: wasser tut's freilich nicht. – Worte tun es auch beim Gebet freilich nicht. Das Gebet selbst, was ist's ohne Handlungen, ohne gute Gesinnungen? Gehe hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und bete, empfinde das innere Bewusstsein dieser guten Tat, und dieses Bewusstsein opfere Gott dafür, dank ihm! Warum sollten wir aber auch von einer so teuern Gabe, als die Sprache ist, Gott nicht die Erstlinge opfern? Es gibt ein gewisses herzliches, kindliches Denken, das durchaus in Worte ausbricht. – Wir sind und bleiben Menschen! das weiss der liebe Gott, der Engel kennt und Menschen kennt. – Er erlaubt uns gern, ein Wörtchen mitzureden, wenn sich unser Geist zu seinem Schöpfer, dem geist der Geister, emporschwingt. – Ich habe einen Stummen gekannt, der alle Morgen und alle Abend an den lieben Gott schrieb.
H e r r v. G. Pastor, da wollt' ich drauf wetten, das hat der liebe Gott recht gern gesehen.
P a s t o r . Weil eine kindliche Einfalt darin ist.
H e r r v. G. Jeder wird seines Glaubens leben! Vielleicht sollten wir nichts mehr als das Vater unser beten, wenigstens ist es das allervollkommenste Gebet, wie ihr Herren selbst sagt. Warum sollt' ich etwas, das weniger vollkommen ist, vorziehen?
P a s t o r . Das nicht; wer kann aber das Vater unser so oft beten und mit Andacht? – So wie man Linien mit Bleifeder zieht, damit die Kinder gerade schreiben, so Christus mit dem V a t e r u n s e r . Ich spare das Vater unser, bin darauf geizig und tue mir ordentlich damit was zu gut. – Alle Kubache haben mehr Schaden als Nutzen gestiftet. Der gemeine Mann wird durchs G e b e t a u s d e m H e r z e n klug, er lernt sich fassen, und wenn wir V o l k s g e b e t e sammeln könnten, Herzensgebete guter Menschen, ich sage, wenn wir's könnten – wie vortrefflich würde diese laute e Milch schmecken, wie wohl uns bekommen! – Ein solch naives Buch wäre noch nicht in der Welt. – Es könnte nur bloss vom Himmel fallen – um menschlich zu reden. Gott müsst' es aus seinem himmlischen Archiv herausgeben. Es wäre das beste Lehrbuch für Priester und Leviten, die vor Gelehrsamkeit nicht zu Gott kommen können. – In Wahrheit, man kann von den meisten Gelehrten sagen, dass vor Rauch nicht Feuer zu sehen ist!
Meine Wünsche werden indessen Wünsche bleiben, weil Herzensgebete durchaus ins Kämmerlein zu haus gehören.
Es fielen ausser diesem piissimo desiderio noch mancherlei pia desideria vor. Es ward stückweise von Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung gehandelt – wovon ich aber für jetzt nachzuhandeln bedenklich finde.
An den geneigten Leser
und an den ungeneigten Kunstrichter.
Diess Gespräch ist über Bausch und Bogen, wie mir alles war, was bei meiner Ankunft in – –, dem haus des Herrn v. G., vorfiel.
Mein Vater betete weniger, als er vom Gebet sprach, und es gefiel mir seine Anmerkung, die er zu einer Zeit machte, dass vom Gebet reden auf gewisse Weise beten heissen könne. – Wenn diese Anmerkung richtig ist, so wird man fast behaupten können, es wär' ohn' Unterlass in dieser geschichte gebetet worden. – Dieses Gespräch hätt', ich gesteh' es, überschlagen werden können, ich wollt' indessen ehrlich bei dieser Sache verfahren, und so wie in der ganzen Schrift verfahren ist. Des ungeneigten Kunstrichters wegen (der geneigte Leser wird es so genau nicht nehmen) muss ich anführen, dass dieses alles und jedes nach der Tafel an dem Tage vorgefallen, da wir nach – zum Herrn v. G. kamen, und zwischen Herrn v. G. und meinem Vater eine Koppelweide brüderlich verabredet ward, und da dieser Vergleich mit einem ächten Glas Wein aus einem Schäuer begossen ward, und wo ich, quod bene notandum, alles über B a u s c h u n d B o g e n sah und hörte, wovon der Schluss dieses Gespräches einen hinreichenden Beweis zu geben im stand ist.
Diess ist also das Datum
zum Gebetsgespräch,
zur Frage wohin? Zur Antwort: Königsberg vorderhand – der Pietisterei
des Codicis Fridericiani und der Instruktion uner
achtet,
Königsberg vorderhand.
Göttingen nachderhand.
Diess nachderhand aber sag' ich meinen Lesern ins Ohr, wie ich es mit mancher Nachricht aus gutem Herzen gemacht habe.
H e r r v. G. wollte nicht, dass wir den andern Tag zeitig unsere Reise antreten sollten.
Grosse Reisen, sagt' er, immer nach Mittage. Tagereisen fangen des Morgens an. Er war sehr kurz in den Ermahnungen an seinen Herrn Sohn.
Er riet ihm nach Anleitung meines Vaters an, lebendige Tiere zu halten. Sein teurer Herr Sohn hatte schon, wegen des S a t a n s , den er gern mitgenommen hätte, eine abschlägige Antwort erhalten, und war also seine etwas störrische Frage sehr natürlich:
Was für Tiere? Der junge Herr v. G. hielt den Hund für ein Compendium aller nützlichen Tiere, für ein lebendiges Tier κατ’ εξοχην.
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Noch eine andere Bemerkung, eh' ich die Antwort auf die störrische Frage: was