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l l e n s o l l , Herr Bruder? W i r d , willst du sagen. Man kann nicht sagen: es s o l l gefallen, sondern wenn es hoch kommt: es wird. HERR v. W. Da hast du Recht. Mit dem Geschmack muss man complimentiren, ich beicht' und widerrufe mich. HERR v. G. Pastor! mit Ihrer erlaubnis, eine kleine Wiederholung über die Farben von gestern Abend; ein Versuch, ob ich behalten habe. Bei den Farben gibt's heilige Zahlen. – Es sind drei Hauptfarben: rot, blau, gelb. Rot ist die älteste Farbe in der die Leibfarbe der Erde, gelb die Leibfarbe der Sonne. Die weisse Farbe ist die Seele, das Licht zu allem. – Was denken Sie, Pastor? PASTOR. Dass wenig oder gar nichts von diesem allem auf meine Rechnung gehöre. HERR v. W. Teorie, meine Herren, ich bearbeite dieses Feld praktisch. PASTOR. Mein Satz ist: folg der natur! S i e h d i e L i l i e n a u f d e m F e l d e . Die natur hat nichts, was sich nicht passen sollte. Die Blüt' ist das Kleid; der Spiegel die Weste. HERR v. W. Schön! wahr! viel gesagt! Wenn ich ein halb trauriges, halb lustiges fest habe, rot und schwarzund da kann man Feinheiten anbringen. – Ist der Uebergang von der Trauer zur Freude, so ist das Kleid licht, die Weste dunkel; ist's von Freude zur Trauer, umgekehrt; ist's allmählich, so auch der Uebergang, so allmählich, dass man nichts merkt. PASTOR. Das erste nennt man es s c h r e i t , als wenn ihm auf den Fuss getreten wäre, das andere könnte man: es s p r i c h t , nennen, und so könnt's bis ins Ohr so leise herunter kommen. HERR v. G. Es geht mit den Farben der Kleider vielleicht wie mit den Festen meines Freundes. Es widerspricht sich oft, es passt nicht alles. PASTOR. Wenn eine Farbe der andern beinahe gleich ist, sieht es aus, als falle sie ihr ins Wort. Es hat das Ansehen, als wenn eins so wie das andere werden will, und nicht werden kann. Das verdriesst den Zuschauer, er sieht keinen erwünschten Ausgang ab. Der Knoten bleibt geschürzt. Also eine solche Farbenwahl, dass wegen ihres Unterschieds kein Zweifel bleibt. HERR v. G. Blau und rot! Die preussische Uniform! PASTOR. Ganz recht; allein die Weste sollte rot, das Kleid blau sein, und das der Vermischung wegen. Diese entsteht, wo die Farben recht zusammenstossen; denn hier wird selbst diese Vermischung eine begreifliche in rerum natura existirende Farbe. Ist das Kleid rot, die Weste blau, gibt die Vermischung ein schmutziges, ein ekles Rot. Es sollte jedes Land seine Uniform haben, jetzt tragen sie höchstens die Soldaten. HERR v. G. Jede Uniform kleidet. Wenn ein Officier seinen Dienstrock auszieht, ist's oft so, als wenn er Anstand und Geschmack und alles mit ausgezogen hätte. PASTOR. Uniform kleidet. – Sie haben Recht, allein warum? Die meiste Zeit, weil sie Gesetz ist. Man nimmt's nicht so genau. Man weiss, dass man sie tragen muss. Ist dieser Zwang vorbei, sieht man den Menschen in naturalibus. HERR v. G. Pastor, Sie hatten gestern Abend den Einfall, dass die Worte Kleider der Gedanken wären, und dass man sich auch hier Farben denken könnte. Wahrlich, manches Wort ist wie ächte, manches wie unächte Farbe, manches Wort ist ein violettes, grünes, rotes Kleid. HERR v. W. Ich hab' indessen Leute gekannt, denen vom R o t h e n übel ward. Es war ihnen ein A c h und Wehgeschrei. PASTOR. Es ist die härteste Farbe, der Stand der natur, der Stand der Wilden. Die Jugend scheinen helle, einfache, das Alter zweifelhafte, vermischte Farben zu kleiden. Jene könnte man kühne, diese bedächtige Farben nennen. Den Blonden kleiden blasse, oder ganz schwarze Farben; jenes wegen der Harmonie, dieses wegen des Contrastes. Den Brünetten kleiden harte Farben. So gibt's auch seidene, baumwollene Gesichter, und Gesichter von Garn. – Ich halte dafür, ein jeder Mensch, ich sage Mensch, muss seine königliche, priesterliche und prophetische Stunden, und auch so seine dreierlei Kleider haben. Meine Frau hat mich darauf gebracht. So stimme ich mit dem Kleiderschmuck Sr. Hochwohlgeboren des Herrn v. W., und so weich' ich von ihm ab. König geht eigentlich auf die vergangene, Priester auf die gegenwärtige, Prophet auf die künftige Zeit; indessen gibt es zeiten, wo die Minute, wo der Augenblick den König, den Priester, den Propheten fordert. HERR v. G. Pastor, die idee gefällt mir, ich glaube, jeder kluge Junge, das heisst doch eben so viel, a l s j e d e r M e n s c h , i c h s a g e M e n s c h – ist König, Priester und Prophet, wenigstens weiss ich mir Zeitpunkte zu