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machen zu können, und nicht verbunden zu sein, überall Recht oder Unrecht nehmen zu müssen. D r u c k f e h l e r wolle der gerechte Richter (ich habe schon anderswo, eben da mir eine L e s e - und B u c h s t a b i r r e c e n s i o n über ein gewisses Buch zu gesicht kam, gesagt, wie weit ich vom Druckorte bin, und füge diesem Umstande noch hinzu, dass ich sehr unleserlich schreibe) nicht rügen und der geneigte Leser selbst verbessern. – Mein W e i b und K i n d bitten zu grüssen.

Es mag übrigens dieser Nachtrag, wenn er nicht als ein zierlicher Nachbericht gelten kann, als ein Codicill, als eine donatio mortis causa, als ein Avertissement auf Blaupapier oder eine N a c h r i c h t für den B u c h b i n d e r angesehen werden.

Fussnoten

1 Nürnberg, gedruckt bei Wolfgang Endter 1650. 2 Leipzig, 1632.

Zweiter teil.

Die Königin ist weg; das Spiel ist verloren, sagte Herr v. G., da von der Abreise meines Vaters geredet ward.

Ich würde diesen Umstand meinem Vater nicht nachleichreden, wenn ich mich nicht bei den Lesern des zweiten Teiles entschuldigen müsste, warum ich aus der Not eine Tugend gemacht und mich in den festen Ort der Erzählung geworfen.

Freilich ist man hiebei vor den leichten Truppen der Kritik sicherer; was aber meine kunstrichterlichen Leser dazu sagen werden, die entweder bei der schweren Cavallerie in Diensten stehenoder bloss aus Lust und Liebe lesen und gar nicht in gelehrten Kriegsdiensten sind, muss die Zeit lehren. – auge' und Ohr haben zwar viel Aehnlichkeit mit einander, allein alle Welt spricht von schönen Augen; ein verzärtelter Kenner aber nur vom schönen Ohr. Das Gesicht ist unstreitig der edelste Sinn, ohne ihn ist kein anderer Sinn vollständig. Auch selbst wenn ich im gemeinen Leben erzählen höre, sehe ichich sehe den Erzähler steif an, recht, als schien ich es zu bedauern, dass ich diese geschichte nicht im Original gesehen; ich verlange, der Erzähler soll sie nachhandeln; soll, was und wie es geschehen, leibhaftig zeigen. Je mehr ein Erzähler zu sehen ist, je mehr freue ich mich, je mehr finde ich die Kopie getroffen. Oft habe ich gedacht, dass es eine geschichte geben könne (ob einen Roman, weiss ich nicht), wo man nicht höre, sondern sehe, durch und durch sehe, wo nicht Erzählung, sondern Handlung wäre, wo man alles, oder wenigstens mehr sehe, als höre. – Man sieht freilich den Erzähler im gemeinen Leben, allein die Wahrheit zu sagen, man hört ihn mehr, und es würde Affektation sein, wenn er mehr zu sehen, als zu hören wäre. Ein Erzähler, wenn er im Druck erscheint, wie wenig ist er zu sehen! wie weit weniger, als im gemeinen Leben! – – – – Dergleichen G e s c h i c h t e , wo, wie meine Mutter sagen würde, g e w a n d e l t und g e h a n d e l t wird, will man sie eine r e d e n d e , eine geschichte mit eigenen Worten n e n n e n , meinetalben! Dass eine geschichte d u r c h w e g i n G e s p r ä c h e n , eine in F r a g e n und A n t w o r t e n ein ganz ander Ding sei, versteht sich. Wären in einer redenden geschichte auch nur ausgerissene Lebensblätter, wie leicht würden sie zusammenzusetzen sein. – Man würde dem Leser noch obenein eben hiedurch unvermerkt gelegenheit zu mehrerer Anstrengung geben, und ihn zum Mitarbeiter an seinem Werke machen. – – Dass ich es bei dieser geschichte zu diesem Ziel nicht angelegt, bescheide ich mich von selbst, und ich bin schon zufrieden, wenn mein Lebenslauf nur hie und da Darstellung entält, und wenn sich in dem Schlusse des Zwar waren auch ohne meinen Vater noch treffliche Herr v. G. hatte, um auf dem Brette zu bleiben, den Wer den Springer vorstellte, wissen wir alle. Vielleicht finden meine Leser noch mehr aus dem e r f e s t e s an.

Der L a u f e r , Herr H e r m a n n , bedeutete mehr, nachdem mein Vater weg war und Herr v. W. ihn deckte. Herr Hermann schien sich sogar, vielleicht in Rücksicht dieser Deckung, ein Direktorium über mich anzumassen. Ich konnte' ihm hiezu keine Befugniss zugestehen; denn obgleich er mir zu B r u s t t ü c h e r n ehemals Mass genommen, so glaube' ich doch, dieserhalb keine Pflicht zur Verehrung auf mir zu haben. Die Feierkleider waren ihm ohnedem nicht anvertraut worden. Von meiner Seite gehörte die Nachsicht auf Minchens Rechnung. Ihretwegen tat ich, was ich tat; indessen vergass ich nicht, dass sie selbst mich mit dem Herrn Hermann, a l s V a t e r , nicht b e s c h w e r e n w o l l t e . Herr v. G. war durch den Alten so gerührt, dass er nicht ins Leben zurückkehren konnte; er