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schien, so blieb es ihm doch bedenklich, weil ich nicht von Adel war, und wie hätt' ich mir ein ander Schicksal, als der M a n n m i t d e m e i n e n H a n d s c h u h , versprechen können, der a dato nach sieben Tagen sterben wird. – Er kämpfte indessen, weil es seine Tochter betraf, meinetwegen auf eine unbeschreibliche Art, und endlich kam es dahin, dass er mit vielen Complimenten sich bedankte und diese Begebenheit an den Rand zu verzeichnen sich verbindlich machte, wie denn auch meine Gesundheit bei Tafel von ihm ausgebracht wurde. Es war eine unaussprechliche Höflichkeit, mit der mir Herr v. W. zu verstehen gab, dass beim: w a s i s t g e s c h e h e n ? die Frage: w e r t h a t s ? notwendig sei.

Höflichkeit und Festlichkeit scheinen und sind zuweilen wirklich Antipoden; allein unser Herr v. W. hatte diese Eigenschaften so zusammen vereinigt, dass sie wie eins waren. Beide stammen vom hof: der Geringere ist höflich aus Falschheit oder Furcht, der vornehme aus Stolz, und diess ist auch die rechte Quelle der Festlichkeit. So wie sich eine grosse freie Stadt zum hof verhält, so die Urbanität, die Städtlichkeit zur Höflichkeit.

Wenn diese Bemerkungen zur Erläuterung des Charakters des Herrn v. W. etwas beizutragen im stand wären, so würde es mir lieb sein. – Was mich bei der Frage: wer tat's? betraf, so war ich hiebei verlegener, als bei dem Sprung ins wasser. Ich konnte nichts mehr, als meinen Reisegefährten entschuldigen. Der herzliche blick der Frau v. W. und das frohe Lächeln der Kleinen war mir mehr, als zehn Feste des Herrn v. W. Dieser Vorfall inzwischen brachte uns eine geraume Zeit nicht aus dem Zank. Ein Vorwurf vom Herrn v. G., dem ältern, dann eine Entschuldigung von seiner Gemahlin und vom Herrn v. W., der es mit keinem verderben wollte. Beiläufig oder am rand, wiederholte er seinen Dank, wie Frau v. W. ihren blick und das kleine fräulein ihr Lächeln.

Die grosse achtung, die Herr v. G., der ältere, gegen meinen Vater äusserte, bewies zwar die Redlichkeit seiner Aussöhnung, allein sie machte mir ihre zehnjährige Trennung zugleich unbegreiflicher. Es ward vieles wiederholt, was mein Vater gesagt hatte, und alles mit einer, dem Herrn v. G. eigenen Wendung, so, dass es wie neu aussah. Sein plein good sense, sein gesunder Menschenverstand, wusste gleich ein Exempel, wenn eine Regel gegeben ward; und vielleicht verhielt er sich gegen meinen Vater, um den Vergleich ins Kurze zu ziehen, wie Regel und Erläuterungsbeispiel.

Wir haben heute Ragout, eingeschnittenen Braten, sagte Herr v. G. Alles von gestern. – Wir wiederholen die P r e d i g t und fragen sie uns ab.

Wenn je ein Ausdruck auf meinen Vater passt und der Wahrheit angemessen ist, so ist es der von einer Predigt. Diess Kleid war wie auf den Leib gegossen, konnte man sagen, um von der Bemerkung, dass Worte Kleider der Gedanken wären, Gebrauch zu machen. Wer kann aber meinem Vater den Pastor, und meiner Mutter die Pastorin verdenken? Die Predigt und den Gesang!

Herr v. G. erklärte seiner Gemahlin, was n a i v und was L a u n e sei, worüber sie zuweilen eine naive und launige Unterredung gehabt. Laune, sagte er, ist der körnige Ausdruck eines naiven Gedankens. Naivetät ist eine Satyre auf die Kunst; es bestehe diese Satyre in Gedanken, Geberden, Worten oder Werken. – Er belehrte sie, dass sie sich nicht ferner Laune zueignen könnte. Wer Laune hat, fügte er hinzu, muss unterm Barte lachen, wenn von einer guten Laune die Rede ist, obwohl bei jeder Laune wenigstens ein Zug vom lachen unterm Barte, zur Ehre des Lachens, sich hervorschleicht, oder durchbricht, wenn es gleich stockfinster auf dem Gesicht ist. – Unterm Barte lachen, sagte die Frau v. G. mit einem Veränderungszeichen.

Naiv aber, meine gnädige Frau, sind Sieder Herr v. G. bückte sich gegen die Frau v. W.; sie wiederihr Mann aus Höflichkeit auch; die Frau v. G. hatte heute ihren guten Tag. – Ein launiges Weib, fuhr Herr v. G. fort, würde ein Weib mit einem Barte heissen, und also, setzte er hinzu – –

Dass es verschiedene Arten von Laune gibt, sahen wir gestern, sagte Herr v. G. Nachdem die Feste sind, erwiderte Herr v. W. Je nachdem, fuhr Herr v. G. Es ward von der Don-Quichoterie und den WindWo ist, ward gefragt, ein feuerfangender Jüngling,

Eine Hand

Blanker Sand,

Kummer der Gemüter.

c i a ; allein ist diess der Weg zur guten Ehe? Diess war die zweite Frage.

Herr v. G. behauptete in dienstlicher Antwort, zum Wohlgefallen der Frau v. W., dass man heiraten müsste, um einen getreuen Gehülfen oder Gehülfin zu haben, und eben hiedurch entschuldigte er in gewisser Art seinen Sohn, welches ihm die Frau v. G. auf eine naive Weise zu verstehen