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um seinen eigenen Ausdruck zu adoptiren, eine Erdscholle, ein glebae adscriptus; allein er war selbst auch diess als v. G. Wenn ich Ihnen mit dem Ausdruck einen Dienst erweisen kann, gnädige Frau v. G., er war ein W u r z e l m a n n . – Die Blätter fallen im Herbst in der Trübsal ab.

Obgleich wir ein Trauerfest hatten und der Herr v. W., sein Waffenträger und Herr v. G. sehr höflich gegen einander waren, welches gemeinhin bei Trauerfesten zu sein pflegt, so konnte doch Herr v. G. nicht umhin, wiewohl ohne ihnen diese Saladiere anzubieten, gelegentlich anzumerken, dass derjenige, der nicht bezahlen könnte, sehr höflich wäre, welches gestern mit alten Männern, wenn sie junge Weiber zur Ehe hätten, bewiesen sei.

Wie denn Herr v. G. sich wider alle GeburtstagsGlückwünsche erklärte. – Wer wird, sagte er, gratuliren, dass man schwächer geworden? Zum Geburtstage muss man nur bis zum dreissigsten, und da in der Weichlichkeit der Jünger immer stärker als der Meister ist, nach unserm Weltlauf bis zum fünfundzwanzigsten, einundzwanzigsten und wohl neunzehnten Lebensjahre Glück wünschenes wäre denn, dass man auf die andere Welt Rücksicht nehmen wollte, nach der aber in gesunden Tagen wenig Nachfrage ist.

Noch eins! Mein Vater hätte gesagt, sagte Herr v. G., wer einen Brief schreibt, muss glauben, er schreibe ihn an die Welt, und wer ein Buch, ich sage ein B u c h , schreibt, schreibe es an einen guten Freund, wenn man nicht in beiden Fällen alltäglich sein will.

Ich ergreife dieses n o c h e i n s als eine erwünschte gelegenheit, um meinen Leser auf Ehre zu versichern, dass ich diess n o c h e i n s nicht aus den Augen gelassen und dieses Ganze an E i n e n gerichtet habe. Ich habe dieses Einen in dem ersten Bande erwähnt, und es ist eben derjenige, der mich auf der einundzwanzigsten Seite besuchte und dem ich auf eben der Seite (ich rede von der ersten Ausgabe, denn wer steht mir dafür, dass es zu mehreren kommt) eine glückliche Reise gewünscht habe.

Wie viel liegt in dem Worte E i n e r ? Wer es fassen kann, der fass' es, und wer's nicht kann, wird auch schwerlich begreifen, was eigentlich Einheit in einer jeden Schrift ist, welche da sein muss, die Schrift wandle gleich im finstern Tal, sie gehe gleich durch Dick und Dünn, durch Licht und Finsterniss. Eine Schrift, welche dieses Ziel nicht hat und nicht an Ort und Stelle kommt, ist eine Missgeburt. – Je weiter man es gebracht hat, alles zu Einem einzulenken und kein Rad zu viel und keines zu wenig in seinem buch zu uhrmachen, desto mehr Ganzes ist da. Man sagt: Ein Apostel Paulus, Ein Rat, Eine christliche Gemeinde wolle mit gebührender Andacht verlesen hören. – – Gott schuf nur einen Menschen! sein Bild! und wenn ihr Herren Präadamiten in die Kreuz und in die Quere euch dagegen bäumt. In dem Gedanken: E i n Mensch und sein Weib von i h m genommen, liegt was Göttliches, was Grosses! wasEin System, wenn es so ganz da liegt, so g a n z , wie Tier und Mensch, ist Arbeit eines Halbgottes. Wo ist ein System dieser Art? Wenn es ja fertig werden kann, wird es das Werk eines Deutschen sein. – Im System geht man vom Ganzen zu den Teilen. Man sieht den Menschen ganz. Ein blick ist genug hiezu, und sodann anatomirt man ihn. – Sonst geht man von den Teilen zum Ganzen. Ein System heisst nicht Compendium und ist nicht ein auf Draht gezogenes Gerippe. Seht die Welt! Sie ist ein Mensch im Grossen. So g a n z wie ein Mensch. Gott sieht sie, wie ich meinen Haushahn, meinen Phylax, meinen Leopold; wir aber finden sie so in Unordnung, dass es K u n s t r i c h t e r gegeben hat, die dem lieben Gott gern was ins Ohr darüber gesagt hätten.

Wo das, was ich verstehe, gut ist, da leg' ich beide hände auf den Mund, wenn ich an etwas stosse, das ich nicht verstehe.

Mein Einer, an den ich dieses Buch geschrieben, ist mein lieber getreuer – – den ich auch getreu lieben werde bis in den Tod. Dieses ganze Buch ist eine Dedikation, eine Zuschrift, in Rücksicht auf ihn, ein Brief mit einem cachet volant, sub sigillo volante (unter offenem fliegendem Siegel); allein kein Wunsch ist sehnlicher, als dass meine Leser hiebei nichts verloren, sondern vielmehr reichlich gewonnen haben mögen.

Mitten in diesen und andern Wiederholungen kam ein Brief von meinem Vater an den Herrn v. G. und an m i c h ?

Nichts an mich, zum offenbarsten Beweise, dass mein Vater nicht fürs Schreiben war.

Auch der Brief an den Herrn v. G. war kurz und entielt nur eine Anweisung, einen Fingerzeig wegen der Beilage. Unser B e k a n n t e r , der das erste- und letztemal, da er eine Flinte losdrückte, oder vielmehr, da sie ohne sein Vorwissen und Mitwirkung in seiner unerfahrenen Hand losging, seinen Sohn erschoss