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Unser Seliger heisst – – – – – – wie er seinen Namen ganz mit allen Punkten und Clauseln ausgeschrieben.
Er fährt fort:
Ich war reich – ich hatte so viel, dass meine grossstädtische Freunde zuweilen zu mir kamen und sich ländlich vergnügen konnten.
Ich ward arm, fährt er fort, der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt! Wie er um das Seinige gekommen, meine Lieben, ist nicht angeführt. In seinem Wohlstande hatte' er zum Aufbau eines Lustauses und Lustgartens für eben diese Freunde, wenn sie ihr stockendes Blut wieder in Fluss bringen wollten, zweitausend Gulden angeliehen, s c h w e r G e l d .
Da er arm geworden, erliessen sie ihm die Schuld und gaben ihm seinen Schuldbrief zurück. Sie bedachten vielleicht, dass er nur ihretwegen diesen Bau unternommen. – "Was dankt' ich Gott," schreibt der Selige, "dass ich unter meinen Freunden Menschen fand. So in der Nähe, dachte' ich. – Gott schlägt, Gott heilt, Halleluja!" Unser Seliger hatte zwar nicht das Glück des Hiobs, der zwiefältig so viel bekam, als er gehabt hatte, und ausser dem schönen Groschen und dem güldenen Stirnband, so ihm seine Brüder und Schwestern und Bekannten verehrten, noch vierzehntausend Schafe und sechstausend Kameele, und tausend Jochrinder und tausend Esel – wie er denn auch nach seinem gehabten Unfall einhundert vierzig Jahre lebte und Kinder und Kindeskinder sah, bis in das vierte Glied. Unser Seliger konnte zwar nicht seine Freunde zum ländlichen Vergnügen mehr einladen, sein Gärtchen und sein Lustäuschen waren in fremden Händen; allein er hatte doch Nahrung und Kleider! – Seine Freunde hatten auch nach der Zeit sich b i t t e r und s a u e r B r u n n e n angewöhnt, welchen sie die nämliche Kraft, als guter frischer Milch und einem Gartenhäuschen und einem Lustgarten, beilegten. – Der Selige hatte sich indess so weit herausgewunden, dass er viertausend und siebenzig Gulden nach Königsberg nehmen konnte, um seinen Verkehr durch einige neue Waaren zu verstärken. Bei viertausend und siebenzig Gulden baar Geld konnte' ein so ehrlicher Mann, als er, auf noch einmal so viel Credit rechnen. – Seine Anverwandten hörten von den viertausend siebenzig Gulden und nahmen ihn allein.
Sie fragten nach der Handschrift. Hier, sagte er, und zog sie aus der Schreibtafel. Solang ich lebe, soll auch diese Handschrift leben; ich könnte vielleicht aufhören dankbar zu sein, wie viele Menschen, wenn sie zu satt werden, Gottes vergessen. – Hier, sagt' er, ohne Flecken, ohne Runzel, oder dess etwas, so wie ich sie gestellt hatte und zurück erhielt.
Der Senior Familiae, ein alter herzloser Mann, nahm sie entgegen, und es ward dem Dankbaren angedeutet, dass, da man von den viertausend Gulden, ohne an die siebenzig zu denken, gehört, er wohl ihre zweitausend Gulden, zusammt den Verzögerungszinsen, entrichten könnte.
Freunde, fing er an; allein man droht' ihm mit dem b r e i t e n W e g e R e c h t e n s , der zur Verdammniss führt, und v i e l e sind, die darauf wandeln.
Freunde, fing der Selige wieder an; allein (und diess kränkt' am meisten) sie machten ihm Vorwürfe, dass er noch dazu die zweitausend Gulden zu Lustaus und Garten verwendet hätte.
Aber – fing er wieder an, und der Senior Familiae fiel ihm ins Wort: Freilich hatte Sie Gott damals reichlich gesegnet und Sie konnten an Lust denken, jetzt aber bei viertausend siebenzig Gulden müssen Sie an Zahlung denken. – D e n k t , sagte der Selige. Z a h l t , sagten die Verwandten, die Unseligen. Sie hatten ohne Flecken, ohne Runzel oder dess etwas, das Document und er hatte keinen Beweis der Schenkung, und wenn ich auch, schreibt er, Beweis der Schenkung gehabt hätte – und wenn auch –
Er bezahlte.
"Nur die Zinsen!" es macht' auf jeden der Herren eine Kleinigkeit.
Keinen Dreier! sagte Senior Familiae. Es sind die usurae morae (die Verzögerungszinsen); er hatte diesen Bissen Latein von einem Rechtsgelehrten erhandelt!
Der Selige musste von heller zu Pfennig Capital und Zinsen berichtigen, und da einige andere von seinen unbeträchtlicheren Gläubigern, die ihm aber nichts erlassen, sondern teils auf seine Verbesserung wegen der alten Schuld gewartet, teils ihn mit neuem Flickvorschuss unterstützt hatten, dieses hörten, verlangten auch sie Geld und reservirten sich quaevis juris competentia contra quem vel quos, wenn der Vierzig Gulden war alles, was unser Selige erüb"Vierzig Gulden," sagt' er zu sich selbst und sah Freude.
Was das für eine Freud' im Traum war, schreibt er, ist unaussprechlich! So was kann man nicht leben, so was muss man träumen. Er ging zu Fuss aus Königsberg, und es sei, dass die Ungewohnheit, ein Fussgänger zu sein, oder dass der gerechte Schmerz über dergleichen Verfahren ihn noch tiefer als sein hohes Alter angriff, unser Seliger ward in – – krank. Ich fühlte, schrieb er, beim ersten Stich in der linken Seite, dass mein Stündlein vorhanden sei und die Erfüllung des Traumes: G e h ' e i n z u d e i n