wie ein Stockfisch, sagt man auch.
Man machte eine Pause, und die Sache blieb nach
einem langen Stillschweigen unausgemacht,
obgleich beinahe jedes Gräten bekam, weil sich
keins des Lachens entalten konnte. Ich gewinne bei
diesem Cartäuser-Silentio, und meine Leser,
furcht' ich, auch. Am Ende blieb es unausgemacht,
weil ein verabredetes Stillschweigen keine probe
sein könnte. Herr v. G. war dieser Meinung.
PASTOR. Wer mit mehr als zweien bei Tische spricht, muss sehr lustig sein, sonst verliert der vierte. Mit zweien muss man sprechen; denn man ist freilich bei Tische nicht immer in den Umständen sprechen zu können. drei wechseln sich beständig um. Unvermerkt kommt's an jeden. Sind vier, spricht selten mehr als einer. Zwei können nur streiten, der dritte entscheidet; dieses aber muss nicht als gravissimus praeses, sondern als Nachbar sein. HERR v. G. Was meinen Sie, Pastor! wie man spricht, isst man, wie man isst, kleidet man sich. PASTOR. Nicht immer. Ein Stolzer kleidet sich prächtig, isst schlecht, und spricht schwülstig; ein Wollüstling – HERR v. G. Wird zugegeben, ich mein' es anders. PASTOR. Alles dreies zeugt von Geschmack. HERR v. G. Das meint' ich. Was gebilligt wird ist gut, was vergnügt ist angenehm, was gefällt ist schön. Ich glaube, wir tun dem Herrn v. W. einen Gefallen, wenn wir von Kleidern sprechen. Er wechselt drei- bis viermal an manchem Tage. HERR v. W. Niemals ohne Ursache, Herr Bruder. Ich geb' jedem Tage, jeder Stunde, was recht ist. HERR v. G. Das ist eine gute Uebung in der Gerechtigkeit. HERR v. W. Herr Bruder, du hast, wie Christianus der Zweite, im Mutterleibe geweint. PASTOR. Wie Christiernus. HERR v. G. Und was weiss ich, wie wer im Mutterleibe gelacht. HERR v. W. Ich schicke mich in die Zeit, und bin ein festlicher Mann, das ist: die vergnügten und traurigen Vorfälle meines Lebens sind mir beständig im frischen Andenken. Oft traur' ich an demselben Tage und bin fröhlich an demselben Tage. PASTOR. Sehr natürlich! – Selten ist ein Tag, der nicht seine Plage hat. HERR v. W. Alles dieses drück' ich durch Kleider aus. Man hat Trauer-, warum denn nicht Freudenkleider? HERR v. G. Da hat der Herr Bruder einen guten Gedanken, an Freudenkleider denkt niemand, und doch sollte man Freudenfarben und Freudenkleider erfinden, und sie dazu privilegiren. So was hat Einfluss auf uns. Wenn ich Pleureusen, Trauersäume – PASTOR. Pharisäersäume! HERR v. G. Gehe, ich bin betrübt. – Es erinnert mich an alles Trübe des Lebens – ich fühle die Krankheit von weitem, an der ich sterben werde. Das, glaube' ich, fühlt jedes, wenn es betrübt ist. HERR v. W. Man teilt die Trauer in halb und ganz ein; ich teile sie in Vierteil – HERR v. G. Das ist, nach dem mond – ich bin nach der Sonne, immer ganz, Herr Bruder! PASTOR. Nur nicht immer Mittagssonne oder Mitternacht! – Sind Morgen- und Abendröten nicht die schönsten Stücke am Tage? Gibt's nicht eine gewisse Ruhe, die besser ist als Tanz und jubel? Warum immer Adagio, oder Allegro? – Das männliche Alter ist die Mittagssonne. Die Jugend aber hat ihren Reiz, und das Alter hat auch sein bescheidenes teil. Das Alter geniesst, es verweilt, wenn die Jugend herumwankt und vom Hoffnungswinde hin und her getrieben wird. HERR v. W. Ew. Wohlehrwürden bin ich ergebenst für diese Hülfsvölker verbunden. HERR v. G. Ein Vierteil oder halb ergebenst – ganz ergebenst sagst du wohl nur zum Präpositus. HERR v. W. Getroffen! Alles sein Gewicht, und Wage! HERR v. G. Gott erbarm! So ein Curländer! Solang das Land steht, hat es solche höfliche Männer nicht gehabt, als dich und deinen Waffenträger, den Hermann. Wir gehen in Stiefeln! und du, Herr Bruder, wie ein Papst, in Pantoffeln. Schuhe sind dir schon zu schwer. HERR v. W. Die Frage ist, wie's sich leichter geht? – Wir haben darüber schon so oft und viel gesprochen – ich behalte meine Weise, und lass' jedem die werte seinige. HERR v. G. Eins indessen, Herr Bruder, mit deiner erlaubnis. – Warum bleibst du im Cirkel deiner Familie? Du solltest ein Pat' und Leichenbegleiter und Hochzeitsgast von der ganzen Welt sein, und als ein Kosmopolit – HERR v. W. Das Hemde, ob es gleich nur von Linnen ist, bleibt uns näher als das Kleid. Wenn die Not der ganzen Christenheit mit der meinigen stimmt, und wenn ich sie weiss, accompagnir' ich gern. So auch mit der Freude. HERR v. G. U n d w e n n i c h s i e w e i ss ? geschichte, Herr Bruder, geschichte – HERR v. W. Aber Zeit! geschichte ist Zeitvertreib. HERR v. G. O! du edle Zeit! Kein Missetäter wird so behandelt, als du! HERR v