antraten.
Sie bettelten und waren bei diesem Gewerbe ehrlich und redlich in die chinesische Tartarei hineingeraten, wo neue Unfälle auf sie warteten. Bekanntermassen herrscht noch der völlige Naturkrieg unter dem tartarischen Himmel, und eben damals hatten die NUNNI, weil sie an ihren Plätzen Langeweile hatten, sich es einfallen lassen, einen Spatziergang von etlichen funfzig Meilen zu den HIUTSCHIS zu tun und sie aus ihren Wohnsitzen herauszutreiben: die HIUTSCHIS, welche einmal auf Gottes Erdboden existiren sollten und zu ihrer Existenz Platz brauchten, taten den NIUNGIS ein Gleiches und nötigten sie, ihnen zu weichen: die NIUNGIS rächten sich dafür an den ALDSCHEHUS; allein diese waren so halsstarrig tumm, nicht weichen zu wollen, welches die NIUNGIS, die ihrentwegen einen so weiten Weg nicht umsonst getan haben wollten, so übel nahmen, dass sie alle umzubringen beschlossen: da dieses aber nicht so schnell von statten gehen wollte, als sie anfangs vermuteten, und sogar ihnen selbst den Untergang zu drohen schien, so waren sie zeitig genug so klug, dass sie Friede anboten und den ALDSCHEHUS einen Plan vorschlugen, wo sie sich auf Unkosten ihrer Nachbarn für die Köpfe entschädigen konnten, die sie ihnen nicht entzweigeschlagen hatten. Die ALDSCHEHUS ergriffen begierig eine so schöne gelegenheit, ihrem Schaden beizukommen, und wanderten mit ihnen zu den MOGOLUTSCHIS, die sie bis auf das kleinste Kind dem Vergnügen ihrer Tapferkeit aufzuopfern gedachten: allein die MOGOLUTSCHIS waren klüger als ihre Angreifer, und entwischten ihnen, weil sie sich ihrer ungleichen Kräfte sehr wohl bewusst waren. Eine solche unverantwortliche Vereitlung aller ihrer Absichten machte sie höchst unwillig, dass die MOGOLUTSCHIS ihre Hälse zu lieb hatten, um sie sich von ihnen zerbrechen zu lassen, und die vereinigten ALDSCHEHUS und NIUNGIS fassten in ihrem Grimme den rühmlichen Vorsatz, alle ihre tartarischen Nebenmenschen, deren sie nur habhaft werden könnten, bis auf die Wurzel zu vertilgen. Sie hielten Wort: sie schweiften nach allen Himmelsgegenden zu, und welches Menschenkind in ihren Weg geriet, das hatte gelebt. Durch diese erhabne Tapferkeit brachten sie es in wenig Jahren dahin, dass in einem weitläuftigen Distrikte keine Spur von Gottes Schöpfung mehr anzutreffen war.
Gerade zu einer Zeit als man eine Trophee von Erwürgten errichtet hatte, führte das Schicksal unsre beiden Wanderer unter Mühseligkeiten und Hunger dahin: ihre Kleidungen waren sehr abgenutzt, sie hielten es also für dienlich, sie auf der Stelle von den Fragmenten, die an den Leichnamen hiengen, so gut zu rekrutiren als es die Umstände erlaubten. – Wohin sollen wir nun? fragte Belphegor. Wir wollen gehen, bis uns der Hunger tödtet, es sei wo es wolle.
Kaum hatte er den Entschluss gefasst, als sie ein Trupp NIUNGIS umringte und auf ihre bittenden Zeichen, besonders wegen ihres friedfertigen ausländischen Aussehns, mit sich zu ihrem Oberhaupte schleppte, der ihnen bei dem truppe zu bleiben verstattete und sie dem Hauptanführer seiner Nation als eine Seltenheit vorzustellen gedachte.
Die Märsche waren übermässig schnell und eilfertig: sie wurden durch etliche vereinigte feindliche Horden getrennt, und diese hatten die Bosheit, den Trupp, zu welchem unsre Europäer gehörten, zu verfolgen, bis ihn ein Morast von der Gefahr der Nachsetzung befreite, wo der grösste teil desselben stekken blieb und starb. Unsre Europäer waren mit einigen Tartarn seitwärts in einen Wald gesprengt, wo sie der Feind ruhig liess und zu andern erhabnen Kriegstaten wieder umkehrte.
Belphegor und Akante hatten nebst ihren gefährten einige Zeit in dem Gehölze zugebracht; als diese sie plötzlich verliessen und durchaus nichts mehr mit ihnen zu schaffen haben wollten.
Trauriges Schicksal! rief Belphegor. Trauriges Schicksal! rief Akante; und beide wollten mit aller Gewalt sterben: sie baten den Tod inständigst, mit ihren Körpern die Raubtiere der dortigen Gegend zu bedienen, aber der Tod war taub: sie erblickten Früchte, langten zu, erquickten sich und wurden durch die einzelnen Stämme der Bäume wasser gewahr, gingen darauf zu und fanden – offenbares Meer. Vielleicht, sprach Belphegor wieder auflebend, vielleicht hat uns hier über diese Fluten der Himmel einen Weg gebahnt, um in das köstliche Europa wieder zurückzukehren. Lebe auf, Akante! Hier ist der Weg in unser Vaterland. Alles, was ich dort ausgestanden habe, von deinen Hüftenstössen bis zum Aufhängen unter den Lettomanern, ist nichts gegen die Schmerzen, die ich in andern Weltteilen habe ertragen müssen. Wenigstens kann man dort ruhiger Zuschauer von dem allgemeinen Kriege bleiben und so leidlich ohne Schmerzen leben, wenn man sich nicht in das tolle Spiel der Welt mischt, wenigstens die Leute nicht einen vernünftigern Weg führen will, als sie selbst zufälliger Weise oder aus eigner Wahl eingeschlagen haben. Ich sehe es wohl – leider zu spät! – dass ich selbst, von meinem warmen zelotischen herz und von übertriebner Rechtschaffenheit verleitet, Millionen Schmerzen auf mich geladen habe: aber wohl mir! dieses Meer führt mich nach Europa zurück, und da will ich mit dir, Akante, die gemeinschaftliches Ungemach an mich fesselt, glücklich leben: denn Erfahrung hat mich auch klug gemacht, mein Feuer ist verdampft, und selbst der Neid der Menschen soll mir meine Rechnung auf ein ruhiges zufriednes Leben nicht verderben. – Akante! freue dich! Unser Schicksal heitert sich auf.
Akante, die diese Aufheiterung in der Entdeckung eines offnen weiten unbekannten Meeres nicht finden konnte, blieb ungerührt und beschloss mit einem Seufzer und dem Ausrufe: trauriges Schicksal!
Auch warteten sie wirklich lange auf den gehoften Beistand des himmels und die Ueberfahrt nach Europa, nährten sich kümmerlich mit gesammelten Früchten und Wurzeln,