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e n e gepflanzt hatte, die jetzt fürchterlich finster war. So finster und zehnmal finsterer sei es um meine Seele, wenn ich Minen vergesse! – Erinnern Sie sie, Benjamin, an die kalte Hand ihrer Mutter! – Ich liebe Minen sehr, sehr!

Da sank ich abgemattet nieder und erholte mich erst nach einer Viertelstunde.

Was ich mich freue (fing Benjamin an, hielt beide hände gefaltet und hüpft' auf seinem Posten immer auf einer Stelle).

I c h . Warum?

B e n j a m i n . Weil Mine so glücklich ist.

I c h . Ich bin es mehr Bruder! weit mehr!

B e n j a m i n . Gott gebe, dass Sie's ganz werden mögen!

I c h . So sage du! oder

B e n j a m i n . Kann ich?

I c h . Warum nicht?

B e n j a m i n . Literatus und Schneider! Alexander und Darius?

I c h . Beides Könige, beides Menschen! Wenn du keine Schwester M i n e hättest, müsstest du mich du nennen.

B e n j a m i n . Sehr gütig!

I c h . Gerecht, Bruder! Wenn ich tausendmal Superintendent wäre! Was wär' es? Nannten wir uns nicht du als Kinder im stand der Unschuld? Wenn du nicht einen natürlichen Ekel gegen das liebe Latein gehabt hättest, du würdest wissen, dass man in Latein alle Welt du nennt. Duzen wir nicht Gott den Herrn, ohn' ihm mit diesem Wort zu nahe zu kommen? Und was unter uns für Umstände? Bruder Benjamin, das heisst, Minens Bruder.

B e n j a m i n . Nun du! du! du! du! ich muss es nur einigemal hinterher sagen, damit ich in die Gewohnheit komme; ja du bist ein Mensch, ein ganzer Mensch!

I c h . Ich hab's angefangen zu sein, und mit Gottes hülfe will ich's vollenden.

B e n j a m i n . Bleib Minen gut.

I c h . Das bitte' ich dich! ich bin ihr näher als du!

B e n j a m i n . Sie ist dir schrecklich gut, schrecklich. – Es ist ihr Ausdruck.

I c h . Ich ihr auchschrecklich, Bruder!

B e n j a m i n . Schrecklich, das heisst: Euer Ziel ist noch fern.

I c h . Das heisst, wir haben noch viele Berge zu steigen, viele! Grausam aber soll, wie ich zu Gott hoffe, unsere Liebe nie werden, das heisst, hocheifersüchtig. Eifersüchtig ist jede, jede Liebe.

B e n j a m i n . Minens wegen eifersüchtig?

I c h . Du bist mein, Mine! ich bin dein! Mein, dein! Mein, dein! Mein, dein! O Bruder, was ist die Liebe? Ruhm, Reichtum und andere Narrenspossen gehen alle durch Menschenhände, ich fühl's, Bruder! Die Lieb' allein kommt aus der Hand der natur. Sie ist roh, sie ist Obst; denn beinah' alles andere ist gekocht und gebraten! Bruder! Bruder! ich gehöre Minen, ganz und gar gehör' ich ihr! ihr! und wenn sie mich zurückgeben wollte! O Gott, wie unglücklich reich würde' ich sein! verdammt, verflucht reich; ich verlange mich nicht. – Wie gut bin ich bei ihr aufgehobenbei ihr wie gut versorgt!

B e n j a m i n . Fass' dich, Bruder, sonst sinkst du wieder.

I c h . Lass mich! Mine ist mein! – lebend und sterbend! O wie süss, wie süss werde' ich in ihrem Arm sterben! sterben, Bruder! hörst du, sterben! – Dann komm' ich aus einem Engelsarm in den andern.

B e n j a m i n . Fass dich, Alexander! fass' dich!

I c h . Lass' mich nicht fassen! ich bitte', ich beschwöre dich! lass es mich nicht! Fassen ist gut, sich nicht fassen, ist auch gut. Kann sich die Liebe fassen? Ich glaube, man liebt nicht mehr, wenn man sich fasst. – O Bruder, das Menschengeschlecht wird nicht aussterben; allein die Liebe liegt in den letzten Zügen, die rechte Liebe, die rechte. – O L i e b e ! L i e b e ! d u b i s t s t a r k ! singt meine Mutter.

B e n j a m i n . Die deinige ist stärker, als Alexander. – Gott helf' meiner Schwester die ihrige tragen!

I c h . Gott helf ihr! – aus der Höhe! – Gib du ihr auch die Hand, wenn sie sie nötig hat. – Greift sie nach beiden, gib ihr beide. – Du bist link, ehrlicher Junge, gib ihr deine arme! Stütze sie! – O Jammer, dass du so weit von ihr entfernt bist! Wenn sie so ist, wie sie war, da sie den Brief schrieb, den du brachtestden himmlischen Brief! O Bruder! hilf ihr! hilf ihr!

B e n j a m i n . Gott