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beichten, los war, fiel ihrem Sohne ins Wort; Dene soll nicht drunter leiden! – Wir werden darüber eins werden!

Dene küsste der Frau v. E. die Hand und dem Herrn v. E. dessgleichen, und so war also Herr v. E. ein trefflicher Executor testamenti.

Hermann erzählte diese geschichte, da er heim kam, seiner Tochter Minen. – Denn er war ausser sich. – Kein Stein des Anstosses mehr auf dem Wege zu Denens Herzenaber ein grosses Aber blieb ihm im Herzen stecken, weil es noch nicht berichtigt war, was D e n e z u m A b t r a g h a b e n s o l l t e . Minen ergriff eine grosse Angst. Sie hatte beständig Ahnungen. – In dem Augenblick, schreibt sie, da mein Vater den v. E. aussprach, noch eh' er ihn aussprach, wusst' ich, dass Herr v. E. zu uns kommen würde; nur wer er war, wusst' ich nicht halb, nicht ein Viertel.

Den achten Tag, so lange hatte sich Hermann wegen kleiner podagraischer Anfälle, die ihm sehr ungelegen kamen, zu haus gehalten, langte Herr v. E., wie er schwor, der Musik wegen, an, und nebenher zu sehen, wie Hermann sich befände. Mine tat einen heftigen Schrei, da sie den Herrn v. E. sah. Er aber, nachdem er sie durch's Glas betrachtet, fand sie a l l e r a l l e r l i e b s t – und das sagt' er ihr so ohne Rückhalt, als ob sie zum Kauf stände, wo jedem Vorbeigehenden frei stehet, ohne Umstände allerliebst zu sagen.

Es blieb bei diesem Allerliebst nicht. Sie war im Negligé, und da fand er das Band am Busen so sehr der Jahreszeit angemessen, dass man es nicht besser in Paris hätte wählen können. – Er packte seine drei Gläser (durch alle drei hatte' er sie gesehen) ein und schien es dazu anzulegen, Minen mit seinen leiblichen Augen zu erreichen. Er war fertig, sie in nähern Augenschein zu nehmen. Da nahm Mine ihre ganze Gewalt im Auge zusammen, um ihn zur Erde zu sehen. – Er fühlte diesen blick, obgleich er ein ganzes rundes Jahr in Paris gewesen war, und er kam wieder zurück zu seinen drei Gläsern und zum Allerliebst. Von dieser Stelle hätt' ihm das Auge der Tugend selbst nicht wegblitzen können. – Mine hatte nichts mehr nötig, als diesen Zwitter von Franzos und Curländer zu sehen, um ihn unausstehlich zu finden. – Sie würde' über den ersten Sterblichen mich nicht vergessen haben. Sie war ganz mein. Sobald sie diesen Gecken gesehen hatte, sah sie, was sie oft gesehen, dass ihre Ahnungen nicht immer träfen. – Ein Geck dieser Art kann nicht schwer zu entfernen sein, dachte sie, und in Wahrheit, sie dachte sehr richtig, denn mich dünkt, nichts ist einem jeden gutdenkenden Mädchen leichter, als einen Stutzer, der ein Jahr in Paris gewesen, auf seine Grenze und zu seinen drei Gläsern zu bringenich weiss wohl, wer unverschämter ist.

Es ist mir unbekannt, ob meine Leser schon einen curischen Franzosen gesehen haben. Wert zu sehen ist er! Franzos und Curländer reimen sich, als Chapeaubashütchen und Stallmeisterstiefel, als Sonnenschirm und Jagdtasche.

Ich habe schon die Ehre, gehabt, den Herrn v. E. als meinen Nebenbuhler zu präsentiren, und jetzt kennen ihn meine Leser noch obenein.

Herr v. E. konnte nicht ein Auge, oder eigentlich ein Glas, von Minen lassen. – Er war ausser sich, steckte die drei Gläser an ihren Ort, und kam wieder an das der Jahrszeit so angemessene Band am Busen, das man in Paris nicht besser wählen können. – Mine warf ihn auch wieder mit einem blick zu Gottes Erdbodenden Elenden! der nicht wert war, dass ihn die Sonne beschien. – Dem Kuss zum Abschiede ward ihr schwer zu entgehen; sie entging ihm zwar, indessen singen ihre Ahnungen wieder ihr Recht zu behaupten an. – Hermann selbst schien die Freiheiten, die sich Herr v. E. herausgenommen, zu missbilligen. Diesen Schein dedicirt' er indessen bloss Minen hinter des Herrn v. E. rücken. – Uebrigens verstattete das Podagra dem Hermann nicht, so hart er sich gleich stellte, den Herrn v. E. so weit zu begleiten, als seine Geburt es mit sich brachte, und wegen dieses Umstandes konnte' er nicht aufhören um Verzeihung zu bitten.

Schon den folgenden Tag ward Hermann zur Frau v. E. gebeten; allein er konnte von diesem Ruf erst den dritten Tag Gebrauch machen. – Hermann war noch nie so bitterbös aufs Podagra gewesen als diessmal.

Herr v. E. hätte beinahe, wie er sich ausdrückte, den Verstand über Minen verloren! – Dazu, glaube' ich zwar, würde wenig erforderlich gewesen sein, weil er gewiss keine grosse Summe zu verlieren hatte; indessen sah man aus allem, dass, so bereist er gleich war, er selten eine so schöne Gegend als Minchen gefunden, obgleich er ein ganzes rundes Jahr in Paris gewesen.

Da er ohne und mit den drei Gläsern gesehen, dass Minchen kein bonum vacans (erbloses, lediges Gut), wobei der Dieb galgenfrei