Leib in einer Hand Raum haben. – Diese Handvoll ehrliche Erde gibt er uns ohnehin als Agio von den vierzig Gulden.
Uns allen lehre der Herr unseres Lebens bei dieser gelegenheit unser S c h e i n und S e y n , das heisst, er lehr' uns wohl bedenken, dass wir nicht wissen, wann der Herr kommt. – Darum w a c h e t ! So gesund wir scheinen, so ist doch nichts gewisser, als dass es ein Ende mit uns haben müsse, dass unser Leben ein Ziel habe und wir davon müssen. Das ist unser Sein!
Ihr Gebeugten im volk, freuet euch in dem Herrn, und abermals sag' ich euch: freuet euch, denn ihr werdet s t e r b e n ! und eben dann, wenn ihr nicht aus noch ein wisst, wird euch der Herr gegen Himmel zeigen – da werdet ihr Friede haben und nicht hören die stimme des Steuereinnehmers, da werden getrocknet werden die Tränen von den Wangen der Wittwen, da werden die Gottlosen aufhören mit Toben, und sanft ruhen die des Lebens Last und Hitze getragen haben. – Fasset eure Seelen in Geduld, und wenn euch eine Krankheit anficht, denkt, dass sich eure Erlösung naht. Seht an den Feigenbaum und alle Bäume, wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr's und merkt, dass jetzt der Sommer nahe sei, – Bei Menschenkindern ist es umgekehrt. – Wenn der auswendige Mensch stirbt, fängt der inwendige zu leben an. Gern hätt' ich diese Lebensumstände, die mir, so wie sie da sind, gewiss nicht wenig Mühe gemacht, da sehr viele Worte halb verwischt und viel unleserlich geschrieben war; gern hätt' ich, weil mir wohl bekannt ist, dass ihr lieber einen Lebenslauf als eine Predigt höret; gern hätt' ich diese Lebensumstände verstärkt, wenn ich mehr im Taschenbuche gefunden hätte. Zum Beschluss wollen wir vom einunddreissigsten Vers bis zum sechsundvierzigsten des fünfundzwanzigsten Kapitels des Evangelii Mattäi verlesen hören und verlesen:
Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit. Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird denn der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackend gewesen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeiset, oder durstig und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen und beherbergt? oder nackend und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sag' euch, was ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich nicht gespeiset. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich nicht getränket. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen und ihr habt mich nicht besuchet. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sag' euch, was ihr nicht getan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben! – –
Ins ewige Leben verhelf' uns alle zusammen der Herr des Lebens, Amen!
Nach der Predigt liess der gute Pfarrer singen: Lieber Gott, wann werde' ich sterb e n , und seine werten Zuhörer, welche bis auf mich lauter Bauern und Fischer waren, sangen diess Lied mit einem so himmlisch-sehnsuchtsvollen, der Welt abgestorbenen Herzen, dass ich sehr gerührt ward. Man hörte es ihnen genau an, dass niemand unter ihnen vierzig Kupferlinge im Vermögen hatte, und dass sie alle des Tages Last und Hitze dieses Lebens trügen. – Der Pfarrer sang ebenso herzlich, nur mit dem Unterschiede, dass er mit seiner stimme die ganze Gemeinde commandirte.
Meinen Lesern zu Gefallen, die kein Gesangbuch haben, will ich die Stelle, die mir der Pfarrer vorzüglich ins Ohr und Herz sang, abschreiben:
Lieber Gott, wann werde' ich sterben?
Meine Zeit läuft schnell dahin,
Und des alten Adams Erben
(Wo ich auch ein Erbe bin)
Haben diess zum Vaterteil,
Dass sie eine kleine