. Hatten denn die Alten kein Licht in der Weltweisheit? Wo bist du Sonne blieben, singt die christliche Kirche, und meine Frau mit ihr. Die schönen Künste und Wissenschaften sind die Mobilien, die Pretiosen. Die hände der Not greifen sie zuerst an; allein am Ende verbreitet sich die Tyrannei über alles – dürr ist das Land, das Volk in Ketten, der Priester des Wüterichs Gevatter – bis ein H e e r f ü h r e r in der Nation hervorragt, F e u e r sieht, und nach den Schätzen der Alten gräbt – dann kommen auch tabulae naufragae der natur zum Vorschein. HERR v. G. Der Himmel wende diese Gefangenschaft von Deutschland und seinen grenzen ab, und wenn Deutschland ja Ziegel streichen muss, und ihre Knaben in der Geburt erstickt werden, schenk' er ihnen M o s e n , und führ' sie zurück nach K a n a a n ! HERR v. W. Ohne durch eine Wüste zu gehen. PASTOR. Noch ist Deutschland im Werden. E i n s c h ö n e s G e w ä c h s ! wird man bald sagen. Noch ist es weit vom Luxus, der wie das eigene Fleisch und Blut der ärgste Feind ist, ein innerlicher Fresser, ein Bürgerkrieger. – Solang es einfältig ist, schlecht und recht, wie die natur einhergeht, wer kann es verwüsten? HERR v. G. Deutschland fing mit Blitz, Donner und Hagel an, und das war (so finster es rings umher aussah, wie kann es anders bei Donner, Hagel und Wolken?) ein deutscher Anfang. Die a s i a t i s c h e B a n i s e , meiner Frau Leibroman, ist – HERR v. W. Blitz, Donner, Hagel reinigt die Luft, und alles gedeiht wohl. HERR v. G. Ich weide mich an der Vorstellung, dass Deutschland, das so vortrefflich zu blühen anfängt, auch Frücht' ansetzen werde zum ewigen Leben. PASTOR. Wir sehen den Mai, so manches Erste, so manches Neue vom Jahr. HERR v. G. D e u t s c h l a n d – wie ein Feuerwerk brannt' es ab, D e u t s c h l a n d ! PASTOR. In deutschem Wein.
Wer französischen Wein hatte, liess sich zu
Deutschlands Ehre deutschen geben.
HERR v. G. Wird euch auch so deutsch ums Herz als mir? Wir tranken noch einmal: D e u t s c h l a n d ! und zum drittenmal: D e u t s c h l a n d ! Wir feiern, fing Herr v. W. – an, als ob er den Faden gefunden hätte, den Herr v. G. – und mein Vater verloren, wir feiern das selige Andenken unserer in Gott ruhenden Vorväter, die, wenn gleich sie ein Glas über Durst tranken, diess und noch mehr in Ehren taten, und Wein und ein Kuss in Ehren, soll niemand wehren. HERR v. G. Sie gaben Gott was Gottes, dem Kaiser was des Kaisers, dem Freunde was des Freundes, ihren Weibern was der Weiber war. PASTOR. Sie waren tapfer, ohne durch ein Aushängeschild ihren Mut zu verkündigen. Frisches, unvergiftetes Blut rötete ihre Wangen, sie liebten ihre Weiber wie Menschen, ihre Freunde wie Engel, wie starke Geister. Sie waren beglaubt ohne Schwur. Wollte Gott, dass ihre Kinder eine solche denkart nie unter das alte Eisen legen möchten! HERR v. G. Wir feiern die selige Zukunft, da sich die Wissenschaften zu diesen deutschen Eigenschaften wie Weib zum mann gesellen, und nichts soll dieses Paar scheiden! Jeder, der in Curland deutsch spricht, empfinde, dass er ein deutscher Nachbar, ein Mitdeutscher sei!
Mein Vater schien einwenden zu wollen; allein es
blieb beim Schein.
Dieser Gedanke sei der verborgene Hebel, der uns in Bewegung setze, deutsch zu sein! HERR v. W. Damit wir uns dem Genie einer Sprache bequemen, die zur Bescheidenheit und zur Höflichkeit, zum Unterschiede zwischen Herr und Knecht geboren ist. So rauh auch unsere Vorfahren waren, so rauh ihre Sprache auf uns gebracht worden, die noch bis diesen Augenblick nicht über alle Botmässigkeit des Vorwurfs erhaben ist; so sehr unterscheidet sie sich von allen Sprachen, wegen des in ihr liegenden Originalstoffs zur Höflichkeit. Was schadet ein harter Ton, wenn die Kraft der Sprache ihn widerlegt? Hier entstand Krieg und Kriegsgeschrei. Endlich hatte' alle Fehd' ein Ende. Ein Friedensartikel war, dass Herr v. W. – diesen Tag, als F e s t d e r D e u t s c h e n , auf Kindeskind bringen würde. Omne trinum perfectum perorirte Herr Hermann, dem es mit diesem lateinischen Brocken besser ging, als mit dem T e m p e l d e r D i a n a . fest der Deutschen, fuhr Hermann fort, mütterlicher Geburtstag (die Mutter des Herrn v. W. – hatte an diesem Tage das Licht der Welt erblickt), vorläufiger Verlobungstag. – Man dachte auf feierliche Einweihung dieses Festes, und es ward ein S c h ä u e r gebracht, welchen der Herr v. G. – zu leeren anfing und den er die Runde gehen liess