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, auch wenn ich eben angelegt hätte.

I c h . Lorchen bei Seite.

E r . Schön.

I c h . Ein Jäger und Student?

E r . Das sollt' nicht passen?

I c h . Hast du den Plinius übersetzt?

E r . Nein, diese Ehre habe ich nicht gehabt!- Das sollte mein künftiger Schwiegervater, Gott hab' ihn selig! hören!

I c h . Des Plinius Brief an seinen Cornelius Tacitus ist für dich. – Ridebis, et licet rideas, hebt er sich an. Ego ille, quem nosti, apros tres et quidem pulcherrimos cepi. Ipse inquis? und der Schluss: Proinde quum venabere, licebit, auctore me, panarium et lagunculam, sic etiam pugillares, feras. Experieris, non Dianam magis montibus quam Minervam inerrare. Vale.

E r . In Deutsch?

I c h . Verstehst du nicht Latein?

E r . Hie und da erjag' ich ein Wort. Den Plinius hab' ich nicht übersetzt; es soll den Mund zu sehr spitzen, sagt mein Vater.

I c h . Plinius hat drei, und was noch mehr ist, recht schöne wilde Schweine erjagt.

E r . Das ist mein Mann! – Schoss er?

I c h . Plinius?

E r . Uebereilt, Bruder! freilichdas Pulver ist spätere christliche Erfindung.

I c h . Er jagt' und studirte.

E r . Siehst du!

I c h . Bei der Jagdtasche und Hirschfänger, um in unserer Mundart zu reden, hatte er Bleifeder und Schreibtafel, und was noch mehr ist, er versicherte seinen Freund

E r . Hoffentlich ein Jagdspötter, wie du.

I c h . Dass Diana und Minerva Geschwisterkind wären und zuweilen auf Jagdbergen sich verlören, aber!

E r . Aber! beim Plinius ein aber? –

I c h . Ein zu spitzer Mund. – Er fing Worte, wie er wild fingvielleicht verdarb ihn die Jagd.

E r . Mich soll sie nicht verderben, weder H e r z noch S t y l . – Eins bekenn' ichein Hund gilt mir für zwei Bauern. Hunde sind aber auch Geschöpfe, die wenigstens W a c k e r s verdienten zu sein (Aufseher über die Bauern). Wir brachen gestern zu schnell ab von den Hunden. Es gibt Hundsinseln, warum nicht festes Land von der Art? Mein Vater hetzt nicht gerne, das hast du wohl gestern beim Schuss gehört, wie man die Hunde losliess. Dein Vater hingegen – "Die Sternseher haben diesen Namen in den Himmel versetzt. Die Dichter schildern uns die Diana in Gesellschaft einer Koppel Hunde." Das ist ein Weib! "Die griechischen Damen hatten schon Hündchen." Es ist nur zu wenig für die Hunde, sonst wäre der Gedanke was wert; Gott wollte nicht, dass ein Mensch dem andern aufwarten sollte; drum Hunde, die sind geborne Lakaien und Kammerdiener. Sie bieten sich gleich zur Miete an, wo sie einen Menschen sehen. Ein Mensch, zu dem kleine Kinder und Hunde kommen, ohne dass er sie lockt, ist ein guter Mensch. Siehst du, hab' ich nicht von gestern behalten?

I c h . Trefflich! allein warum nicht noch eins von gestern Mittag? Jener Philosoph der alten Welt, der aus gefälligkeit für die gnädige Frau des Hauses ihrem Schoosshündchen Schmeicheleien vorsagte! Ei der! da er das Hündchen in die Höhe hob, um es zu küssen, p – es ihm in den Bart und die Gesellschaft lachte, und der Philosoph hatte nicht das Herz, seinen Bart zu trocknen.

E r . Das erzählte dein Vater der Frau v. W. zum mund, die gestern bitterbös auf die Hunde war; wer weiss, ob's wahr ist?

I c h . Zwischen wahr und wahrscheinlich, in Rücksicht der alten Welt, kein Unterschied!

E r . Wahr oder nicht wahr! Zu meinen zwei Flinten, einem paar Pistolen und dem Jagdmesser wirst du mir doch ein paar Hunde erlauben? Eine Flinte, Bruder, ist der Hunde Fahne. Es sollten viel, viel mehr als ein Paar, bei der Fahne sein; da du aber kein Freund von Hunden bist

I c h . Bruder! die Wissenschaften lieben Stille, in ein weiches Herz ziehen sie ein und machen wohnung daselbst. Waldhörner sind nicht ihr Instrument. Ich soll dein Pastor werden. Du, und nicht der Wakker, sondern der letzte deiner Bauern, sind gleich vor Gott und – –

Da sah man uns kommen. Ich ward, weil ich leer kam, ausgelacht; über Tafel aber, da die Frau v. W. die geschichte ihrer Tochter erzählte, bestand Herr v. G., der jüngere, schlechter als ich. Herr v. G. beschämte seinen Sohn. Wer wird seine Braut um einen elenden Hasen überlassen, die Erstgeburt um ein Linsengericht? So seid ihr Jäger alle. Ich bin auch ein Jäger, das weisst du, aberFrau v. G. entschuldigte ihren Sohn, ich weiss nicht mehr, womit. Frau v. W. dankte mir herzlich, und ihr Gemahl schalt aus Höflichkeit auf seine Tochter, um dem jungen Herrn v. G. Genugtuung zu verschaffen. Meinetwegen war er in erschrecklicher Verlegenheit; denn so sehr dieser Vorfall zu einem neuen Feste Anlass zu geben