für Tiere? mitteile. Es hatte der gute Herr v. G. der ältere viele Hühner. Aus seinem geschmackreich gebauten Hühnerhäuslein und der Weise des Herrn v. G., sie selbst zu füttern, hätte man schliessen sollen, dass er das alte Wahrsagerprincipium angenommen, und dass er aus der Begierde, womit die Hühner frassen, so, dass die Körner auf dem Boden herum tanzten, Glück oder Unglück sagen könnte.
H ü h n e r , antwortete der Herr v. G. seinem Sohne. Alles, was Odem und Leben hat, zieht an, fing ich an. Die Sympatie hat im Odem ihren Hauptsitz. – Im Odem ist Leben und Tod.
Der Herr v. G. der ältere löste mich ab und wandte sich zu seinem Sohne.
Du wirst bei deinen Hühnern bleiben, wenn du dir Hühner anschaffst und meinen Rat befolgst, du wirst mancher Gesellschaft eine abschlägige Antwort geben. Der Satan hätte dich zur Jagd verführt, ob er gleich auch Odem hat und mit dir sympatisirt; – auf der Akademie keine Jagdhunde!
In Polen halten sich einige Familien ein Paar, um die Teller zur zweiten, dritten und vierten Schüssel stehenden Fusses rein lecken zu lassen. – Das wirst du nicht nötig haben. Die Reinlichkeit hat man überall umsonst.
Hast du Hühner und Tauben, fuhr er fort, und hat der Wirt ein Gärtchen beim haus, verdopple die Miete. – Jeder Mensch muss einen Zeitpunkt in seinem Leben haben, wo er zu haus bleibt. Lass dir den Vorfall mit deiner Braut, der lieben Kleinen, zur Lehre dienen – und tue der Jagd einen Possen und schiess' und hetz' in drei Jahren nicht. – Conversation ist dem Studiren und selbst der Lectüre spinnefeind. – Vergesst nicht (sein blick traf uns beide), dass ihr aus einem freien land seid. – Die Monarchie hat viel Verführerisches; allein sie versäuert das Herz, sie nimmt Seele und Gewissen in Beschlag. – Ein Monarch! ja, was so ein Herr nicht alles tut! Wunder über Wunder! – Es ist aber auch darnach. – Das leichteste Stückchen Brod ist es, das Gott gibt. Sie säen nicht, sie ernten nicht, wie die Lilien auf dem feld, und Gott nährt sie doch. – Der Pastor, Ihr Vater (Herr v. G. der ältere wandte sich zu mir), der mich ehegestern beten gelehrt, wird mich nie, nie dahin bringen, in dieser Rücksicht etwas anderes zu beten, als dass Gott der Herr Curland womöglich noch unabhängiger mache, als es jetzt, Gott sei Lob und Preis, schon ist! – Je unabhängiger, desto mehr Gott ähnlicher. Ich hab' einen Franzosen gekannt, der von Curland sagte, das elendeste Land, das ich kenne! Man kann im Sommer nicht seinen Winterrock versetzen. Das Wetter wechselt wunderlich. – Du guter Schlucker! Ich will dir dein Land und deinen allerchristlichsten König lassen. – Gott ehre mir mein schlecht und rechtes Haus, wo manche priesterliche Schwalbe nistet. – Du sollst so viel Freiheit haben, wie ich gutes Ding, wohlehrwürdiger Vogel! Seht nur, Kinder! wie die mich da eben ansieht! ich kann den Schwalben nichts nachsagen, und ausser dem Umstande, dass sie den Todtengräber Tobias blind gemacht – weiss ich nichts Böses von ihnen!
Preussen hat einen geborenen König, dem man nicht X vor U machen kann, der königliche Gaben hat; allein rot, blau und grün machen schwarz, kohlschwarz. – Gern hätt' ich den Herrn v. G. gebeten, mir dieses Rätsel zu lösen, allein er hielt inne.
Nach einer Weile fuhr er fort: Der Staat, dem ihr zueilt, hat – ich gesteh' es, einen Philosophen und einen König zum Beherrscher. Er hört jeden, er sieht jeden, er hilft, so weit seine lange Königshand es kann – jeden! und es ist mir ordentlich bange, dass er euch die Monarchie in einem zu vorteilhaften Lichte zeigen werde. – Prüfet alles, und das Gute behaltet. Eine Schwalbe macht keinen Sommer!
Die Monarchen sollten nur angeloben, zu hören, physisch zu hören; allein tun sie es? Sie messen ihre Superiorität nicht mit ihren alleruntertänigsten treugehorsamsten Knechten, sondern mit andern Monarchen, und da mag der Teufel Untertan sein. Sie haben keinem Rechenschaft zu geben, als dem lieben Gott in der andern Welt und den Poeten und Geschichtschreibern in dieser. – Die letzten haben nicht aufs Recht geschworen und nehmen Geschenke an, und mit dem lieben Gott hat's Zeit genug, dass sie ihm im Titel den Rang lassen! kommt Zeit, kommt Rat!
Der Herr v. G. der ältere hielt diese Anrede mit einer unaussprechlichen Wärme. Er schien im Ernst zu fürchten, wir würden uns in Preussen werben lassen und K ö n i g i s c h e werden.
Noch muss ich bemerken, dass er sich während der Zeit, da er Curland pries, aufs grüne Gras geworfen hatte, als wenn er der freien Erde seinen Dank ablegen und sie umarmen, umfassen wollte. – Es schien, da er geendigt hatte, als besorgt' er, nicht aufstehen zu können.
Diess bewog den alten Herrn, ihm unter den Arm zu greifen; allein Herr Hermann kam beim Herrn v. G. jederzeit zu kurz, er mocht' es anlegen, wie er's wollte