Zum grössten teil d e r S p r a c h e w e g e n . Auch gut! Ehemals verliebte man sich, um Französisch und das Feine der Sprache, das je ne sais quoi des Herrn v. W., zu lernen.
Es ward verabredet, dass die Landsmannschaft von dem Abziehenden und den Anziehenden bewirtet werden sollte. Jeder, sagten die Aeltesten und Vorsteher, gibt sein teil, und zwar der Abziehende allein so viel, als Ihr Anziehende beide – denn er kommt bald nach Canaan.
Um indessen diesen Schmaus mit Ehren zu geben, ward beschlossen, dass wir zuvor immatriculirt werden sollten.
Einer der Landsleute begleitete uns zu Sr. Spectabilität, wie man den Decanus der Facultäten nennt, zum Examen.
Curländer? fanden Se. Spectabilität, der Decanus der philosophischen Facultät für gut zu fragen, als wollten Sie zugleich andeuten, dass das Examen darnach eingerichtet werden würde. Man hat überhaupt die Gewohnheit, Fremde entweder ganz und gar nicht, oder höchstens nur sehr wenig zu examiniren. – Es sind, wie sich unser ehrlicher Pastor in – – ausgedrückt haben würde, Z u g v ö g e l .
Se. Spectabilität schienen ohnedem überschwenglich lustig, und, wie wir nach der Zeit erfuhren, waren Sie die Nacht vorher Grossvater geworden. – Sie kamen uns mit einem Mund voll Latein entgegen und erkundigten sich in dieser Sprache nach unserm Namen, Geburtsort und Alter. Ich antwortete sehr behende, und da das lateinische Gespräch bloss zum Spass angehoben, von mir aber im Ernste fortgeführt wurde, so wollten Se. Spectabilität es durchaus nicht glauben, dass ich ein Curländer wäre. – Nachdem ich ihm dieses in lateinischer, nachher aber, um es desto kräftiger zu machen, auch in deutscher Sprache versicherte, fand er für gut, mich zu fragen: ob mein Vater ein Curländer wäre? Diess setzte mich aus aller Fassung, besonders da er diesen Ausfall in reinem Deutsch tat, und meinem Reisegefährten diese verfängliche Frage zu Ohren gekommen war. Ich ward blutrot – und nach einer Weile (dergleichen Empfindung ist immer wie ein kaltes Fieber) fühlte ich, dass ich wie eine bleich gewordene Rose ausgesehen haben müsste. – Der Professor (das merkte ich auch) sah mich so an, wie man eine bleich gewordene Rose anzusehen gewohnt ist – mit einer grossen Teilnehmung. Er trieb diese Frage nicht weiter; allein ich war bestimmt, bei Sr. Spectabilität aus dem Regen in die Traufe zu kommen.
Erst einige fragen nach Art meiner Grossmutter mütterlicher Seits, z.B. wie sich latinum von latinitas unterschiede?
Was der Magister Saliorum für eine Würde bekleidet? Was für ein unlauteres, unortodoxes Wort dem Tiberius Gewissensbisse gemacht, da er Neujahrsgeschenke verbeten und darüber ein Edict erlassen?
Wie Attejus Capito, dem er darüber gebeichtet, ihn absolvirt?
Was Marcus Pomponius Marcellus, als der zweite Hofprediger, ihm im Beichtstuhl gesagt?
(Jener meinte, das Wort könnte wohl dem Kaiser zu Gefallen auf- und angenommen werden, dieser aber war so stockortodox, dass er dem Kaiser geradezu sagte, er könne zwar den Menschen das Bürgerrecht erteilen, allein den Worten nicht.)
Was den Virgilius bewogen, wie er selbst gesagt, aurum ex Ennii stercoribus legere, und warum er nicht, da doch Ennius ingenio maximus, arte rudis gewesen, lieber geradezu, zur natur oder zum H o m e r , gegangen, der für uns Adam der natur ist, ob es gleich in diesem Stück Präadamiten gegeben?
Bei jedem grossen Werk müssen zwei Köpfe arbeiten, wenn auch der eine nur den Kalk löschen, oder einen Grundstein legen oder abmessen sollte. Moses und Aaron sind gemeinhin nötig. Einer erfindet, der andere sagt. Einer schafft den Leib, der andere die Seele. Einer weiset den Weg, der andere geht. Niemand, der sterblich ist, kann ein selbstständiges Genie sein!
Hier ein Wort von der natur des Dichters und von dem land, wo er sie p f l ü c k t .
Er pflückt seine natur, denn der Ort, wo er sie nahm, ist, wenn man die natur wieder sucht, die der Dichter beherzigte, wie abgemäht, man sieht höchstens die Stätte; das, was der Dichter sah, ist es wohl mehr ersichtlich?
Des Dichters natur ist unsterblich. Sie macht die Seele, die Monaden in seinem Werke.
Man sagt, und in Wahrheit, kluge Leute sind unter diesem M a n s a g t inbegriffen: Ergiebiger Boden zieht nicht Genies, sondern schwieriger. – Nicht also! Reiset nach Holland, um nur eine einzige Reise vorzuschlagen, hier hat der Fleiss alles getan. Wie das Land, so die Köpfe. Ein schwieriger Boden zieht Kritik, ein ergiebiger Genies.
Wieder eine Frage.
Was den Casimirus, den vierten König in Polen, zum Befehl bewogen, die lateinische Sprache in Polen zu treiben?
In wie viel Tagen Josephus Justus Scaliger, des Jul. Cäs. Scaliger Sohn, den ganzen Homer, und also 63,000 griechische Verse, durchgelesen und zwar so, dass die Frage wegfiel: verstehst du auch, was du liesest? Es waren, glaube' ich, einundzwanzig. Elias, setzten Se. Spectabilität hinzu, oder, wie er sich schreibt, Helias Putschius, der, sobald er auf die Welt kam, herzlich zu lachen anfing, bis in sein vierzehntes Jahr kein Latein konnte und