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. Herr v. W. – war ausser sich wegen dieser feierlichen Anstalten. Ich hätte dieses wissen sollen, sagte er. An ihn kam der Schäuer zuletzt. Sein Dank war rührend. Der gute Mann jammerte mich, und, wie ich hoffe, wird er alle meine Leser jammern. Er liess eine Träne in den Wein fallen, die er lange gesammelt hatte. "Diese heilige Träne," fing er an, "A l l e r s e i t s Hochwohlgeborne, Wohlehrwürdiger und Hoch-Edler, Hoch- und Wertgeschätzte Herren und F r e u n d e , diese heilige Träne," mehr erlaubte ihm die Wehmut nicht. – Da man einsah, dass Herr v. W. – kein Wort mehr in seiner Gewalt hatte, fing mein Vater an: PASTOR. Wer allein trinkt, schämt sich. Wer in Gesellschaft trinkt, stärkt sein Leben. – Wir bringen uns durch den Trunk in Norden in ein besseres wärmeres Klima. Wir sind im Geist in dem land, wo der Wein gewachsen ist, den wir trinken; Branntwein macht heimlich, Bier schwer, Wein gesellig. HERR v. G. Im Weine ist Wahrheit. PASTOR. Das Temperament nicht, aber die Gesinnung kann man durch den Trunk beim Menschen erkennenallein auch das Essen verändert den Menschen, und öffnet verborgene Kammern. Leute, die sich im Trinken vor Spionen hüten, sind nur auf einer Seite gedeckt. Ist der Mensch trunken, so ist er schwach, und das ist Glück für ihn, sonst würde er seinen Phantasien nachlaufen und Schaden nehmen; so wie ein Nachtwandler, wenn er die Augen brauchen könnte. Der Wein löst die Zunge bei Leuten, die in sich gekehrt sind. Schwätzern, die einen witzigen Einfall zu verbeissen für Kindermord halten, und ihre Schwangerschaft nicht verheimlichen, sondern lachen, ehe sie noch entbunden sind, Schwätzern stopft der Wein den Mund. Es ist diese wirkung eine besondere Sache; indessen bestätigt sie die Erfahrung. Jeder kluge Mann spricht, wenn er ein Glas getrunken, und jeder Narr verstummt, und wenn er ja zu sprechen sich erkühnt, ist es so etwas Unausstehliches, dass niemand lacht, als er selbst. – Anderer Art Narren, die sich nur dadurch von ihm unterscheiden, dass sie nicht lustige Rollen spielen, sondern stillnärrisch sind, selbst die achten sich zu gut, teil an ihren beredten Landsleuten zu nehmen. – So unterschieden, wie Bauern und Astronomen den bestirnten Himmel ansehen, so unterschieden ist hier die wirkung des Weins. Das Wort zu seiner Zeit!

Sie tranken alle.

PASTOR. Leute, die eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die im Staat bezeichnet sind, können sich nicht betrinken, ohne sich verächtlich zu machenwie zum Exempel Pastores und Juden. Alles läuft ihnen nach. – Man sieht den Noa, wenn man einen trunkenen Pastor und Juden sieht. In England, wo ein Prediger kein Erzvater ist, würde es weniger anstössig sein, einen kopfhängenden Pastor in betrunkenem Mute zu sehen. HERR v. G. Ein Schwärmer ist ein Seelentrunkener. Wenn ich schon nüchtern unter Trunkenen sein soll, will ich lieber unter Leibes- als Seelentrunkenen sein. Betrunkene verstehen sich unter einander; so auch Schwärmer. PASTOR. Durch den Körper haben wir Anschauung. Wer mit der Seele sieht, ist ein Schwärmer, ein Geisterseher. Ein Entusiast ist ein edler Phantast. Ein Phantast glaubt etwas zu empfinden, was er sich einbildet. Insofern sein Ideal sein Maximum, das er sich ohne Sinnen aus sich selbst denkt, einen ruhmwürdigen Gegenstand trifft, ist's Entusiasmus. über Schwärmerei und Seherei muss man reden, wenn man, wie wir, ein paar Gesundheiten getrunken hat. HERR v. G. Lieber Pastor, ich habe mir unter einem Schwärmer einen Menschen vorgestellt, der tanzen will, und nicht Takt halten kann. So wie die Biene um eine Blume herumsummt, und hie und da was herauszieht, so auch ein Schwärmer mit seinem gegenstand. Nicht jeder Schwärmer kommt an einen Lindenbaum. Honig macht er gar nicht. PASTOR. Ein Schwärmer rechnet, ohne das Einmaleins der Seele zu wissen, er baut, ohne ein privilegirter Architekt zu sein. Die Philosophen bedenken sich oft zu lange, ein Schwärmer oft zu kurz. Der Philosoph sieht nach der Uhr, der Schwärmer nach der Sonne. Der Schwärmer ist eher Feldherr, als ein Philosoph; oft zeigt der Schwärmer dem Philosophen kühne Wege; der Philosoph pflastert sie, und dann geht sie jedermann. Der Tag gehört dem Philosophen, so wie die Nacht dem Schwärmer. HERR v. W. Das Gallakleid der Mannsperson, das Negligé der Dame. HERR v. G. Hab' ich Recht, Pastor, ein Hypochondrist ist ein Mensch, der sich selbst, wie ein Geiziger seinen Kasten, bewahrt der sein Leben lieb hat. – PASTOR. Und es eben darum verliert. HERR v. G. Ich würde, wenn der Mensch an der Seele krank ist, die Kur des Leibes, und wenn er am leib hinfällig ist, die Seelenkur vorschlagen. Diese sympatetischen Mittel sind nicht zu verachten. PASTOR. Wo aber die ärzte? FRAU v. W. zur Frau v. G. Wollen Sie meiner Kleinen erlauben, den Salat anzurichten? FRAU v. G. Wenn ich meine Schwiegertochter nicht bemühe?

Die Kleine schritt ohne Umstände zum Werke.

FRAU v.