du: am besten, mit dir ins Tollhaus! – und so ergriff ihn der Kriegsmann, band ihn mit einem Riemen an sein Pferd und liess ihn neben sich her ausser Atem laufen, wenn er nicht von dem Pferde geschleppt sein wollte, das in einem frischen Trabe fortschritt. Zwo Stunden nach ihrer Ankunft in der nächsten Stadt war Belphegor, zwar in keinem Tollhause, aber doch im Zuchtause einquartiret, wo er an einen Pfahl gebunden und mit dreissig muntern Peitschenhieben bewillkommt wurde: darauf schloss man ihn ein und befahl ihm, jeden Tag zwanzig Pfund Wolle zu verspinnen, und da er menschlicher Weise diese Zahl niemals vollmachte, so bekam er zu Ersparung der Kasse selten etwas zu essen und alle Abende für jedes fehlende Pfund sechs Hiebe.
Seine Gesellen wurden in kurzem seine Freunde; ein gemeinschaftliches gleich trauriges los machte sie dazu. Nach langen Bitten erbarmte man sich endlich über den armen Belphegor und erliess ihm täglich zwei Pfund von der vorgeschriebnen Quantität Wolle; er bekam nichtsdestoweniger alle Abende Prügel, weil er auch achtzehn Pfund eben so wenig bestreiten konnte, nur jeden Tag zwölf Schläge weniger, als die übrigen. Von stunde an hassten ihn alle seine Kameraden wegen dieses vorzüglichen Glücks, und beschlossen, ihn des Nachts im Bette zu verbrennen. Sie führten ihren Anschlag aus, legten brennenden Zunder in das Bettstroh, die Flammen nahmen überhand, Belphegor und die übrigen Züchtlinge entwischten, und das Haus lag nebst einer ganzen Gasse innerhalb etlicher Stunden im Aschenhaufen da. –
So soll man mir doch die Zunge ausschneiden, wenn ich mich wieder verleiten lasse, Ein Wort über Ungerechtigkeiten zu verlieren! sagte sich Belphegor, als er in Sicherheit zu sein glaubte. – O grausame Akante! in alles dieses Unglück hast DU mich gestürzt! – Akante! Akante!
Diesen Ausruf tat er, nachdem er zwölf Stunden in einem zug gelaufen war und sich jetzt ermattet in einem frischen Birkenbüschchen niederliess, wo er sicher vor allem Nachsetzen auszuruhen gedachte. Er war im land der LETTOMANIER. Kaum hatte er Atem geschöpft, als er ein barbarisches Geschrei aus der Ferne hörte, als wenn Pygmäer und Kraniche zusammen kämpften. – Schon wieder etwas! dachte er; aber meinetalben schlagt ihr euch in Millionen Stücken; ich will zusehn.
Das Geschrei wurde immer stärker, immer näher, und Belphegor immer unruhiger, als sich endlich ein ganzer Haufe Bauern in den Busch hereinstürzte, wo er verborgen sass. Hier sind wir sicher, sprachen sie und lagerten sich. Das war ein warmer Tag! – Andre brachten ein Fass mit einem Triumphgeschrei herzugeschleppt, das die Gelagerten beantworteten, und das Glas ging munter herum. Ein jeder trank seinem Fürsten und der Freiheit zu Ehren.
Der Freiheit? dachte Belphegor, hui! was müssen das für Leute sein? – Er horchte und konnte nichts zusammenhängendes erschnappen, als dass hier zu land Bauernkrieg war; bis endlich einer in gewissen Angelegenheiten seitwärts schlich und auf seinem Wege Belphegorn im Gesträuche erblickte, den er sogleich hervorzog und seinen Mitbrüdern vorstellte. Man untersuchte ihn genau, ob er vielleicht zu der feindlichen Partei gehörte, und nachdem man ihm, in Ermangelung einer gesezmässigern Tortur, hundert Prügel auf die Fusssolen gegeben hatte, ohne ein Ja aus ihm herauszwingen zu können, so wurde er feierlich für unschuldig erklärt und zum Glase zugelassen, was ihm aber wenig schmeckte: denn seine Fusssolen brannten wie Feuer.
Willst du mit für die Freiheit fechten? fragten ihn einige. – Gebt mir nur die meinige, dann seht, wie ihr die eurige behauptet! – Was? für die Freiheit willst du nicht fechten? Du bist ein Spion! ein Feind! – und sogleich sezte man sich in Positur, ihn mit einem Strohseile an eine schöne schattichte Eiche aufzuhängen. – Sagt mir nur erst, wer eure Freiheit gekränkt hat? rief Belphegor, als er den Spass dem Ernste so nahe sah: sagt mir es, und gern, gern will ich für sie fechten.
Siehst du, nahm sein Nachbar das Wort, der bisher beständig still gesessen hatte – siehst du! der liebe Gott hat uns nur zwei hände und zwei Füsse gegeben, und doch sollten wir den Leuten, die uns gekauft haben, so viel arbeiten, als wenn wir ihrer ein Paar Dutzend hätten. Sie wollten uns weis machen, wir hätten keinen Magen; wir sollten nur hungern, SIE wollten schon für uns essen: und ob uns ein Paar Lumpen auf dem leib hiengen, oder ob wir nackt gingen, wäre auch gleich viel; Adam sei ja in Gottes Paradiese auch nackt gegangen und ein braver Mann, der erste Erzvater gewesen. Was wäre denn nun vollends solchen nackten Lumpenkerlen Geld nötig? meinten sie; wir hätten ja ohnehin keine ganzen Taschen; also wärs doch tausendmal besser, dass wirs IHNEN gäben, als wenn wirs verlören: das wäre ja jammerschade: sie wollten uns dafür recht hübsch gepuzte Kerle, Laufer, Lakeien, Heiducken, schöne Pferde, allerliebste Hunde, hübsche Kutschen zu sehen geben, und alle Sonntage sollten wir ihr Vivat rufen, ihnen langes Leben und Wohlergehn wünschen, und wenn wir etwas in der tasche aus Versehn zurückgelassen hätten, es auf ihre Gesundheit in ihrem Biere vertrinken. Die Woche über sollten wir nur hübsch fleissig sein, hübsch viele und gesunde Kinder liefern, die auch bald arbeiten und geben könnten, und dabei Gott mit frölichem und zufriednem Herzen danken, dass er uns so gnädige Herren beschert hat, die uns nicht lebendig schinden