– Hermann litt zusehends, denn er war in das Geld der Dene sterblich verliebt. – So wenig Herz auch der alte Herr hatte, so würde er doch mit diesem Amtmann eins versucht haben (nämlich in Briefen), wenn nicht die gnädige witwe den glimmenden Docht der Hoffnung in dem Herzen des alten Herrn angefacht hätte. – Zwar brannte es sehr schwach, indessen brannte es doch. – Zu keiner kleinen Freude des alten Herrn veranstaltete die witwe einen Besuch beim Herrn Hermann. So viel Ehre ihm dieser Besuch war, so wusste er doch nicht, wie er seine Gäste aufnehmen würde. – Der Frau Sara Gnaden wollten mit; wie hätte auch die viel Ehre und Tugend belobte Jungf r a u Magdalene, ohne eine solche Bedeckung, zu einer los und ledigen Mannsperson kommen können? Die Frau Sara war jetzt ihre feste Burg, in welche sie sich zu werfen Willens war, wenn die böse Nachrede sie verfolgen würde. – Im Herzen konnte ihr nichts willkommener als dieser Vorschlag sein, denn sie wollte gar zu gern ihr künftiges Bleibchen kennen lernen, und auch ihre Stieftochter, von der so viel Gutes gesagt ward. Uebermorgen also! – Der alte Herr beurlaubte sich sogleich und reiste mit Freuden und mit Kummer zu seiner wohnung.
Mine! Mine! Mine! das arme von einem Briefe an mich verscheuchte Mädchen, kam und erfuhr die grosse Neuigkeit von dem Heil, das diesem haus widerfahren sollte. Der Stolz machte ihren Vater verdriesslich; denn es war nicht nach Herzenslust in seinem haus eingerichtet – überall blickte Dürftigkeit hervor. – Würde nicht die Hoffnung auf D e n e n dieser leidenschaft Zaum und Gebiss angelegt haben; die arme Mine, was hätte sie nicht noch mehr ausgestanden, als sie ausstand! – Das arme Mädchen, das viel zu edel war, um ein einziges Wort von ihren häuslichen Verfassungen gegen mich auch nur fallen zu lassen, das sich in alles schicken konnte, das selbst auch ihren Bruder Benjamin, obgleich er das Schneiderhandwerk lernte, zu dieser denkart hinauf gestimmt, der um alles in der Welt willen nichts von
’ ′ ι ’ ′
meinem ανεχου κα` απεχου angenommen hätte; diess arme Mädchen sollte zu meinen Eltern gehen – und borgen, damit die hohen Gäste, wie Hermann sie nannte, übermorgen, wie es sich eigne und gebühre, aufgenommen werden könnten. Verzeihung, Vater, das kann ich nicht! sagte Mine sehr gefasst. Hermann stampfte, wütete und tobte, bis ihm Mine endlich einen Plan vorlegte, der, ohne dass geborgt werden dürfte, zu bestreiten wäre. – Mag es – antwortete er, wiewohl noch unwillig – mag es – denn er konnte es Minen nicht verzeihen, dass sie zu meinen Eltern zu gehen verweigert hatte. Er gab ihr, wiewohl unter Hieroglyphen, zu verstehen, dass sie meinetwegen dieses Schrittes wegen die Peinlichkeit eben so nötig nicht hätte. – Mine verstand nicht bloss, was er sagte, sondern auch, was er dachte; indessen verschwieg H e r m a n n meinen Namen vorsichtig, und da Mine ihren Plan gut einzukleiden wusste, überwand ihn die Hoffnung, Magdalenens Reichtum zu überzählen, endlich ganz. – Die Freude nahm Oberhand, und diese verführte ihn, Minen seine Heirat rund aus zu entdecken. Das gute Mädchen hörte keine Neuigkeit, allein sie konnte nicht umhin, ihm im Hintergrunde des Gemäldes, das so schön in seiner Erzählung aussah, die Fehler zu zeigen. Die Sache war indessen nach ihrer Meinung zu weit gekommen, als dass sie sich lange bei diesen Fehlern im Hintergrunde verweilte.
Mine hatte durch ihrer hände Arbeit sich schon seit der Zeit, dass ihr Vater D e n e n s wegen die Schulanstalten aufgehoben, beinahe allein erhalten. – Jetzt brachte sie von diesem ihrem kümmerlich ernähten Verdienst von freien Stücken etwas in den Plan zur Aufnahme, ohne sich einst darüber ein Verdienst zuzueignen und es dem Vater zu entdecken. Das gute Kind! – Der feierliche Tag erschien, den Sara und Hagar zum Besuch bestimmt hatten. Der alte Herr konnte diesen Mittag nicht essen, nicht trinken; er blies selbst den Staub ab, wo er noch Staub in dem Zimmer entdeckte, und vergass so sehr, dass er Literatus war, dass er Holz gespalten haben würde, wenn es auf diesen Umstand bei Minens Plan angekommen wäre. – Er trug nicht tagtäglich Manschetten, allein er legte sie, wie die Pastoren den Kragen, in die grosse Bibel, um die Manschetten in Züchten und Ehren zu erhalten. Diessmal nahm er ein ganz neues Paar, allein dem unerachtet musste Mine sie ihm noch aufbügeln, und da sie's ihm nicht zu Dank machte, vollendete er dieses Werk selbst. So lang wie des Himmelsbürgers waren die Manschetten Hermanns nicht; allein Hermann war auch in Wahrheit nicht wert, meines Vaters Landsmann in dem allerentferntesten Sinne zu sein.
Mine hatte Tannenreiser und Kalmus in die Zimmer gestreut und mit Wachholder geräuchert, da Hermann eben mit den Augen seinen Gästen entgegengelaufen war. Diess musste alles, bis auf das letzte Wölkchen Rauch, das sich im Zimmer herumzog – heraus, sobald Hermann wieder kam, weil es, wie er sagte, in grossen Häusern nicht mehr Sitte sei, Tannen, Kalmus und Wachholderrauch zu riechen. Man spritzt, fuhr er fort, die Zimmer mit wohlriechendem wasser aus, um den Staub eben hiedurch niederzuschlagen. Die Nase des alten Herrn fand, nachdem schon alles aus dem Zimmer war,