ja das viereckigte Bret genau so gross sein, als der Zirkel des Mostfasses. Eberhard sprang auf einem Fuss herum, verlachte die grossen gelehrten Köpfe, dass sie aus dem einfältigen Dinge so viel Werks machten, und erzählte bei nächster gelegenheit seinem Johann die Erfindung. Wir wollen die Wahrheit gestehn. Vater Stilling hatte wohl nichts höhnisches in seinem Charakter; doch lief hier eine kleine Satyre mit unter; aber der Landmesser machte bald der Freude ein Ende, indem er sagte: Es ist die Frage nicht, Vater! ob ein Schreiner einen viereckigten Kasten machen könne, der just so viel Haber entalte, als eine runde cylindrische Tonne; sondern es muss ausgemacht sein, wie sich der Diameter des Zirkels gegen seine Peripherie verhalte, und dann, wie gross eine Seite des Quadrats sein müsse, wann es so gross als der Zirkel sein soll. Aber in beiden Fällen darf an einem Facit nicht der tausendste teil eines Haars fehlen. Es muss in der Teorie durch die Algeber bewirkt werden können, dass es wahr ist.
Der alte Stilling würde sich geschämt haben, wenn nicht die Gelehrsamkeit seines Sohns, und seine unmässige Freude darüber, alles Schämen bei ihm verdrängt hätte. Er sagte deswegen nichts weiter, als: Mit Gelehrten ist nicht gut disputiren; lachte, schüttelte den Kopf, und fuhr fort von einem birkenen Klotz Späne zu schneiden, womit man Feuer und Lichter, auch allenfalls eine Pfeife Tobak anzünden konnte. Dieses war so seine Beschäftigung bei müssigen Stunden.
Stillings Töchter waren stark und arbeitsam. Sie pflegten die Erde, und sie gab ihnen reichliche Nahrung im Garten und feld. Dortchen aber hatte zarte Glieder und hände, sie wurde geschwind müde, und dann seufzte sie und weinte. Unbarmherzig waren nun die Mädchen eben nicht; aber sie konnten doch nicht begreifen, warum ein Weibsmensch, das eben so gross als ihrer eine war, nicht auch eben so gut sollte arbeiten können. Doch musste ihre Schwägerin oft ausruhen, auch sagten sie ihren Eltern niemals, dass sie kaum ihr Brod verdiente. Wilhelm sah es bald ein; er erhielt daher von der ganzen Familie, dass seine Frau ihm am Nähen und Kleidermachen helfen sollte. Dieser Vertrag wurde geschlossen, und alle befanden sich wohl dabei.
Der alte Pastor Moriz besuchte nun auch zum erstenmal seine Tochter. Dortchen weinte für Freuden wie sie ihn sah, und wünschte Hausmutter zu sein, um ihm recht gütlich tun zu können. Er sass den ganzen Nachmittag bei seinen Kindern, und redete mit ihnen von geistlichen Sachen. Er schien ganz verändert, kleinmütig und betrübt zu sein. Gegen Abend sagte er: Kinder! führt mich einmal auf das Geissenberger Schloss. Wilhelm legte seinen eisernen schweren Fingerhut ab, und spuckte in die hände; Dortchen aber steckte ihren Fingerhut an den kleinen Finger, und nun stiegen sie zum Wald auf. Kinder! sagte Moriz, mir ist hier so wohl unter dem Schatten der Maibuchen. Je höher wir kommen, je freier werde' ich. Es ist mir eine Zeit her gewesen, als einem der nicht zu haus ist. Dieser Herbst muss wohl der letzte meines Lebens sein. Wilhelm und Dortchen hatten Tränen in den Augen. Oben auf dem Berge, wo sie biss an den Rhein, und die ganze Gegend übersehen konnten, setzten sie sich an eine zerfallene Mauer des Schlosses. Die Sonne stand in der Ferne nicht hoch mehr über dem blauen Gebürge. Moriz sah starr dortin, und schwieg lange; auch sagten seine Begleiter nicht ein Wort. Kinder! sprach er endlich, ich hinterlass euch nichts, wenn ich sterbe. Ihr könnt mich wohl missen. Niemand wird um mich weinen. Ich habe mein Leben mühsam und unnütz zugebracht, und niemand glücklich gemacht. Mein lieber Vater! antwortete Wilhelm, ihr habt doch mich glücklich gemacht. Ich und Dortchen werden herzlich um euch weinen. Kinder! versetzte Moriz, unsere Neigungen führen uns leicht zum Verderben. Wie viel würde ich der Welt haben nutzen können, wenn ich kein Alchymist geworden wäre! Ich würde euch und mich glücklich gemacht haben! (Er weinte laut.) Doch denke ich immer daran, dass ich meinen Fehler erkannt habe, und nun noch will ich mich ändern. Gott ist ein Vater, auch über die irrende Kinder. Nun höret noch eine Ermahnung von mir, und folgt derselben: Alles was ihr tut, das überlegt vorher wohl, ob es auch andern nützlich sein könne. Findet ihr, dass es nur euch dienlich ist, so denkt: das ist ein Werk ohne Belohnung. Nur wo wir dem nächsten dienen, da belohnt uns Gott. Ich habe arm und unbemerkt in der Welt dahingewandelt, und wann ich tot bin, dann wird man meiner bald vergessen; ich aber werde Barmherzigkeit finden vor dem Tron Christi, und selig sein. Nun gingen sie wieder nach Haus, und Moriz blieb immer traurig. Er ging umher, tröstete die Armen und betete mit ihnen. Auch arbeitete er und machte Uhren, womit er sein Brod erwarb, und noch etwas übrig behielt. Doch dieses währte nicht lange, denn den folgenden Winter verlohr man ihn; man fand ihn nach dreien Tagen unter dem Schnee und war tot gefroren.
Nach diesem traurigen Zufall entdeckte man in Stillings haus eine wichtige Neuigkeit. Dortchen war gesegneten Leibes, und jedermann freuete sich auf ein Kind, deren in vielen Jahren kein's im haus gewesen war. Mit was für Mühe und Fleiss man