! – O Alter! mir ist es schwer, mein Wort zu halten. DER ALTE. Desto besser, Herr, für Sie, wenn Sie's halten. HERR v. G. Noch einmal Eure Hand, Alter. Es ist Angriff, es ist Segen Gottes drin. DER ALTE. Gott segne Sie! HERR v. G. Und helf' Euch!
Noch war ich dieses Gesprächs wegen in einer unaussprechlichen Bewegung, in einer schwermütigen Wonne – auf einem schönen baumreichen Kirchhofe, als Herr v. G – der jüngere mich im Namen meines Vaters aufsuchte. Ich flog, mein Vater reichte mir die Hand entgegen und ging mit auf unser Zimmer, stiess ein Fenster auf und fing an: "Ich dachte, Alexander, noch vierundzwanzig Stunden um dich zu sein; mein Amt will mich. Der – ist im Letzten."
Dieser arme Mann war ein Bekannter von uns. Das erst' und letztemal, da er eine Flinte losdrückte, oder vielmehr, da sie ohne sein Vorwissen und Mitwirkung in seiner unerfahrnen Hand losging, erschoss er seinen Sohn. Er wollte seiner Frau Bruder, der auf Vogelwild ausgegangen war, eine unerwartete Freude machen und ihm in Jägeruniform entgegenkommen. – Das Trauerspiel geschah in dieses Jagdverständigen haus und also nicht in unserem Kirchspiel, wo, wie meine Mutter zu sagen pflegte, die Erde keinen Tropfen unschuldig Blut (er wäre denn von einem Barbier verspritzt) getrunken hätte. – Knall und Fall! Die Gerichte sprachen ihn frei, allein er sich selbst nicht. Er hat sich nie in der Welt ein lachen bereitet. Sein Weib starb aus Gram, mehr über den Gram ihres Mannes, als über den Verlust ihres einzigen Sohns. Dieser Unglückliche war jetzt in Seelenangst. Ich soll meinen Gerg sehen, rief er mal über mal. Er wollte, mein Vater sollt' ihm an die Hand gehen, wie er sich gegen seinen Sohn in der andern Welt führen sollte? Gott helf' ihm über, sagte mein Vater. Es ist schwer, wenn ein Vater seinem Sohn im Himmel abzubitten hat.
Ich erzählte meinem Vater den Vorgang zwischen dem Herrn v. G – und dem Alten. Diese Vorfälle (ich will mir die Ehr' erweisen und unsere Trennung mit in diese Summe bringen) brachten meinen Vater, der sonst, wie meine Leser wissen, sehr beredt war, zu einer rührenden Kürze. Ich lag an seiner Brust. Ob es hier am rechten Ort steht, kümmert mich nicht; allem ich habe nie meinem Vater die Hand geküsst. Küsse für Weiber, pflegt' er zu sagen.
Hier, fing er an, eine versiegelte Schrift! Oeffne sie nicht eher, als wenn d u i n d e r g r ö ss t e n N o t h b i s t . Ich wollt' ihn dieser versiegelten
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Schrift wegen, die zur Aufschrift ανεχου κα` απεχου hatte, befragen, allein er fuhr fort:
Unser Herr und Meister sagte zu seinen Jüngern: ich hab' euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es nicht tragen. Uns sind allen beiden die Tränen nahe. Der alte Mann mit dem einen Handschuh, der in acht Tagen sterben wird, und der Kreuzträger, der wegen des Grusses, womit er seinem Sohn im Himmel begegnen soll, verlegen ist (ich glaube, der Herr v. W – würde' es selbst sein, wenn er in der Stelle dieses Armen wäre) haben uns äusserst bewegt. Ein Abschied, der auf einen nassen Boden fällt, bringt keine Früchte. Es ist ärger als der steinige Acker, den der alte Herr in Musik gesetzt hat. Ueberhaupt redet kein Mensch ein kluges Wort, wenn er Tränen in den Augen hat. Sei ein guter Streiter, ein Alexander, kämpfe recht, so wirst du die Lebensessenz, das ist die Krone des Lebens, hier und dort empfahen! Amen.
* * *
A m e n ! auch in Absicht des ersten Bandes. Ich hoffe die folgenden zwei, die Ich noch zu laufen hab', in kurzem zu vollenden. über diesen o n t o l o g i s c h e n teil hätt' ich noch auch von vielen meiner kritischen Leser, wie von meinem Vater und mir:
ihr könnet es nicht tragen!
Da jede Stadt, jeder Flecken zwei Tore hat, eines beim Eingang und eines beim Ausgang, so sei es mir erlaubt, denen, die in diesem Teile zu wenig geschichte gehabt, schliesslich den Trost zu lassen, dass die folgenden Bände sie entschädigen werden. Wer Romane liest, sieht die Welt im optischen Kasten, ist in Venedig, Paris und London, je nachdem die Bilder vorgeschoben werden. Dieses sei ein Wort ans Herz für die, welche meinen L e b e n s l a u f zu sehr als L e b e n s l a u f finden, wo die E i n h e i t d e r Z e i t und d e s O r t e s zu eng das Vergnügen verschränkt; denn wenn gleich meine Leser oft nur Tal, Berg und Gesträuch gesehen haben, so war es doch wenigstens nicht durchs Glas. Ein andermal von der gerechten Klage über die verkehrte Welt, dass geschichte in vielen Fällen Roman, und Roman geschichte geworden.
Ich wiederhole, dass ich mich befugt glaube, auf ein forum privilegiatum Anspruch