1778_Hippel_037_152.txt

nicht auf dem grünen Platz schreibe, sondern in einem Staat. – Bald hätte ich zu viel gesagt. Ich empfand auf diesem grünen Platz, und zwischen Empfinden und Denken ist oft so ein Unterschied, wie zwischen Wachen und Träumen. Ein schöner Traum! ich gäb' einen Tag drum unbesehens.

Meine Empfindungen wurden den Preussen, dem Fuhrmann und seinem Untergebenen, zu langeIch s c h l i e f ihnen zu viel. Sie schrien mich heraus und gaben mir zu verstehen, dass hier guter Weg sei, wo der Wagen ohne Not aufgehalten würde, und dass schon Stellen vorfallen würden, wo ich gelegenheit haben würde, mich zur Ruhe zu begeben (eigentlich zu empfinden).

So gründlich gleich diese Aufforderung war, so verdross mich doch dieses Commando, und ich konnte nicht umhin, ich weiss selbst nicht, wie ich darauf fiel, zu fragen, warum sie denn nicht Soldaten wären? Ich hätte doch gehört, dass alles, was einen stattlichen Schritt in Preussen hätte, gerade ausseh' und sich wohlbefände, Soldat wäre, daher auch zärtliche Mütter Gott auf Knien danken sollten, sobald sie aus dem Wochenbette auf die Füsse kämen, wenn er sie einen Krüppel auf die Welt zu bringen gewürdigt, weil dieser allein das Recht hätte, eine Stütze der Familie zu werden. – Herr! sagten die Preussen, wer Ihnen das gesagt hat, ist ein H-t. Beim höchstseligen Herrn gings zuweilen in diesem Stück bunt über Eckund da konnte man manches nicht spitz kriegen. Gott lass ihn höchstselig ruhen! Unser jetziger Herr, sie zogen ihre abgekrempten Hüte ab, braucht Fuhrleute und Generale, und es tut in Preussen nichts, ob man einen Orden oder eine Peitsche umgehangen hat. (Sie hatten die Peitschen wirklich auf Ordensart.) Ich lasse keinem Menschen die Mittelsteine, wenn ich nicht will. Ein General oder Corporal geht mich mit keiner Ader an. – Ich für mich, sie für sich. – Wer dem Herrn die Abgaben gibt, ist ihm angenehm, so wie dem lieben Gott, wer recht tut, und wenn die Soldaten zur Revue sind, verstehen Sie mich (der Alte sprach), junger Herr Curländer, so bin ich während der Zeit Major von der Cavallerie, und dieser, mein Schwestersohn, ist Junker, und ich versichere den Herrn, dass wir unsern Säbel führen (er machte Luftstreiche und der Junker gleichfalls) wie Einer.

Es fiel mir eben, da die preussische Glänze anfing, eine grosse Eich' ins Auge, die sich nicht um das, was unter ihr war, bekümmerte. Sie hatte sogar gegen unten keine Schattenäste für ihre Untertanen. – Stolz wuchs sie gegen Himmel, und selbst ich hatte Mühe, ihren Gipfel zu erreichenSieh da einen Monarchen, sagte ich zum jungen Herrn v. G., und er verstand die Eiche und mich auf ein Haar.

Ich wünschte, dass mein Vater diese königlichen Fuhrleute gesehen hättedenn ich selbst war so begeistert, dass ich gern Luftstreiche mit diesen tapfern Preussen um die Wette gewagt hätte, wenn mir nicht mein Reisegefährte heimlich auf den Fuss getreten und eben so heimlich die rechte Hand gedrückt hätte, als wollt' er treten und drückenBruder, lass den Major und Junker, den Fuhrmann und seinen Untergebenen.

Es war gleich alles wie abgeschnitten. – Unsere Heerführer waren so sehr von allem Eifer zurückgebracht, dass sie uns herzlich versicherten, wie die Fuhrleute und Studenten in Königsberg Schwäger und Freunde wären! Trotz dem grünen Platz und dem kleinen Streit, der zuweilen vorfiel. – Sie bewiesen uns ihre aufrichtige schwägerliche Verwandtschaft, dass sie den folgenden Tag schon um drei Uhr Halt machten, um uns oder eigentlich mir, Zeit und Raum zu lassen, eine Leichenbeerdigung zu hören und zu sehen.

Wir waren eben im Begriff, in – – Mittag zu machen, da die Glocke gezogen ward. – Ich verstand auf den ersten Anschlag, dass es Trauertöne werden sollten.

Wer ist tot? fragte ich den Hauswirt. fragen Sie, antwortete er, wer wird begraben? Auch das, erwiderte ich, und wer?

Schön, fuhr er fort, nun werde' ich Sie fragen, wer wird begraben?

Ich sah den unwitzigen Mann ernstaft an, und wenn nicht eben eine Sturmglocke für mein Herz zu hören gewesen wäre, es wäre schwerlich beim Anblick geblieben. – Der Hauswirt war indessen so gefällig, mir sogleich auf meinen ersten Augenschlag (der Herr v. G. trat und drückte mich wieder) aus dem Traume zu helfen. Mein Herr, setzte der Hauswirt im Geschichtsstyl hinzu, es ist ein Fremder, ein Unbekannter. Niemand weiss, wo er her ist. Unfehlbar hat er nicht nach haus reichen können, denn man sieht ihm sein hohes Alter an. – Er hat ein sehr gutes Aussehenweil man einige Gulden und eine Schreibtafel (beides hat der Pfarrer gleich an sich genommen) bei ihm gefunden, so wird er mit einer Leichenpredigt begraben.

Gott, schrie ich, das ist der Alte! Alt ist er, sagte der kupfernasige Hauswirt ganz gelassen.

Ich konnte nicht mehrich will hin, ich will hinund seine kalte starre Hand angreifen. – Noch ist Segen Gottes darin. – Da die Gebeine jenes Mannes, den man in Elisa's Grab warf, die Gebeine des Propheten berührten, wurden sie lebendigund es trat der