sah schon jetzt immer gegen Himmel, obgleich noch nicht die acht Tage um waren, wo der Alte ein zeugnis in perpetuam rei memoriam für ihn im Himmel einzulegen versprochen. Die V i g i l i e n des Herrn v. W. kamen dem Herrn v. G. so zur rechten Zeit, dass er mit festlich ward. Die Frau v. W. und ihre kleine Tochter unterhielten sich von dem armen bedrängten Sterbenden, den mein Vater trösten sollte. Frau v. G. selbst hatte sich zu diesem Vorfall, obgleich der Sterbende nicht von Adel – nicht einst ein Literatus, mitin nach Landesart ein Bauer war, hochadlich herunterzulassen geruht, und so war u n s e r e G e s e l l s c h a f t , des alten Mannes, der in acht Tagen sterben wird, und des unschuldigen Sohnesmörders wegen, in eine so heilige Schwermut gesunken, dass Herr v. W., der den sanften und seligen Hintritt seines Aeltervaters zu feiern anfing, mit Herz und Sinn dieses fest, und, wie mir's vorkam, früher, als es sonst geschehen wäre, begann.
Die Herren v. X.Y.Z. und ihre Gemahlinnen gehörten nicht zur heiligschwermütigen Gesellschaft. Sie waren zwar verstummt; allein bloss weil die Waldhornisten verstummt waren, denen Herr v. W. das Maul gestopft hatte. Diese Herren schienen von curischer Politik, Wein und Waldhörnern trunken, so dass sie sich weder in Rücksicht des Leibes, noch der Seele aufrecht halten konnten. Sie sassen nicht, sondern lagen auf ihren Stühlen; jeder hatte sich zwei Stühle zugeeignet, den dritten Stuhl rechne ich nicht, auf dem der rechte Arm übergeschlagen lag, denn auf diesem dritten ungerechneten sass die eine Hälfte des Nachbars. Die Herren X.Y.Z. waren also in einander gekettet. So schwach indessen diese gute Herren schienen, so hatten sie doch so viel Stärke, Hand an ihre Pfeife zu legen und sich in Rauch zu hüllen. Sie schmauchten wie aus einem mund und hielten so genau Takt, als ihn Herr Hermann, wenn er ein Positiv schlug, oder meine Mutter, wenn sie ihrem haus eine neue Melodie beibringen wollte, nur halten konnten. Aus dieser Lage zu urteilen, wären die Herren v. X.Y.Z. so leicht nicht aus dem Schlaf zu bringen gewesen, es hätte denn an den Herzog Jacobus gedacht werden müssen, der den Uniten, welche sich mit der katolischen Religion vereinigt, als vertriebenen Exulanten russischer Nation, die freie Religionsübung zugestanden – oder an den Titel W o h l g e b o r e n , welcher der Ritterschaft im Jahre unseres Herrn eintausend sechshundert und vier und achtzig bewilligt wurde, obgleich sie durchaus und durchall H o c h w o h l g e b o r e n heissen wollten – oder an den Rangstreit mit der Geistlichkeit, worüber bitter gestritten worden – oder an den Oberkammerherrn v. ** und dessen männliche Descendenten – oder an die katolische Religion in Curland.
Dergleichen Staatsanstösse würden vielleicht (gewiss weiss ich's nicht) die Herren v. X.Y.Z. ermuntert und von drittalb Stühlen auf einen, oder gar auf die Beine gebracht haben.
Es war indessen niemand aus der heiligschwermütigen Gesellschaft, der diesen Appell zu schlagen und den Versuch zu machen Lust hatte, ob die liegenden Herren hierdurch aufzuwiegeln wären? Dass sie nicht still geblieben, ist zuverlässig; ob sie aber aufgebrochen wären – daran zweifle ich. Gibt's denn nicht A g e n t e n v o n H a u s a u s ?
Ein Wort der Ermunterung wäre es auch gewesen, wenn man den Hunden ein Patent als Adjutanten des Menschen ausgefertigt;
oder einen meerschaumen Pfeifenkopfshandel aufgebracht hätte.
Die gnädigen Frauen v. X.Y.Z. sassen, die hände um den Magen kreuzweise gelegt, als ob sie ihre Magen zur Verdauung einsegnen wollten. Sie sahen hierbei die Frau v. G. steif und fest an, als ob sie sich für die empfangenen Gaben bedanken und sich, vor wie nach, ihrer Protektion empfehlen wollten. Der Frau v. G. Aushülfe bei gelegenheit des Schoosshündchens war ihnen, und das mit Recht, im frischen Andenken.
Mein Reisegefährte war nicht fisch, nicht Fleisch. Er hatte mit mir Brüderschaft gemacht, und ich hatte Hoffnung, ihn zu erweichen und ihn zu einem gut gesinnten Kirchenpatron zu bekehren, der die Jagd andern Pflichten unterordnen muss; allein die Herren v, X.Y.Z., als jagdgerechte Jäger, hatten ihn wieder ganz und gar – wie es schon aus den Tischreden des vorigen Bandes zum teil hervorstrahlt. Er war in Gedanken, Geberden, Worten und Werken, mit den Herren v. X.Y.Z. auf wild ausgewandert; denn selbst in der tiefen Stille, die auf den Herren v. X.Y.Z. lag, hielten sie die Pfeifen als ein Mordgewehr, zielten und machten Puff, Paff! und wieder Puff, Paff! Mein Reisegefährte hielt seine Pfeife, zielte wie sie und tönte Puff, Paff! wie sie, und wieder Puff, Paff! – Er war in ihrer Wolke auf- und angenommen.
Doch muss ich (und das wird meinen Lesern eine erfreuliche Nachricht sein, weil der jüngere Herr v. G. ein Sohn des ältern Herrn v.