besinnen, wo ich König, Priester und Prophet gewesen, und wäre mir das Wort König nicht so gehässig – würde' ich nicht gern mit Cromwell: a n s t a t t d e i n R e i c h , d e i n e R e p u b l i k k o m m e ! beten; König wäre meine Lieblingsuniform. PASTOR. Sie können immerhin ihre republicanischen Fasces beibehalten. Sie dürfen kein K ö n i g s c h e r werden, um im geist König zu sein – ich bin für Könige, das heisst was anders, als froh wie ein König sein. HERR v. W. Schicket euch in die Zeit, ich schlage Herzog, Priester und Prophet vor. HERR v. G. In dem Sinn, wie der Pastor es nimmt, ist Herzog von Curland viel zu wenig für mich.
Hier breche ich ein Politisches Gespräch ab, das
wie ein Heckenfeuer heraussprang, und wobei mir
viel entging. Wie sich diess Gespräch auf den
Aufschlag am Kleide reducirte, weiss ich nicht. Das
Ende vom lied war, dass Curland ein Aufschlag
von Polen sei, und dass, wenn ja ein anderer
sollte, er lichter sein müsste.
HERR v. G. Das wahre verhältnis von Polen gegen Curland.
* * *
PASTOR. Geschmack ist die Bemühung, unser Urteil mit andern allgemein zu machen. Die Deutschen werden es nie zu viel Genies bringen, welche Flügel der Morgenröte haben; sie besitzen aber sehr grosse Anlage zum Geschmack; alles zu berichtigen, ist ihre Sache. Man könnte den Geschmack eine Galanterie des Verstandes nennen; er will sich bequemen. Der Mensch hat Appetit, heisst: der Wirt isst an seiner Tafel gut; der Mensch hat Geschmack, heisst: er macht, dass andere mit Appetit bei ihm essen. Ein Genie trägt einen roten Rock, oder so was; ein Geschmackvoller eine sanfte Farbe. Er will alle Leute bestechen, wenn man so sagen darf. Engländer haben Genie, Franzosen Geschmack, Deutsche beides. Wem es in einem Stück an Geschmack fehlt, wird schwerlich irgendwo Geschmack zeigen. Der Geschmack ist aristokratischer Staat. Geschmack ist das allgemeine Gefallen, Gefühl ist ein Privatgefallen. Geschmack ist das Geschick, die Fähigkeit zu wählen, was jedem HERR v. G. Von wem aber? PASTOR. Die Pluralität entscheidet, nicht aber die Pluralität des volkes, sondern von Leuten, die gelegenheit gehabt haben sich in der Welt umzusehen. Geschmackvolle Leute wissen zu treffen, was allgemein gefällt. Man hat indessen Geschmack bloss anderer wegen. Alles Schöne sucht und liebt man für die Gesellschaft, und man kann es sich kaum vorstellen, was man nicht der Gesellschaft alles zu Gefallen tut. Man wählt ein schönes Weib nicht seinetwegen; man nimmt sie, damit sie andern auch gefalle. Der Eifersüchtige macht hier keinen Einwand, sondern auch er wählt nicht anders. HERR v. G. sonderbar, aber wahr. Oben: h i h i h i h a h a h a ! Ein Gelächter in allen ganz und halben Tönen. PASTOR. Ein Garten gefällt in Gesellschaft; Wald, wenn wir allein sind. Ungesellige haben keinen Geschmack. Man sollte glauben, der Geschmack habe keine Regel, allein er hat seine Regeln. Man kann indessen nur durch Erfahrung darauf kommen. HERR v. G. Wenn man Freunde hat, sendet man nicht zuvor Kundschafter aus, um zu fragen, was jeder essen will; indessen müsst es doch mit dem Teufel zugehen, wenn man nicht eine Mahlzeit anrichten sollte, die jedem gefiele. PASTOR. Der nicht krank ist. HERR v. G. Für den kochen die ärzte. Der arme Schelm! PASTOR. Griechen und Römer sind Muster des Geschmacks, und werden es bleiben in Ewigkeit. HERR v. G. Da bitte' ich um Vergebung. HERR v. W. Und ich tausendmal wegen der deutschen Sprache. PASTOR. Wenn Sie ihr das Leben absprechen, gut! so kann auch die deutsche Sprache zu der Ehre kommen, welche der griechischen und lateinischen, eben weil es selige und vollendete Sprachen sind, zusteht. Solang eine Sprache lebt, wird diess Wort adelich, diess bürgerlich, diess bäuerisch, nachdem es die Mode will. Es geht mit den Worten, wie mit den Familien: diess kommt empor, jenes fällt. heute' ist es am königlichen hof, in der Epopee, willkommen, morgen findet man es schon bis im Schäfergedicht unausstehlich. Gedankenwendung, Denkart, alles ist im ägyptischen Dienstause der Mode. – Gewinnsucht, Eigensinn in der Nation, kann Worte erhöhen und erniedrigen. Alle Münzen in einer lebendigen Sprache sind der Reduction unterworfen – und wenn dann die Tyrannei triumphirt, und Götzengräuel die heiligen Stätten schändet, wenn von den Tempeln des Geschmacks kein Stein auf dem andern ist, wenn Barbarei das Land deckt, sind H o m e r und P i n d a r , V i r g i l und Horaz – HERR v. G. Wenn aber der Geist der Weltweisheit in einem volk wohnt, welcher Tyrann kann da das Land verheeren? PASTOR. Philosophie ist Festung, ich gesteh' es, wo ist aber eine, die unüberwindlich wäre? Die Wissenschaften, sie mögen bloss schön oder zugleich gründlich sein (Kolorit, Geschmack, muss jedes Buch haben, wenn es nicht matematisch ist), sind mit einander verwandt