sich freuen, dass man atmen kann? Die gnädige witwe holte sehr tief A t h e m und ward durch diese und dergleichen Unterredungen, die alle ergaben, dass Herr V.E. ein grosser Verehrer von schönen Gegenden war, zur eigentlichen Materie gebracht. Du weisst, mein Kind, fing sie an, was dein seliger Vater wegen des Fräuleins S. noch bei seinen Lebtagen berichtigt. – Du weisst, dass dein Herz und deine Hand vergeben sind, und wenn du diese Gegend, die dir bald eigentümlich zugehören soll, mehr in Erwägung gezogen, ich wette, du hättest deine Mutter nicht so lange warten lassen. – Im Testament denkt er an diese deine Verlobte, welche dich mehr liebt, als du dir vorstellen kannst. Sein letzter Wille setzt fest – hier nahm sie ihren Sohn, um sich mit ihm dieses Testamentswegen zur vertraulichen Unterredung einzuschliessen.
Hermann hatte gelegenheit, mit seiner Dene eine gleiche vertrauliche Unterredung anzustellen, bei der es beinahe bis zum B gekommen wäre. Es war dieses im eigentlichen Sinn für Hermann ein Schäferstündchen – denn er liebte, er liebte brennend – nicht D e n e n , sondern das liebe Ihrige, und davon sollt' in dem gegenwärtigen Stündchen gehandelt werden. – Es fiel sehr auf, dass die Frau v. E. sich mit ihrem Sohne, nicht seiner Heirat wegen, eingeschlossen. Diese diente nur zum Vorwand und Ueberrock; D e n e war die Hauptrolle. Hermann empfand den glücklichen Vorfall, dass sich die Frau v. E. und ihr Sohn paarten; denn wo ein vertrautes Paar sich sondert, da gibt's mehr.
Sehen Sie nur, Herr Hermann, fing Dene an, es ist bei alle dem eine eigene Sache mit dem Testament, ich bin mit der gnädigen Frau wie getraut, wir können es nicht, der Tod soll uns scheiden.
Das dächt' ich, sagte Hermann, hätte nichts zu sagen.
Ein Testament!
Eine Ehescheidung!
Recht, l i e b e r Hermann!
(Hermanns Herz sing diesen Ball und freute sich, wie
sich ein Kind freut, wenn es den Ball gefangen hat.)
Nun, meine Englische?
Aber die Scheidungsstrafen?
Das ist zu machen.
Und wie?
Sie leben. Wenn sie will. Sie muss wollen. Wenn ich zur Scheidung Anlass gebe? Wenn auch! – Im Herzen, glaube' ich, steht sie nicht ungern – Dass ich gehe? – Diess ist auch meine Hoffnung. Zu der meinigen gehört mehr. Was mehr? Sie, meine Englische. Lieber Hermann, ich dachte' eben dran. O wie glücklich bin ich! Ich dachte' eben, wenn die Frau v. E. diese Pension nur auf meine Lebenszeit beschränkt, so würden meine künftigen Erben –
(Hierbei hätte dem Hermann angst und bange werden
können; indessen deutet' er diese Erben, wie es auch
wohl gemeint zu sein den Anschein hatte, auf sich.)
O Englische, o Gütigste! Sie denken auch nach Ihrem tod – (Er weinte, denn das ward ihm nicht schwer. Ein Mensch wie er hätte beim Worte Tod heulen und zähnklappen sollen; allein es waren diese Tränen wie alles an ihm war. Seine Empfindungen waren Kunst. Sie ergossen sich nie, sie wurden nur durchs Druckwerk getrieben. Er hatte beides, lachen und Weinen, in einem Behältniss – wie man wollte,
O, den werde' ich, den werde' ich nicht ü b e r l e ben!
D e n e , welcher unfehlbar der selige gnädige Herr beim Ueberleben einfiel, fing auch bitterlich zu weinen an. Hermann deutete dieses auf sich und umfasste ihre Knie, und – da hörten diese Turteltauben die zurückkommende Frau v. E. und ihren Sohn, das Testament in der Hand.
Jedes, Dene und Hermann, gingen an ein ander Fenster. Es hatte sich schon jedes etwas kalt gewordenes Teewasser aufs Schnupftuch gegossen, um desto gründlicher alles zu verwischen.
Herr v. E. wandte sich, da er zurückkam, das Testament noch in der Hand, zu Denen. – Da find' ich, liebe Dene, fing er an, eine närrische Clausel. – Hat der Teufel je so was gehört, zwei Frauenzimmer sollen sich verheiraten! – Sie haben mir nie was Böses getan, liebe Dene, und noch bei meines Vaters Leben, wo Sie im haus was galten, habe ich alles Liebe und Gute, es versteht sich in allen Ehren, von Ihnen genossen; – allein so weit geht die Erkenntlichkeit nicht, und so nah sind wir, mit Ihrer erlaubnis, nicht verwandt, dass meine Mutter eine person im haus ertragen sollte, die ihretwegen gar nicht ins Haus kommen sollen. Sie verstehen mich doch, Dene?
O ja, sagte Dene.
Sie haben also Ihren Abschied.
F r a u v. E. Ohne dass Sie sich eben übereilen dürfen.
H e r r v. E. Heute, morgen, übermorgen.
D e n e . Und wegen meiner treu geleisteten Dienste?
F r a u v. E. sah ihren Sohn an, als ob sie sagen wollte: Hab' ich es nicht gedacht?
H e r r v. E. Es wird sich finden –
Frau v. E., die herzlich froh war, dass sie Dene so auf gute Manier, ohne einst einem Rechtsgelehrten dessfalls zu