; ich wollte euch nur so viel sagen: dass es wohl der Mühe wert sei, Ernst anzuwenden, der Lehre Christi zu folgen, weil sie uns dauerhafte und wesentliche Vergnügen verschaffet, die uns im Verlust anderer die Wage halten können.
"Sagt mir doch dieses alles vor, Freund Niclas! ich muss es aufschreiben, ich glaube dass es wahr ist, was ihr sagt."
Niclas wiederholte es von Herzen, und immer mit einem bissgen mehr oder weniger, und Wilhelm schrieb es auf, so wie er es ihm vorsagte.
"Aber, fuhr er fort, wenn wir durch die Nachfolge der Lehre Christi selig werden, wofür ist dann sein Leiden und Sterben? Die Prediger sagen ja, wir könnten die Gebote nicht halten, sondern wir würden nur durch den Glauben an Christum und durch sein Verdienst gerecht und selig."
Niclas lächelte und sagte: Davon lässt sich all einmal weiter reden. Nehmts nur eine Weile so, dass wie er uns durch sein heiliges reines Leben, da er in der Gnade vor Gott und den Menschen hinwandelte, eine freie Aussicht über unser Leben, über die verworrne Erdhändel verschafft hat, dass wir durch einen blick auf ihn mutig werden, und offen der Gnade die über uns waltet, zur grösseren Einfalt des Herzens, mit der man überall durchkommt, so hat er auch, sag ich, sein Kreuz hin in die Nacht des Todes gepflanzt, wo die Sonne untergeht und der Mond sein Licht verliert, dass wir da hinauf blicken, und ein "Gedenke mein!" in demütiger Hoffnung rufen. So werden wir durch sein Verdienst selig, wenn ihr wollt; denn er hat sich die Freiheit der Seinen vom ewigen Tod scharf und sauer genug verdient, und so werden wir durch den Glauben selig, denn der Glaube ist Seligkeit. Lasst euch indessen das all nicht anfechten, und seid im Kleinen treu, sonst werdet ihr im Grossen nichts ausrichten. Ich will euch ein Paar Blätter hier lassen, die aus dem französischen des Erzbischofs Fenelon übersetzt sind; sie handeln von der Treue in kleinen Dingen; auch will ich euch die Nachfolge Christi des Tomas von Kempis mitbringen, ihr könnt da weiter Nachricht bekommen.
Ich kann nicht eigentlich sagen, ob Wilhelm aus wahrer Ueberführung diese Lehre angenommen, oder ob der Zustand seines Herzens so beschaffen gewesen, dass er ihre Schönheit empfunden, ohne ihre Wahrheit zu untersuchen. Gewiss, wenn ich mit kaltem Blut den Vortrag dieses Niclasens durchdenke, so find ich dass ich nicht alles reimen kann, aber im Ganzen ist es doch herrlich und gut.
Wilhelm kaufte von Niclasen einige Ellen Stof, ohne sie nötig zu haben, und da nahm der gute Prediger sein Bündel auf den Nacken und ging, doch mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen; und gewiss wird Niclas den ganzen Giller durch Gott recht herzlich für die Bekehrung Wilhelms gedankt haben. Dieser nun fand eine tiefe unwiderstehliche Neigung in seiner Seele, die ganze Welt dran zu geben und mit seinem kind oben im haus auf einer kammer allein zu wohnen. Seine Schwester Elisabet wurde an einen Leineweber Simon an seine Stelle ins Haus verheuratet, er aber bezog seine kammer, schaffte sich einige Bücher an, die ihm von Niclas vorgeschlagen wurden, und so verlebte er daselbst mit seinem Knaben viele Jahre.
Die ganze Beschäftigung dieses Mannes ging während dieser Zeit dahin, mit seinem Schneiderhandwerke seine Bedürfnisse zu erwerben; (denn er gab für sich und sein Kind wöchentlich ein erträgliches Kostgeld ab an seine Eltern) und dann, alle Neigungen seines Herzens, die nicht auf die Ewigkeit abzielten, zu dämpfen; endlich aber auch seinen Sohn in eben den grundsätzen zu erziehen, die er sich als wahr und festgegründet eingebildet hatte. Des Morgens um vier Uhr stunde er auf, und fing an zu arbeiten; um sieben weckte er seinen Henrichen, und beim ersten Erwachen erinnerte er ihn freundlich an die Gütigkeit des Herrn, der ihn die Nacht durch von seinen Engeln bewachen lassen. Danke ihm dafür, mein Kind! sagte Wilhelm, indem er den Knaben ankleidete. War dieses geschehen, so muste er sich in kaltem wasser waschen, und dann nahm ihn Wilhelm bei sich, schloss die kammer zu, und fiel mit ihm vor dem Bette auf die Kniee, und betete mit der grössten Inbrunst des Geistes zu Gott, wobei ihm die Tränen oft häufig zur Erde flossen. Dann bekam der Junge sein Frühstück, welches er mit einem Anstand und Ordnung verzehren muste, als wenn er in Gegenwart eines Prinzen gespeiset hätte. Nun muste er ein kleines Stück im Catechismus lesen, und vor und nach auswendig lernen; auch war ihm erlaubt, alte anmutige und einem kind begreifliche Geschichten, teils geistliche, teils weltliche, zu lesen, als da war: der Kaiser Oktavianus mit seinen Weib und Söhnen; die Historie von den vier Haymons Kindern; die schöne Melusine und dergleichen. Wilhelm erlaubte niemalen dem Knaben mit andern Kindern zu spielen, sondern er hielt ihn so eingezogen, dass er im siebenten Jahr seines Alters noch keine Nachbars Kinder, wohl aber eine ganze Reihe schöner Bücher kannte. Daher kam es denn, dass seine ganze Seele anfing sich mit Idealen zu belustigen; seine Einbildungskraft ward erhöht, weil sie keine andere Gegenstände bekam, als idealische Personen und Handlungen. Die Helden alter Romanzen, deren Tugenden übertrieben geschildert wurden, setzten sich unvermerkt, als so viel nachahmungswürdige Gegenstände in sein Gemüt feste, und die Laster wurden ihm