, wo er sich meistenteils wegwandte, räusperte, eine Beschäftigung vornahm, jemanden rief, das Zimmer verliess, oder etwas anders tat, das ihn darauf zu hören hinderte. Eine jede solche Unterhaltung schwächte bei ihm den Geschmack an Belphegors Umgange, und obgleich dieser sich sehr oft durch ein kleines Lob auf die Guterzigkeit des Mannes wieder in Gunst sezte, so hiess das doch nur, einen schlimmen Eindruck benehmen, aber keinen guten geben. Diesen Umstand nüzten seine Kameraden, die schon längst mit schielen Augen die Vorzüge angesehn hatten, die er von seinem Herrn genoss, ihn dieser Vorzüge zu berauben. Sie stellten Belphegors Deklamationen von der schlimmen Seite vor, erdichteten etliche, die er wider seinen eignen Herrn namentlich in seiner Abwesenheit gesagt haben sollte: sie fanden leicht Glauben, und bald wurde Belphegor zurückgesezt, verachtet, und jedes auch das mindeste seiner Worte übel genommen, man machte ihm, ob er gleich von Wunden und Beulen verschont blieb, das Leben doch so schwer, dass er diesen innerlichen Schmerz gern gegen alle körperliche vertauscht hätte: er wurde es endlich müde, verlies das Haus und lebte von der Gütigkeit seines Freundes Medardus, der sich mit der grössten Bereitwilligkeit seiner annahm und auf einen andern Plaz für ihn dachte.
So schwer ihm diese Bemühung wurde, so ging sie ihm doch endlich glücklich von statten: er verschafte seinem Freunde einen andern Platz, aber keine Ruhe. Er brachte ihn in das Haus eines Mannes, der recht dazu geschaffen schien, seinen bisherigen Unwillen über die amerikanische Unterdrückung zu erhöhen, und den ganzen Belphegor in Feuer und Flammen zu setzen. Ein Mann war es, der sein Leben in der wollüstigsten Trägheit dahinschlummerte, und wenn er ja handelte, doch nie über die grenzen der Sinnlichkeit hinauswich: wenn er geschlafen hatte, so ass oder trank er, und wenn er gegessen oder getrunken hatte, so schlief er, und wenn er dessen überdrüssig war, so liess er sich von einem Pferde tragen oder von etlichen ziehen: zuweilen gebrauchte er sogar Sklaven, hierzu, um zugleich seinen Stolz zu kützeln, wenn er Geschöpfe, die mit ihm einerlei Figur hatten, so unter sich erniedrigt sehen konnte. Wenn er speiste, musste einer von seinen Hausbedienten ihm mit lauter stimme seinen Stammbaum, der von Erschaffung der Welt anhub, vorlesen, desgleichen jede Lobrede, die auf einen seiner Vorfahren gehalten worden war; und da er meistens über dem Lesen einschlief, so war es kein Wunder, dass die geschichte seiner Abstammung seine einzige Lektüre schlafend und wachend ausgemacht hatte, ohne dass er mehr davon wusste, als dass Adam sein erster Stammvater gewesen sei, weswegen er es bei jeder gelegenheit mit grossem Stolze zu rühmen wusste, dass seine Familie unmittelbar von Gott selbst gemacht worden sei.
Der Anblick eines so vegetirenden Geschöpfes musste Belphegorn natürlich aufbringen, besonders wenn er es mit den hülflosen Mitgeschöpfen verglich, die ihm die Mittel zu einer so weichlichen Bequemlichkeit erarbeiten mussten: er wollte nicht mehr dieselbe Luft mit ihm atmen, oder von Einem dach mit ihm bedeckt sein; und als er eines Tages den Auftrag bekam, ihn mit der Verlesung seines Geschlechtsregisters einzuschläfern, so tat er ihm mit dem Eifer eines Busspredigers eine so nachdrückliche moralische Vorhaltung seiner noch weniger als tierischen Lebensart und der Unterdrückung, die er begehn müsste, um sie geniessen zu können, dass der Mann kein Auge zu tun konnte, worüber er so ergrimmte, dass er den armen Belphegor, als einen unbrauchbaren Bedienten, zum haus augenblicklich hinausweisen liess. Das Schicksal war hart, aber ein kleiner Rest von Stolze, der ihn überredete, für die Wahrheit eine Aufopferung getan zu haben, stärkte ihn hinlänglich, dass er so aufgerichtet und frölich, wie ein Märtyrer, über die Schwelle schreiten konnte.
Er nahm seine Zuflucht zu Akanten, die noch, so sehr sich ihre Reize auch vermindert hatten, aus dem nämlichen grund gern mit der Liebe spielte, aus welchem ein alter Fuhrmann gern klatschen hört, wenn sein Arm zu steif ist, die Peitsche selbst zu regieren. Sie war – wenn man ihre Verrichtung bei dem eigentlichen Namen nennen darf – eine Kupplerinn, und genoss die Freuden ihrer Jugend wenigstens in der Einbildung, wenn sie den fremden Genuss derselben vor sich sah, da das unbarmherzige Alter sie leider! unfähig gemacht hatte, sich in der Wirklichkeit daran zu vergnügen. Ihr Mann, der mit seinem kopf immer auf irrendritterliche Fahrten ausging, konnte über dem Eifer, die ganze Welt zu bessern, nicht daran denken, sein Haus zu bessern, das durch die Geschäftigkeit seiner Frau einem Bordelle nicht unähnlich geworden war. Er merkte nicht das mindeste hiervon, sondern lebte nunmehr von der Einnahme seiner Frau, unbekümmert, dass sie der Gewinst einer Unterdrükkung war, die alle andern überwiegt – der Unterdrükkung der Tugend. Indessen dass diese ohne sein Bewusstsein täglich hinter seinem rücken geschah, schwärmte er mit seinen Gedanken in der Welt herum, suchte Materialien zum Aerger auf und zürnte, dass die natur nicht IHN um Rat gefragt hatte, als sie eine Welt schaffen wollte. Mitten unter seinem traurigen Zeitvertreibe geriet er in die Bekanntschaft eines Mannes, der sein Haus oft besuchte, Akanten reichliche Geschenke machte, ohne jemals mehr zu tun, als bei ihr ein und auszugehen. Da er also bei den Lustbarkeiten, die an dem Orte vorgenommen wurden, bloss ein überflüssiger und oft lästiger Zuschauer war, so bekommplimentirte ihn Akante so lange, bis er sich zuweilen bereden liess, sich zu ihrem