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hätt' ich Se. Magnificenz vergessen, wohin uns Se. Spectabilität sandten. Gott verzeih' mir meine Sünd', ich dachte, von Pilatus zu Herodes.

Se. Magnificenz sahen den weissen Stein, den wir aus den Händen Sr. Spectabilität mit hatten, und wollten uns anfänglich auf den Stein und Bein des Albrechts, Stifters dieser hohen Schule, schwören lassen, allein sie besannen sich eines andern, eines Bessern, und verwandelten den Eid in einen Handschlagworauf wir die akademischen gesetz erhielten und mit grossen Siegeln zu den lieben Unsrigen nach haus kehrten, wo uns die Landsmannschaft mit einem curischen Liedchen bewillkommte. Jede Strophe ward mit einem Lihgo oder Frohlocken beschlossen. Es war mir, als wär' ich mit dem Ritter Jachins und seinen Leuten zusammen.

Unsere Landsleute besahen die grossen Siegel und die Schriften; als wenn sie ihnen was neues wären, und bliesen den Sand von unsern Taufscheinen. – – Kinder, hiess es am Ende, ihr kriegt darauf nicht einen Dreier geborgt.

Ich muss n o c h einen Vorfall nachholen, der in dem haus Sr. Magnificenz auf mich zukam.

Der Edelmann, sagten Sie, zahlt doppelt, und hat die Ehre, einen Degen zu tragen, der in preussischen Staaten dem bürgerlichen Studenten wegen vieler vorgefallenen Schlägereien verboten ist. – Die auswärtigen Familien sind uns indessen nicht so bekannt (mit einem Fragzeichen), also beide Edelleute? Mein Reisegefährte nahm hier das Wort, wie ich beim Latein. Beide, sagt' er. – Verzeihung, Bruder, erwiedert' ich

Es verdross mich, dass ich in einem fremden land,

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wo ich mein Geld und, im Fall der Not, mein ανεχου

ι ’ ′ κα` απεχου auszugeben Willens war, und wo es keinen was anging, ob ich als Edelmann oder als Bürger äss' und tränke, durchaus Adel oder Unadel documentiren sollteund wie? dachte ich, hat man hier zur Ruhe des Degens, wenn ihn der Edelmann trägt, ein besseres Zutrauen, als wenn ihn ein Bürgerlicher angelegt hat?

Ich bezahlte wie ein Edelmann, allein ich bat sehr, mich als Bürgerlicher in Album Studiosorum einzuführen. Diess fiel Sr. Magnificenz nicht wenig auf. Da aber dieselben die vorige Nacht nicht Grossvater geworden waren, so gaben dieselben weiter nichts darauf, sondern nahmen, was Ihnen gebührte, und wünschten wohl zu leben.

Ich konnte nicht umhin, von diesem Umstande gegen meine bürgerlichen Landsleute Gebrauch zu machen; allein diese lachten herzlich über meine Einfalt. – "Den Edelmann dir so nah zu legen und ihn nicht zu nehmen!" – Und eine Lüge? "Sie wird ja bezahlt." – Und wenn ich heim komme? "Ja, dann müssen wir freilich Ew. H o c h w o h l g e b o r e n oder mein G ö n n e r sagen, indessen sind wir doch Literati." – Dass euch Gott helfe, dachte' ich, Literati, ohne von keinen Tafeln mehr als von den zweien des Moses zu wissen!

Der Abend ward mit Essen und Trinken und Musik zugebracht. – Einige gaben dem Abreisenden das Geleite, und da in der ganzen Strasse, so weit nur das Gesicht reichte, die ganze Nacht hindurch Licht brannte, so brachte mich dieses auf die Frage: was diese Erleuchtung und nachbarliche Aufmerksamkeit zu bedeuten hätte? Die Antwort unseres Vorfahrs war: Seht da, Kinder! so viel Lichter, so viel Mädels, die ich euch unentgeldlich lasse; indessen will ich wohlmeinend anrätig sein, dass sich jeder eins oder zwei aussondere und die andern fahren lasse. Sonst geht es euch wie mir! Diese, jene, dort, hier, die, da, diesseits, jenseits, links, rechts, kurz, in all' den Häusern, die ihr seht, sind Mädchen, die den ganzen ausgeschlagenen Tag, von früh bis in die sinkende Nacht, im Fenster liegen und liebäugeln, die guten Dinger! Man sieht ihnen den Verdruss an, dass sie nicht Mittag und Abend am Fenster halten können. – Ihr könnt es nicht glauben, wie die Mädchen unserer Landsmannschaft treu, hold und gewärtig sind. Ein Präsentchen, und ihr habt das ganze Spiel gewonnen. – Glaubt mir, die all' zusammen, wo ihr Licht seht, waren mein! Sie sahen mich so steif und fest an, als ob sie mich mit den Augen fassen wollten. Die guten Dinger! Und ich sah sie all' zusammen so (der Himmel weiss, wie mein auge' auf diese Art ausfiel), dass jede glaubte, ich sähe nur sie an. Ich regierte hier wie ein Sultan, hol' mich der Teufel! nur dass jedes Fenster glaubte, es hätte mein Schnupftuch. – Die guten Dinger! Die eine da, ein auge' in Himmelsblau getauchtder, den sie mit diesem auge' ansieht, glaubt, er sähe den Himmel in Miniatur. – Wenn ich sie zuweilen (denn sie verdient' es) ganz a l l e i n ansah, dann, dann! fragte mich ihr Auge so, dass es mein Innerstes hören konnte: ist's auch wahr? und wenn ihr mein Auge vorlog: ja, es ist wahr! o wie zitterte dann süsse Verwirrung in ihrem Auge, recht als ob wir zur Trau gehen sollten und noch weiter. – Das ist ein Mädchen, so