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haben aufgehört zu geniessen und haben angefangen zu denken!

Wer lacht, macht zu lachen, wer weint, macht zu weinen. Denn es gibt kein gefährlicheres Tier, den Affen selbst nicht ausgenommen, als den Menschen; allein wer darstellt, wer handelt und handeln lässt, bereitet ein lachen von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften, und auch solch ein Weinen. – Wer im gemeinen Leben keinen blick hervorlacht, sondern nur durch sein Handeln mit Fleiss zum lachen gelegenheit gibt, ist komisch im hohen Grade. Und in Wahrheit, ein verstohlenes Ach gilt mehr, wenn man darauf vorbereitet ist, das ist, wenn man leiden gesehen und es nicht bloss gehört, als eine Sündflut von Tränen. Prüft nach diesen Angaben die Dichter alter und neuer Zeit. Ich für meinen teil wollte hier nur sagen, so wie Darsteller vom Selbstlacher und Selbstweiner unterschieden ist, so wie Werk vom Wort, so monarchischer Staat vom f r e i e n . Wer es fassen kann, der fass' es.

Ich merk' es, dass ich meinem grünen Platz entlaufen bin, und will mich gleich wieder, so lang ich bin, hinstrecken, um mein Vaterland zu Ende zu segnen. – Der Mensch ist zum Scheiden geboren. Sterben lernen und philosophiren ist von jeher für einerlei gehalten worden; denn in Wahrheit, diese Welt ist entweder ein Vorbereitungsort, oder wir sind die elendesten unter allen Geschöpfen! Drum nehme ich s o g e r n A b s c h i e d auf die Art, wie vom vaterland, wenn ich schon weg bin. – Ich empfand wahrlich mehr, als ich sagen kann, und was noch mehr als sagen ist: schreiben kann. – Noch wo ich grün sehe, kommt mir vor, als sähe ich Freiheit. Seht, was ich diesem Scheidewändchen zwischen Curland und Preussen und dem grünen Fleck, auf dem Herr v. G., der ältere, uns belehrte, dass wir Curländer wären, zu verdanken habe!

Ich wünsche allen König'schen, wess Standes und Geburt sie sein mögen, sonder Arglist und Gefährde, etwas Grünes, damit sie wenigstens einigermassen wissen, was Freiheit sei. Monarchischer Staat ist wie eine Lanze, oben klingt es, unten ist Holz, wie ein Kegelspiel, das die Kugel nicht trifft. – Was Se. Majestät nicht allerhöchst eigenhändig fällt, das tun die fallenden Kegel, einer wirft den andern mit. – So wie gesteiftes und ungesteiftes Kleid, so Monarchie und freier Staat. Hier stammen wir in gerader Linie von der Mutter natur ab, dort höchstens von der Seitenlinie. Im monarchischen staat wächst, was noch in die Höhe schiesst, wie eine Bohne an der Stange. Im freien staat, sagt man, sind die Menschen wild, das heisst mit andern Worten: im monarchischen Staat sind die Menschen Menschen. Warum denn alles nach der Regel de tri? Ein König'scher, ein Untertan, ist ein zahmes Tier, das aus der Hand frisst und nicht weiss, was es erst tun soll, ob fressen? oder die Hand küssen? Er sitzt beständig auf den Tod und wartet nur auf den Appetit seines Allergnädigsten. Ruft nicht Pensionärs! Im freien Staat ist wenigstens ebenso viel Sklaverei als Freiheit. Diess hat mich Herr v. G. besser gelehrt, der meines Wissens keine Pension zog. Wo Weizen wächst, wächst Unkraut, und je besser der Boden, desto besser schiesst beides hervor. – Die ganze natur ist für und wider sich; alles kreuzt sich in der Welt, Vögel und Aeste. Was sich neckt, das liebt sich. – Seht da wieder natur im freien Staat, Homer'sche, Shakespeare'sche natur! Das Lobopfer, das ihr der Monarchie bringt, ihr Professores Poeseos! was ist's? Erbauliche Gedanken neben einer Hekke, die eben geköpft ist, auf die Melodie: N u n sich der Tag geendet hat und keine Sonn' mehr scheint.

Lebe wohl, herzlich geliebtes Vaterland! Du hast mich gelehrt, die Freiheit schätzen, obgleich du selbst bei weitem noch nicht frei bist, sondern dich zu Polen verhältst, wie ein A u f s c h l a g zum K l e i d e . – Frevelhafte Beschuldigung ist es, dass man in deinem Schooss wie eine Flinte sei, die nicht mehr, nicht weniger knallt, es fall' ein Sperling oder ein Mensch, nach Gottes Bilde gemacht. Es gibt monarchische Staaten, wo man sich über den Kopf eines Mörders wenigstens zwölf Monate bedenkt, so, dass das Publikum die Verbindung zwischen Verbrechen und Strafe vergisst, und der Pastor loci recht gemächlich gelegenheit nehmen kann, den Geist und die Kraft der Religion an diesem Bösewicht ad oculum zu demonstriren. Alle Mörder sterben alsdann wie der Schächer am Kreuze! Dagegen fliesst in diesen Staaten das Blut von tausend edlen im Kriege. Niemand lötet die Wunden der Redlichen. – Es gibt Tiere, sagte mein Vater, die im Marmor, aber nicht im Leben gefallen, und so wie der Bienenschwarm, so der freie Staat. – Nicht also, mein Vater; ich glaube, dass das Denken im monarchischen Staat und das Reden im freien zu haus gehöre, oft auch das Tunso wie ein Sklave nur eigentlich unverschämt sein kann; im freien Staat kennt man diess Wort nicht.

Meine Leser werden ohne Fingerzeig einsehen, dass ich dieses