wohl ein Paar nötig hast. – Du schreibst bald! und bald kommst du wieder, und wenn ich nicht tot bin, bist du bald ganz der Meinige. Wie Gott will! Er, der Gnädige, sei dir gnädig, der allein Gnädige sei es dir! Amen! Amen! Amen! Ich bin auch im tod dein, und ewig dein! und ewig, ewig, ewig dein, dein, dein, dein! – Ich weiss nicht, wie mir ist! Der Tod wird uns nicht scheiden. Wir sind und bleiben eins. – Der Tod nicht? Was ich schreibe! Sind wir nicht schon geschieden? bist du nicht fort? Und wenn ich stürbe, wer wird mir das Auge zudrücken, das nach dir noch starr offen stehen wird? Sonst hat es nach nichts zu sehen in diesem Jammertal, nach Vater nicht, nach Mutter nicht, nach der ganzen Welt nicht. Du würdest es mit einem sanften Kuss schliessen, wie die Abendluft eine Lilie, das würdest du, mein Einziger, wenn du geblieben wärst. Diess, diess trübt mich bei deinem Abschiede; du würdest meine Leiche mit Tränen salben, wenn du geblichen wärst. – Ich würde' in deinem Arm sterben, wenn du geblieben wärst. – O wie mir ist! Verzeih', Geliebter! ich weiss nicht, was ich schreibe – und werfe Blikke hin und her auf diesen Brief, und fast möchte' ich ihn zurückhalten, wenn ich nicht schreiben müsste des guterletzt und des neuen Vorschlags wegen. schreibe mir doch, was dir ahnt, und Gott sei mit seiner Gnade bei und über dir! Amen, jetzt und in Ewigkeit Amen, in Ewigkeit Amen!
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Ich hatte diesen Brief nicht ohne die heissesten Tränen lesen können. Alle Augenblicke drückt' ich ihn an meine Lippen und dann, als ob diess viel zu wenig wär', und dann wieder an mein Herz, das ihm entgegenschlug. – Benjamin hatte des Vaters Posten eingenommen und war auf die Wache gezogen, wie er mir nachher erzählte; denn gesehen hatte' ichs nicht, ich wollt', ich musste schreiben. – O wie war mir! – als schrieb' ich ein Todesurteil, als schrieb' ich mit Blut – so angst und bang! und dann wieder so vergnügt ums Herz, dass das Blut über und über stürzte, und dann wieder so sanft als im Junius, wenn es geregnet und jede Blume wonnetrunken ist und sich noch auf ihrem rücken für den schwülen Mittag des künftigen Tages einen grossen, grossen Tropfen aufgespart hat. – Alle Jahrszeiten in einer Viertelstunde – ich weiss nicht, was eigentlich mit mir vorging. Nur das weiss ich, dass Benjamin einigemal zu mir kam, eilfertig, um seinen Posten nicht kalt werden zu lassen, und mich in seine arme nahm und mir die arme küsste, meine Tränen waren ihm zu heilig, um ihren Lauf zu hemmen um sie mit den seinigen zu mischen. Kein wasser, sagt' er, zu diesem Wein – der gute Benjamin! Und dann fing er wieder an: Ich werde' ihr alles sagen! alles! Er schrie: alles und jedes, bis er's merkte, dass er zu laut gewesen, und nun seufzt' er wieder: alles und jedes! Ich brach die hände, dass es rührend war. Das nicht, erwiedert' er. Warum ringst du? Zwar ist's, als säh' ich den Engel und Jakob ringen! so schön ringst du! so schön ringt nur Lieb' und Pflicht! Das nicht, sagt' ich, Benjamin! das nicht! – Mein zu guterletzt ist Segen von Gott, diess Ringen zu dem Allmächtigen ist sorge für sie! Mehr sag' ihr nicht, mehr nicht von diesem z u g u t e r l e t z t , als was sie tragen kann. Ich weinte herzlich und Benjamin weint' auch. Wir waren beide sehr bewegt – und ich wett' es, wäre gekommen wer da wollte, er hätte mich um keine Träne gebracht, nicht um eine einzige.
Ich billigte den Plan, ohn' ihn zu überdenken, denn wie konnte' ich das? Benjamin wäre nicht die Nacht geblieben, um alles nicht. Warum? Das sollten meine Leser raten. Seines durch ihn beschämten Vaters halben? Nein, geliebtester Leser! Nein! – M i n e n s wegen. Mehr braucht' ich nicht zum Beweise, dass er meines Vertrauens wert sei. Ich vergass seine Rolle beim Finkenneste, beim Judenjungen und als Darius; ich dachte nur daran, d a ss e r M i n c h e n s , i h r e t - , bloss ihretwegen, nicht die Nacht bleiben wollte. – Dein Plan ist gut, weil du ihn gemacht hast, sagt' ich ihm, du siehst, ich kann nichts überdenken. – Es kam mir alles übern Hals, Minens Brief, d e r M a n n m i t d e m e i n e n H a n d s c h u h und die geschichte unseres B e k a n n t e n . Wenn ich ein Bösewicht wäre, sagt' ich zu Benjamin, wie könnt' ich diese geschichte wissen und Minen untreu sein? Ich empfahl Benjamin die Laube, welche der U e b e r w u n d