denens Platz vertreten? – Kurz, M i n e sollte D e n e werden. – Ein Engel ein Teufel. Hermann nahm nicht nur den Apfel vom verbotenen Baum und ass, sondern riss noch einen ganzen Ast mit. Er dankt' in tiefster Untertänigkeit für die gnädige Versorgung, und es ward auf Treu' und Glauben verabredet und abgeschlossen, dass Mine die erledigte Stelle der Dene einnehmen sollte.
Bösewichter! warum starrte nicht euer Kopf, da ihr diese Verräterei, diesen Mord dachtet, und eure Zunge, da ihr ihn ausspracht! Hermann, deine Tochter, die Gerechte, kannst du verraten und verkaufen? Minen, die dir nicht mehr zugehört, sondern mir? Minen?
Herr v. E. brachte den Hermann krumm und gebückt zu seiner Mutter. Er trug die Sache öffentlich vor, das heisst, in Gegenwart seiner Mutter und D e n e n s , die nun wohl einsahen, warum? Sie lächelten beide, allein sie fanden die Sache an sich sehr überdacht. – Die Frau v. E. hatte nur noch die eine Bedenklichkeit, dass, ehe Mine Dene würde, ihr Sohn sich mit dem fräulein S. verheiraten sollte. Es ist nicht darum, sondern darum, sagte die gnädige Mutter. – Sie behauptete dergleichen Dinge zu verstehen, und endlich, nach vielen Zweifeln und Auflösungen, blieb es dabei, dass er sich, ehe Mine zur Frau v. E. zöge, wenigstens öffentlich verlobt haben müsste. Wer die Beistimmung des Hermanns zu diesem Morde für Uebertäubung gehalten, wird jetzt auf diese Entschuldigung Verzicht tun und – was vom Hermann denken? Zu Anfange sollte Hermann, dem unter dieser Bedingung sein Ja gegeben war, Minens Ja abholen. – Dene musst' unter dieser Bedingung B sagen; allein dieser Plan ward abgeändert. Herr v. E. entschloss sich selbst in hoher person Minens Ja abzuholen. – Wenn gleich Minchen nicht eher Dene wird, sagt' er, als bis ich verlobt bin, so kann ich doch mit ihr den Contract vollziehen und ihn, um eine feste Bindung zu haben, verkitten. Warum nicht? fragte Hermann; alles fragte ihm nach. Das Strategem, dachte Herr v. E., kann nicht fehlschlagen, und du Hast das süsse Vergnügen, Minen Ja sagen zu hören – "und wenn ich's auch nur durch's Glas hören soll. – Wer