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Worte Q u e l l e ward,

können sich meine Leser nicht vorstellen. Ich habe wenigstens ein Quartblatt, dicht geschrieben, drüber

verhört, und doch ging es glücklich ab, obgleich

eine allgemeine Stille darüber ward.

HERR v. G. Säle sind gut, nach Tische hineinzugehen. Beim speisen ein schmales Zimmer, um nah zusammen zu sein. Man hat sich mehr. PASTOR. Daher ein runder, ein Artustisch und eine kleine Gesellschaft. – Wir sitzen hier an einer deutschen Tafel in allem Betracht. HERR v. G. Was meinen Sie, Pastor, von den vielen Schüsseln? Ist nicht Eine genug? PASTOR. Viele Schüsseln verlängern den Tisch und mitin auch das Vergnügen. Es ist wahr, es reizt mehr zu essen; indessen liegen in uns auch vielerlei Appetite. Sobald es wahr ist, dass wir Fische, Fleisch, Obst, Gemüse essen können, dass die natur eine Schatzkammer für uns sei, so sehe' ich nicht ab, warum wir geizen sollten. HERR v. G. Es ist auch schwer, ein einziges Gericht, das für sich selbst besteht, zu nennen. HERR v. W. Fleisch mit Rüben. HERMANN. Das sind schon zwei mit Ew. Hochwohlgeboren erlaubnis. HERR v. W. Braten und Salat. PASTOR. Ohne Salat wollen Ew. Hochwohlgeboren sagen. HERR v. W. Ja, ohne Salat. PASTOR. Ich esse auch keinen Braten mit Salat. So eine Hauptschüssel, so eine natürliche Schüssel braucht keine Anreizung. HERR v. G. Und warum? Beim Tanz muss Spiel sein. PASTOR. Beim Tanz, allein beim Gange nicht. HERR v. G. Ich hab' es von einem Beobachter, der im Vorzimmer eines vornehmen Mannes bemerken konnte. Ein Franzose kam, ging an den grössten Spiegel im Zimmer und schnitt Capriolen; ein Engländer setzte sich aufs Kanapee, ein Deutscher stellte sich an den Ofen, ein Russe ging an den kleinsten Spiegel und zog sich die Haare in Ordnung. Wär' ein Curländer gekommen, der hätte sich die Stiefeln aufgebunden, und ein Pole den Bart gestutzt. So, lieber Pastor, sind diese Leute auch am H o f e , an der T a f e l , als S c h r i f t s t e l l e r . PASTOR. Um Verzeihung! ich würde' in Europa nur vier Völkern Sitz, Tisch und stimme erlauben: Engländern, Franzosen, Deutschenund einem Volk in Norden. – Vier Hauptwinde, der Engländer Ost-, der Franzose Süd-, der Deutsche Westwind, und das Volk in Norden der Wind seines Namens. HERR v. G. Curland würde dieses Volk wohl schwerlich heissenaber, Pastor, der Tischstyl ist allgemeinleicht, nicht wahr? – Man könnte den französischen zum Muster vorschlagen. PASTOR. Warum das? je nachdem der Mann, der spricht, je nachdem das Gastmahl, je nachdem der Styl. Der hört die Austern wie einen russischen Fuhrmann pfeifen, der lässt sie erst verstummen vor ihrem Scheerer, der isst sie mit Haut und Haar, der barbiert sie erst! Fremde Gewürze verderben das Essen und das Gespräch; die liebe natur muss bei Tafel präsidiren. HERR v. G. Ich bete nicht eher, als bis Salz auf dem Tische ist. – Es ist ein Sinnbild vom verstand, und ich denke, gewisse Art Leute müssen bei Tisch nie anders reden, als dass es zur Not aufgeschrieben werden könnte. Der Tischstyl und der Briefstyl sollte freilich aus der ersten Hand sein; wer kann natur genug predigen? Wir sind wie Affenleiter, wie Bärenleiter, die ihre Tiere schlagen, wenn sich selbige vergessen und zur natur kommen. Gemeine Sprache ist Wassersuppe. Ausgesuchte Worte sind Canel, Muscatennuss; es fällt auf die Zunge; allein es macht Hitze. – Lieber Pastor! giessen Sie Oel in meine Lampe, sonst geht sie aus. PASTOR. Sie brennt trefflich!

D e r j u n g e H e r r v. G. fing an, mir etwas leise zu sagen.

D e r a l t e H e r r v. G. verlangte, dass er's laut sagen sollte und der junge H e r r v. G. verstummte.

Eine Weisung vom H e r r n v. G. d e m ä l t e r n , bei Tische nicht leise zu reden. Es sieht, sagte der alte Herr v. G., nach Verrätern aus.

H e r r v. W. setzte hinzu: und ist ein Verstoss wider die Höflichkeit.

Obgleich eben diese ungebetene Anmerkung ein dergleichen Verstoss war. Wir waren bei Fischen. Herr v. G. behauptete, es gäbe Gerichte, bei denen man nicht sprechen müsste. Sie leiden es nicht, sagt' er, und wollen durchaus, dass man sich mit ihnen allein beschäftigt. Sie sollen auch besser schmecken, wenn sie still gegessen werden. – Fische, fuhr er fort, sind von der Art. PASTOR. Es gibt Augenblicke, wo man auch beim Fleisch, beim Brode nicht sprechen kann. Anakreon starb, weil ihm eine Traube in die unrechte Kehle kam. HERR v. G. Lassen Sie uns probe essen. HERMANN. Du bist stumm wie ein fisch, sagt man. HERR v. G. Dumm,