, dass nicht jeder, dem der Strick in den Lineamenten liegt, gehangen wird, so –
Wenn ich in einer grossen Gesellschaft einen Witzling sehe, der nach Landesmanier wie der dritte Mann zum Spiel gebeten wird, und der über Tisch und Stühle schreit, ist mir nichts anders, als wär' ich mit dem verstockten Schächer zusammen. Wer in einer Gesellschaft von zwölf Personen witzig sein und sich hören und sehen lassen kann, ist ein schrecklicher Mensch. – Wo zwei und drei versammelt sind, da ist Witz an Ort und Stelle. Niemand ist geiziger, als ein wirklich Witziger. Er wirst seine Perlen nicht weg. Ein Witziger ohne Urteil ist ein Witzling – und wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniss kommt! Vorrede genug.
Hermann hatte, nach dem tod der Mutter meiner Mine und der meinigen, noch Lust, sich ein Hochzeitsbett anzulegen. Der Tischler, den er darüber besprach, glaubte, es sei ein Sarg, da er sich in der Stille an ihn wandte. Der Tischler wandte sich mit einem Warum? auch in der Stille an Hermann zurück. – Ich hab' es von meiner Mutter, dass eben dieser Tischler in seiner Gewerksstube herzlich geweint habe, wenn er einen Sarg für einen Redlichen im Land' erbaute. Meine Mutter nannt' ihn oft des Todes Zimmermann, und gratulirte Curland und der dortigen Gegend, wo h ö l z e r n e H ä u s e r etwas Gewöhnliches sind, weil sie schon im Leben mit ihrem letzten haus sich bekannt gemacht. – Wir sind schon im Leben im Sarge, pflegte sie zu sagen. Wir sterben täglich; Heil uns! Der eigentliche Sarg wird uns kein so wildfremdes Gemach sein.
"Lieber Freund," fing Herr Hermann wieder in der Stille an, und der liebe Freund liess ihn nicht zum Worte, wenigstens nicht zum Ende kommen.
Sie sind ja, unterbrach er ihn, munter und gesund – frisch und gesund hab' ich Sie nie gekannt.
"Eben darum, weil ich munter und gesund bin."
Recht! Es sieht uns nicht vor der Stirn geschrieben.
"Vor der Stirn?"
Sie fochten lang' in die Luft, bemerkte mein Waffenträger Benjamin, von dem ich diess alles hab', ehe sie zusammentrafen.
"Ein H i m m e l b e t t , " sagte Hermann; allein da man einen S a r g eben so gut, wo nicht besser als ein Brautbett, ein Himmelbette nennen kann, so erwiderte der Tischler: "Schöner Ausdruck!" Der gute Tischler konnte den Sarg nicht aus dem Sinn und Gedanken bringen, und selbst, da ihm Hermann ziemlich laut (er war hitzig geworden) gesagt hatte: "Ein Brautbette," schüttelte der Tischler noch den Kopf – und diess Schütteln war dem Hermann widriger, als das vorige Missverständniss vom H i m m e l b e t t und von der S t i r n , und von m u n t e r u n d g e s u n d .
In Rücksicht der Jahre hätte freilich Hermann eher an Sarg als an Braut, oder, wie man es gewöhnlich in Curland nennt, an ein Himmelbette denken können; wenigstens hätte Hermann, der ein Weib wie unsere Mutter gehabt, eine andere, der Seligen – und ihm anständigere Wahl treffen sollen. Ich will, um aller Parteilichkeit auszuweichen, an seine Tochter nicht denken, obgleich auch Töchter, wenn sie wie Mine sind, hiebei einen blick verdienen.
Seine Schöne war eine person, die sich in der Nachbarschaft, Gott weiss, wie? ein kleines Vermögen erworben hatte. Der Unterricht der Kinder ward dem Hermann in der Länge zu beschwerlich, und es ist freilich eine andere Sache, Kinderlehrer, und eine andere, Hofnarr zu sein. Diess war die Ursache, warum er zuweilen z u s e h r für die k ö r p e r l i c h e n Uebungen war, und die Kinder ohne Unterricht ganze Wochen hinschleudern liess. Hiedurch litt sein guter Ruf. Seine Selige wusste alles zum Besten zu kehren. Nach ihrem tod war er sich ganz und gar allein überlassen, und das hiess an der Hand eines schlechten Führers sein. – Die Schuljugend trieb sich um und der Lehrer dessgleichen. Kurz, Hermann war wieder auf der schlimmen Seite und lebendig tot, ja wohl! lebendig tot!
Ich will mir, sagte Hermann, einen ruhigen, guten Tag machen; eigentlich wollte er sich diesen ruhigen, guten Tag für baar Geld kaufen, ohne zu bedenken, dass Ruhe nicht feil sei. Immer noch überzeugt, dass es besser sei ein Schneider als ein Hofnarr zu sein, blieb des Hermanns Losung zwar:
Gottlob! die zeiten sind vorbei; indessen war er doch fest entschlossen, aus einem Hofnarren ein Stocknarr zu werden. Der Unterschied ist ungefähr wie zwischen Postbote und Nachtwächter.
M a g d a l e n e (so hiess die Schöne quaestionis) war nicht abgeneigt, mit diesem mann zu ziehen. Sie hatte nicht ermangelt, weit und breit herumzublicken und ihr Augennetz auszuwerfen, allein sie hatte nichts gefangen; sie hatte, um die Sache deutlicher zu machen, nicht abgesehen, dass sich ein anderer mit ihr in diesem Leben einspannen würde. – Magdalene weinte herzlich, so oft sie an den seligen gnädigen Herrn dachte, dessen gnädige, zurückgebliebene witwe so herzlich nicht über diesen