, keiner erhaschte es, und alle hatten am Ende – müde Beine.
Kaum hatten die beiden Europäer diese Lustjagd aus dem gesicht verloren, als ein neuer Lärm ihre Aufmerksamkeit auf eine andre Seite zog. Sie horchten; und bald stürzte sich ein schlankes Reh, dessen Läufte aus Einem grossen Kristalle gemacht zu sein schienen, und dessen ganzer Leib so hell leuchtete, dass die Gegend, wo es lief, Büsche und Bäume, wie von dem aufsteigenden Lichte der Morgensonne, übergoldet wurden: seine Augen strahlten wie Fixsterne, und wer in seinem Leben nie einem Rehe zu Gefallen sich wunde Füsse gemacht hatte, der musste doch durch die Schönheit dieses Tiers gereizt werden, die seinigen einmal daran zu wagen. Belphegor war schon im Begriffe, darnach zu haschen, als ein Trupp Reiter in völligem Galope, mit verhängtem Zügel, schäumenden, schnaubenden Rossen über Büsch, Gesträuch, Hügel und Steine daherflogen und das funkelnde strahlende Tier zu ereilen suchten. Alle Rosse hatten nicht gleichen Atem und alle Reiter nicht gleiche Geschicklichkeit; es mussten also einige zuvorkommen, einige zurückbleiben: um sich nicht mehrere zuvorzulassen, wandten sie sich zu den Folgenden, und nun focht man mit allen Kräften, wer die Ehre haben sollte, voranzureiten: man verwundete, man verstümmelte, man lähmte, man tödtete sich, und wer die Oberhand behielt, gewann nichts als den leidigen Vorteil, seine Weg und seine Torheit weiter fortzusetzen. –
Himmel! wo sind wir? rief Akante. – In der Welt, antwortete Belphegor: denn man zankt, man ermordet sich. – Aber, fuhr Akante fort, was für ein herrlicher teil der Welt ist das, wo solche kostbare funkelnde Vögel und so strahlende Rehe angetroffen werden! Kaum kann ich glauben, dass wir noch auf unserm Planeten sind. – Wir sind es, mitten auf dem Kotaufen, wo alles funkelt und glänzt, und alles nichts ist. Lass uns weiter gehen! – O wer doch einen so reizenden Vogel, oder so ein göttliches Tier fangen könnte! Was haben wir zu verlieren? Ich dächte wir wagten eine Jagd mit. – Eine solche törichte Jagd! die so viele Beschwerlichkeiten kostet, wo die Beute sich bald nähert, bald entfernt und, wie es scheint, nie erhascht wird! Und was hättest du am Ende, wenn du den goldnen Vogel auch gleich vor Tausenden einholtest? Nimm ihm das schimmernde Gefieder! und vielleicht hast du ein übelschmeckendes unnahrhaftes Fleisch als die verächtlichsten Federn bedecken. Nein, ich kenne die Welt mit ihren Täuschereien. – Aber sieh nur, Belphegor, das volle feurige Gold, das dem Vogel vom rücken blitzt! Ach, so ein göttlicher Vogel und ihm nicht nachzulaufen! Du bist erstaunend finster und träge. Ich gehe: willst du mit mir? –
Belphegor hielt sie zurück und schwur sehr nachdrücklich, dass er nie einen Fuss nach dem glänzendsten Vogel bewegen werde, sollte er sich gleich seinen Händen selbst darbieten. Sie liess sich zwar durch ihn abraten, weil keiner von den reizenden Vögeln bei der Hand war, alleine sie wiederholte doch ihr Verlangen darnach so oft, dass sie bei jedem Schritte einen erwartungsvollen blick auf die Seite warf, ob nicht vielleicht bald einer von den paradiesischen Vögeln erscheinen werde, um ihm sogleich nachzusetzen. Sie hofte und hofte, aber keiner wollte ihr diesen Gefallen erzeigen.
Nachdem sie sich indessen, bis auf günstigere zeiten, die sich Akante völlig gewiss versprach und Belphegor völlig unmöglich glaubte, mit etlichen wilden Früchten gesättigt hatten, überliessen sie sich von neuem dem Schicksale und dem Wege, die sie beide nach etlichen Tagen an einen Platz führten, wo alles den Hauptsitz des Landes vermuten liess. Eine zehnfache Mauer von hohem dornichten Gesträuche umschloss den Platz, aus welchem die Stimmen der Freude und des Vergnügens so weit und so laut erschallten, dass selbst Belphegors Herz, so disharmonisch auch seine Stimmung war, wider Willen zu einer gleichlautenden Empfindung hingerissen wurde; und Akante war ganz Gefühl, sie brannte vor Begierde nach einem Orte, der schon durch die Annäherung so bezaubern konnte. – Wir müssen hinein, sprach sie zu ihrem gefährten, es koste, was es wolle! Wir müssen hinein! Was für Wonne muss an diesem Orte wohnen und jede Empfindung der Traurigkeit verdrängen, der uns so munter, so frölich, so himmlisch einladet! –
Der Ort ist auf der Erde, antwortete Belphegor; es sind Menschen drinne: das ist genug, um alle diese verführerischen Töne für Sirenentöne zu halten. Nicht einen Schritt tue ich. –
Aber wie kannst du einer so göttlichen Musik wiederstehn? Du, der du sonst, bei jeder leisen Berührung fühltest, der du nichts als Gefühl schienst! – Meine Seele erhebt sich über sich selbst; ich denke und empfinde ganz anders, seitdem ich jenen goldnen Vogel erblickt und diese reizende Musik gehört habe. Komm! deine Erfahrung hat dich misstrauisch gemacht. –
Menschen sind Menschen, und Welt ist Welt; und desto gefährlicher, wenn sie mit solchen Täuschereien lockt! –
Aber höre nur! Auf dem Todbette, unter dem Kampfe mit Hunger und Schmerz, müsste dein Herz noch bei solchen Tönen erwachen und schneller schlagen. Komm! wir müssen hinein! –
Belphegor sträubte sich lange, setzte ihr noch manche schwarze und bittre Anmerkung über das arme Menschengeschlecht entgegen: nichts half! Je länger er ihr Vergnügen aufhielt, desto stärker wurde ihr Verlangen. Sie quälte ihn so lange, bis er sich endlich nach einem