Oft hab' ich gehört, wenn man den Mann sieht und sein Buch, sollte man sie wohl für Vater und Sohn halten? Ja – und wenn ihr sie nicht dafür haltet, liegt es an euch. Wie der Autor, so das Buch, per omnia saecula saeculorum. Jeder Physiognomist muss den Autor aus dem buch a b z i e h e n und zum Reden treffen. Das Buch hat Hand und Fuss, der Mann hat Hand und Fuss, heisst ein Mann mit Winkelmass und Wage, der alles misst und passt, und ein Buch von der nämlichen, richtigen, abgemessenen Weise, wo weder Mangel noch Ueberfluss ist, sondern just die erforderlichen Gelenke. – Die Naturphilosophie ist keine Feindin von reinen Vernunftsbegriffen, allein sie bestätigt sie, wenn ich so sagen soll, auf der Stelle. – Sie schafft sich gleich einen Abdruck – wie Gott die Welt. – Die Religion fängt heute zu Tage mit dem Katechismus, und die Philosophie mit einem Compendio an. – Allein in Wahrheit, man sollt' auf ein lebendiges erkenntnis dringen, dann würde man doch einmal einen Philosophen zu sehen bekommen.
Rousseau, damit ich eine Bemerkung mache, die in unsern Tagen zu haus gehört, Rousseau (Schade, dass er tot ist!) war wirklich eine Spectabilität unter den Philosophen. – Der blosse philosophische Künstler weiss nichts Rechtes, nicht dass ein Gott ist; der arme Schelm! Man könnte die natürliche: Philosophie και’ εξοχην die künstliche: V e r n ü n f t e l e i nen
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nen. Die Vernünftelei und die Zweifelsucht sind Grenznachbaren. Ein Zweifler und ein Abergläubischer sind Schwester und Bruder. – Ein Zweifler macht sich sein Leben nicht gemächlich. – Nein, er hat sich mehr aufgelegt. Er hat Ja und Nein zu tragen, wenn er denkt. Im Fall er aber bloss spasst, ist er nur ein Scheinzweifler, und ein Mann, der alles der Nachfrage wegen hat. Man glaubt gemeinhin, ein Zweifler sei kein Vielwisser, allein er ist es im eigentlichsten verstand, und es kann gemeinhin von ihm heissen: d a s W i s s e n b l ä s e t a u f . Wer Dinge, die gäng und gäbe sind, beprüft, und keinen Stein auf dem andern lässt, ist kein Zweifler, sondern ein Prüfer, im Fall er nämlich aus pro und contra, aus links und rechts, sich etwas auspunktirt, was Stich hält. Solch ein Mann ist nicht aufgeblasen, sondern bescheiden. Seine Zweifel leiteten ihn auf den rechten Weg zur überzeugung, zur Wahrheit und zum Leben. – Ein Lehrer der Naturphilosophie kann von sich und seinen Jüngern sagen: I c h l e b ' u n d i h r s o l l t a u c h l e b e n . Wer hat je mit dem Pietisten über die Wahrheit der christlichen Religion gestritten? Wer so lebt als er lehrt, darf nur bitten, ihm die Ehre zu tun, bei ihm einzusprechen. Man ist heute zu Tage von der Naturphilosophie so abgekommen, dass man den, der so lebt als er lehrt oder glaubt, einen Schwärmer nennt. – Sehr unrichtig!
Meine Leser werden, hoff' ich, nicht vergessen haben, dass sie zu einem Piknik geladen sind, wo nur Se. Spectabilität und ich (meinen Vater kann ich immer mit einrechnen) ihr Schüsselchen austrugen. Wenn ein Koch diese Schmauserei angeordnet hätte, wär' es freilich abgemessener gewesen – ob schmackhafter, weiss ich nicht.
Ich bemühe mich auch hier, Lebensläufer zu sein, und diese Abschrift ist dem Original ähnlich. – Wir fielen von einem aufs andere. Wir scheitelten die Haare nicht. würde' ich nicht einen Roman schreiben, wenn ich nicht auch von einem aufs andere fallen und die Haare scheiteln sollte? Ein Roman! fern sei er von mir!
Die Einteilung der Philosophie in die natürliche und künstliche ist die Haupteinteilung, die philosophische Einteilung der Philosophie. Sonst gibt es Einteilungen Gott weiss wie viel! – In Absicht der Kräfte des Menschen, in Absicht der Principien, in Absicht der Objekte, der Erkenntnisse.
Ein Philosoph muss das Allgemeine in concreto und das Einzelne in abstracto erwägen, und wenn man gleich gern zugibt, dass bei jeder Wissenschaft die idee des Ganzen die Avantgarde macht, und dass aus der Einteilung des Ganzen die Teile entstehen, und dass, um die Teile zu wissen, man erst das Ganze von Personen zu kennen die Ehre haben müsse, so ist doch nicht gut, wenn ein erschrecklicher Eingang präludirt und prologirt wird, ehe man zum Tema schreitet, auch wenn die Präludia, wie die des Hermanns, noch so ausstudirt sind. Wozu die Prolegomena und das erschreckliche Geschrei: d a w e r den Sie sehen! da werden Sie s e h e n ! Gleich das Lied ist am besten! Wenn ich heisshungrig bin, und der Wirt, der mich geladen hat, zeigt mir erst seine drei Porcellanservice und sodann sein Silberzeug, und endlich seine Fayence, bis ich mich überhungert und keine ordentliche Mahlzeit tun kann, wie wenig Ursache hab' ich, den Wunsch einer gesegneten Mahlzeit anzunehmen und mich ergebenst zu bedanken; ich wollt' anbeissen und nicht mit der Gabel anspiessen. Warum nicht kurz präsentirt: Herr Gott, dich loben mir. Befiehl d u d e i n e W e g e . Philosophie!