sie nicht ausdrücken könnten. Es blieb dabei, ohne die inpietistische Partei unsers guten Pastors zu nehmen, dass Gedanken, die man nicht ausdrücken könnte, unreifes Obst wären. Bald, sagte der Pastor, hätt' ich gesagt, dass ein Wort ein verdauter Gedanke sei. – Er ward rot dabei.
So wie Gärtner ihre Blumen oft so pflanzen, dass die Farbe einer in die andere spielt, und dadurch jede einzelne verdirbt, so ist's auch auf Universitäten.
Bei dem zweiten Vers des:
Vivat Academia!
ward die Frage aufgeworfen, warum man beim Trunk so gern Lärmen mache und vorzüglich Fenster einwürfe; welches auch solche Jünglinge täten, die bei spätern Jahren einen stillen, innerlichen Rausch bekämen?
Unser Pastor nahm Abschied. Sein letztes Wort war vivat Academia! Wir verpfändeten uns schliesslich, so oft wir diese Strasse zögen, uns ihm a u f z u d r i n g e n . Diess Wort bitte' ich zu streichen, fiel er ein; vielleicht gibt mir Gott bald ein Stück Brod anstatt der Drosseln, und alsdann bitte' ich zu mir – alles andere: Gott sei mit Euch, lebt wohl, fasst' er zusammen in das vielbedeutende vivat Academia!
Kaum hatten wir uns niedergelegt, so hörten wir einen schrecklichen Streit, den unsere Fuhrleute, die von Mittag bis Abend in einem zug gezecht hatten, erregten.
Ich wollte Mittler sein, allein mein Reisegefährte verbat es dringend.
Warum, Bruder, willst du gerad oder ungerad spielen? Deine Worte werden nichts gegen diese Rosse und Mäuler verfangen. – glaube' mir, ich zittere vor einem land, wo ein Fuhrmann Major, sein Schwestersohn Junker und ein Pastor ein Drosselfänger ist.
Das Ungewitter legte sich und stieg wieder auf – ich schlief vielleicht beim härtesten Schlag ein.
Habt Ihr je in einer Gesellschaft, in der alles überlaut war, auf Euerm Stuhl geschlafen? Wie süss! – Mein Reisegefährte versicherte mich des folgenden Tages, dass er noch nach meinem Einschlaf zwei Stunden gewacht hätte.
I c h . Aus Furcht, Bruder?
E r . Ich kann es nicht läugnen –
I c h . Entschliesse dich, Bruder, meinem Beispiele zu folgen. Ich fürchte mich nur vor der Furcht; das scheint ein Wortspiel, allein es ist ein richtiges, wahres Wort. – – Auf mein Wort gehe hin und tue desgleichen!
Unser Major und Junker waren mit den Wirtsleuten des Hauses an diesem guten Morgen so einig, dass man nichts anderes hört' als Bitten: bald, bald wieder zuzusprechen, und Versprechungen: bald! bald!
Wie schön es sich, sagte Herr v. G., nach dem gestrigen Gewitter abgekühlt hat! – Da siehst du, Bruder, erwiedert' ich. – Der Teufel traue den Preussen, beschloss er. – –
* * *
Und nun in Königsberg! Ein grosser, weitläufiger Ort. – Ich fragte meine Fuhrleute, wo dieser und jener Professor wohne, die mir dem Namen nach bekannt waren. Das weiss Gott am besten, sagten sie.
Im Kneiphof gehört die Akademie in die Kirche; und vor diesem kam der Magnificus mit einem Purpurmäntelchen, es war spannenlang und mit einer goldenen Borte bebrämt, alle Michaelis und alle Ostern in diese Kirche.
Nun nicht mehr?
Nein, nun nicht mehr. Man erzählt, dass ein grober Kerl von Bauer, der von ungefähr zu dieser Ceremonie zu Mass gekommen, überlaut (der Püffel! doch was versteht ein Bauer von Safran) gesagt haben soll:
"Wie sich doch so ein alt und wohlbetagter Herr noch zum Narren macht!"
Nach der Zeit geht der Magnificus ohne spannenlanges Mäntelchen in die Kirche.
Die Kneiphofsche Kirche ist der Dom und auch die akademische Kirche. Die zur Akademie gehörigen Gebäude sind in einer so vertrauten Nachbarschaft mit dieser Kirche, dass alles wie Eins aussieht. – Diess ist eine Erklärung zur Fuhrmannserzählung.
Wir stiegen bei dem Major ab, der uns zwei Zimmer mit der Versicherung aufräumte, dass wir sie so lange gebrauchen könnten, bis wir ein gutes Quartier bekommen würden. Er für sein teil schlüg' uns die Magistergasse im Kneiphofe vor, wo die meisten Studenten logiren – und der Name selbst schien ihm sehr angemessen. Es währte nicht drei Stunden, so waren drei Landsleute bei uns, welche die sorge über sich nahmen, uns ein Quartier z u m K ü s s e n , wie sie's nannten, a n z u a n g e l n . Diess Wort war damals, so wie das Wort f i d e l , Universitätsparole.
Diese Nacht blieben wir bei unserm Fuhrmann. Den Morgen um neun Uhr kamen schon unsere f i d e l e Landsleute, verstärkt mit drei andern: das Quartier z u m K ü s s e n war a n g e a n g e l t – und wir B u r s c h e n (um ganz akademisch zu sprechen) zogen vom P f e r d e p h i l i s t e r aus.
Ist es Hecht oder Barsch? fragt' ich, was Sie uns angeangelt haben, und sie lachten herzlich über eine so unakademische Frage.
Wir gingen unser Quartier besehen, das uns über alle massen gefiel. Es hatte' es ein Curländer bewohnt, der heim reiste, um nachher in französische Dienste zu gehen.
Warum in französische? sagt' ich.