Er führt sie in sein Schlösselein
Zum anderen Jungfräulein fein.
Adie! Adie! Adie!
Sie kam dahin in schwarzer Nacht.
Sie sah dass er zu Fall gebracht
Viel edele Jungfrauen zart.
Sie nahm wohl einen kühlen Wein
Und goss ein schnödes Gift hinein
Und trunk's dem schwarzen Ritter zu.
Es gingen beiden die Aeugelein zu.
Adie! Adie! Adie!
Sie begruben den Ritter im schloss fein,
Das Mägdlein inbei ein Brünnelein.
Sie schläft da im kühlen Gras.
Um Mitternacht da wandelt sie umher
Am Mondeschein dann seufzet sie so sehr.
Sie wandelt da in weisigem Kleid
Und klaget da dem Wald ihr Leid.
Adie! Adie! Adie!
Der edle Bruder eilt herein
Bei diesem klaren Brünnelein,
Und sah' es sein Schwesterlein zart.
Was machst du mein Schwesterlein allhier?
Du seufzest so, was fehlt dann dir?
"Ich hab den Ritter in schwarzer Nacht,
Und mich, mit bösem Gift umgebracht."
Adie! Adie! Adie!
Wie Nebel in dem weiten Raum
Flog auf das Mägdlein durch den Baum.
Man sah' sie wohl nimmermehr.
Ins Kloster ging der Rittersmann
Und fing ein frommes Leben an.
Da betete er vor's Schwesterlein
Auf dass sie möchte selig sein.
Adie! Adie! Adie!
Eberhard Stilling und Margrete, seine eheliche Hausfrau erlebten nun eine neue Periode in ihrer Haushaltung. Da war nun ein neuer Hausvater und eine neue Hausmutter in ihrer Familie entstanden. Die Frage war also: Wo sollen diese beide sitzen, wenn wir speisen? – Um die Dunkelheit im Vortrag zu vermeiden, muss ich erzählen, wie eigentlich Vater Stilling seine Ordnung und Rang am Tische beobachtete. Oben in der stube war eine Bank von einem eichenen Bret längs der Wand genagelt, die bis hinter den Ofen reichte. Vor dieser Bank dem Ofen gegen über stunde der Tisch, als Klappe an die Wand befestigt, damit man ihn an dieselbe aufschlagen konnte. Er war aus einer eichenen Diele von Vater Stilling selbsten ganz fest und treuherzig ausgearbeitet. An diesem Tisch sass Eberhard Stilling oben an der Wand, wo er durch das Brett befestigt war, und zwar vor demselben. Vielleicht darum hatte er sich diesen vorteilhaften Platz gewählt, damit er seinen linken Ellenbogen auf das Bret stützen, und zugleich ungehindert mit der rechten Hand essen könnte. Doch davon ist keine Gewissheit, denn er hat sich nie in seinem Leben deutlich darüber erkläret. An seiner rechten Seiten vor dem Tisch sassen seine vier Töchter, damit sie ungehindert ab und zu gehen könnten. Zwischen dem Tisch und dem Ofen hatte Margrete ihren Platz; eines Teils weil sie leicht fror, und andern Teils damit sie füglich über den Tisch sehen könnte, ob etwa hier oder dort etwas fehlte. Hinter dem Tisch hatten Johann und Wilhelm gesessen, weil aber der eine verheiratet war, und der andere Schule hielt, so waren diese Plätze leer, biss jezo, da sie dem jungen Ehepaar, nach reiflicher überlegung, angewiesen wurden.
Zuweilen kam Johann Stilling seine Eltern zu besuchen. Das ganze Haus freute sich, wann er kam; denn er war ein besonderer Mann. Ein jeder Bauer im Dorf hatte auch Ehrfurcht für ihn. Schon in seiner frühen Jugend hatte er einen hölzernen Teller zum Astrolabium, und eine feine schöne Butterdose von schönem Buchenholz zum Compas umgeschaffen, und von einem Hügel geometrische Observationen angestellt. Denn zu der Zeit liess der Landesfürst eine Landcharte verfertigen. Johann hatte zugesehen, wann der Ingenieur operirte. Zu dieser Zeit aber war er wirklich ein geschickter Landmesser, wurde auch von edlen und Unedeln bei Teilung der Güter gebraucht. Grosse Künstler haben gemeiniglich die Tugend an sich, dass ihr erfinderischer Geist immer etwas neues sucht; daher ist ihnen dasjenige, was sie schon erfunden haben, und was sie wissen, viel zu langweilig, es ferner zu verfeinern. Johann Stilling war also arm; denn was er konnte, versäumte er, um dasjenige zu wissen, was er nicht konnte. Seine gute einfältige Frau wünschte oft, dass ihr Mann seine Künsteleien auf Feld und Wiesen zu verbessern wenden möchte, damit sie mehr Brod hätten. Allein lasst uns der guten Frauen ihre Einfalt verzeihen; sie verstund es nicht besser; wenigstens Johann war klug genug hiezu. Er schwieg oder lächelte.
Die Quadratur des Zirkels und die immerwährende Bewegung beschäftigten ihn zu dieser Zeit. War er nun in ein geheimnis tiefer eingedrungen, so lief er geschwind nach Tiefenbach um seinen Eltern und Geschwistern seine Entdeckung zu erzählen. Kam er denn unten durchs Dorf herauf, und es erblickte ihn jemand aus Stillings haus, so lief man gleich und rief alle zusammen, um ihn an der tür zu empfangen. Ein jedes arbeitete dann mit doppeltem Fleiss, um nach dem Abendessen nichts mehr zu tun zu haben. Dann setzte man sich um den Tisch, stützte die Ellenbogen drauf, und die hände an die Backen, aller Augen waren auf Johanns Mund gerichtet.
Alle halfen denn an der Quadratur des Zirkels erfinden; selbst der alte Stilling verwendete vielen Fleiss auf diese Sache. Ich würde dem erfinderischen, oder besser, dem guten und natürlichen verstand dieses Mannes Gewalt antun, wenn ich sagen sollte: er hätte nichts in dieser Sache geleistet. Bei seinem Kohlenbrennen beschäftigte er sich damit. Er zog eine Schnur um sein Birnmostfass, schnitt sie mit seinem Brodmesser ab; sägte dann ein Bret genau vierkantig, und schabte es so lange, bis die Schnur just drum passte. Nun musste