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W. Das strengste Augenmass und Händegewicht, so ich kenne, Oel, Essig, Salz. – Jeder blick, jeder Griff trifft. Sie schneidet alles ohne Elle. Sie misst kein Band. HERR v. G. Wir wollen, um sie auf die probe zu stellen, alle Augen auf sie richten, ich wette, sie ärgert sich, und gibt zu viel Essig.

Das fräulein v. W. lächelte bei diesem examine

rigoroso, ohne aus der Fassung zu gleiten. Der

Salat erhielt allgemeinen Beifall. Der Braten ward

hinterher gegessen, w i e e r w i e s e n w a r . Bei

dieser gelegenheit votirten wir ab (da dieses den

obigen grundsätzen nicht entgegenstand), dass alle

speisen und Getränke, die öffentlich abgebrauen

und angerichtet würden, durch Frauenzimmerhände

gehen müssten. Es ist, sagte.

HERR v. W. Feierlicher. HERR v. G. Es schmeckt besser. PASTOR. Die natur ist eine Dame.

Das fräulein v. W. mit dem vortrefflichen

Augenmass und Handgewicht bat, nachdem sie ihre

Salatpflicht, die sie vielleicht noch so lange

zurückgehalten, mit dem Salze vollendet, erlaubnis

von ihrer Mutter, frische Luft zu holen. Ihre Bitte

tat sie sehr beredt mit dem rechten Auge. Sie

erhielt, was sie wollte; ich drang mich auf, sie zu

ihrer Aufseherin zu begleiten. Sie ging, wie aus

einer belagerten Stadt. Der jüngere Herr v. G.

würde mir diese Ehre der Begleitung gern ganz

abgetreten haben, wenn seine gnädige Mutter ihn

nicht zu seiner Bräutigamspflicht aufgefordert hätte. Wir gingen und kamen, ohne eine Sylbe zu sagen. –

Indem ich mich setzte.

HERMANN. Schön, sagte der Jude, nachdem er das Porcellan gesehen. Ich bitte, damit Sie sich nicht mehr als einmal ärgern, einen Tag anzusetzen, an dem alles auf einmal in Stücken gebrochen werde. HERR v. G. Ich kann den Herrn v. –s mir vorstellen. Der witzige Jude hat indessen Unrecht. Selbst die Art, womit man dergleichen zerbrechliche Dinge behandelt, machen sie angenehm. Man denkt mehr daran, man geniesst sie also mehr. Pastor, Sie sprachen gestern wider die Gleichförmigkeit bei Trinkund Essgeschirren? – PASTOR. Jedes meiner Hühner ist von anderer Art. Jede Tasse sollte eine andere Malerei auszeichnen. So wie Tapeten zu einem Zimmer voll Schildereien, so mein Vorschlag zu einem Service. Beim Service liegt eine gewisse idee vom Geiz, der sich aber auch hier wie allemal im Wege ist, denn wenn ein Stück aus dem Service zerbricht, hat das Ganze keinen Wert mehr. HERR v. G. Was auf blossen Nutzen ausgeht, muss gleichförmig sein. Die Franzosen zeichnen alle nach einem Muster; die Engländer auch. Alles ist Service bei ihnen, ihre Werke sind Tapeten. In Deutschland, wie verschieden ist Klima und Regierungsform. Sie können werden, Pastor, wie Ihre Hühner. Sie können Schildereien aufstellen. HERR v. W. Die Gesundheit unserer lieben FrauenHERR v. G. In was für Wein befehlen Sie, meine Gnädigen? FRAU v. W. Ich denke' in RheinFRAU v. G. Ich in Champagner. Die übrigen Damen: in Champagner! die Frau v. W. musste beitreten.

Es ward Champagner gebracht, und ein anderer

Pokal klar wie Krystall. Mein Vater hatte (ich

ergänze mein Protokoll) bei dem ersten Pokal die

Bemerkung gemacht, dass nichts unstimmiger,

unrichtiger wäre, als geschliffenes Glas zum

Auge eben so, wie für Nase und Mund.

Man trank das Wohl aller e h r l i c h e n W e i ber. Herr v. W. hätte das Weiber gern zierlicher gegeben, und es in D a m e n verwandelt, wenn er nicht besorgt hätte, wegen Diebshehlerei vom Herrn v. G. in Anspruch genommen zu werden, der ihn sich wegen des F e s t e s d e r D e u t s c h e n bis zur Träne verpflichtet hatte. Auch das Beiwort e h r l i c h war dem Herrn v. W. anstössig; indessen rügte er auch diesen Verstoss nicht, des F e s t e s d e r D e u t s c h e n wegen. Herr v. G. leerte noch einen Pokal voll Rheinwein auf die Gesundheit der F r a u v . W . rein aus, und ich bückte mich tief, als ob ich daran teil nähme. HERR v. W. blieb diese Höflichkeit nicht schuldig, sondern erwiderte sie, mit allen Zeichen der Dankbarkeit, durch ein gerüttelt, geschüttelt und überflüssig Mass Champagner, den er nicht wie Herr v. G. eingoss; sondern einsprudelte. HERR v. G. Warum Wind, Herr Bruder? HERR v. W. war dieser Frage wegen in Verlegenheit, antwortete keine Sylbe, sondern bewies durch eine N a g e l p r o b e , dass er den Pokal geizig, bis auf den letzten Tropfen, geleert halte. aus, welches aber gleichfalls, durch die vortrefflichen Anstalten, sogleich in der Geburt erstickt ward, und da die Herren v. X., Y., Z., die ausser curischen Staatsangelegenheiten nichts mehr als höchstens von Pfeifenköpfen und Hunden zu sprechen wussten, sehr viele lange Weile gehabt, so fing Herr v. G., um die