bei seinem Herrn dahinbringen wird, dass es ihm unmöglich ist, dich nicht zu besitzen. Der erhabne Herrscher aller Herrscher wird über die Verweigerung deines Herrn ergrimmen, und siehe! so ist sein Fall gewiss, und du wirst zu der Umarmung des mächtigsten Regenten erhoben.
Die so lange vorher ausgesonnene Bosheit wurde ihrer Ausführung täglich näher gebracht: in kurzer Zeit hatte der tückische Edzar seinen Herrn beredet, dass ich die grösste Schönheit des Orientes sei, und diese Ueberredung war hinreichend, ihn bis zum Unsinne in mich verliebt zu machen, ob er mich gleich nie gesehen hatte. Er verlangte mich schlechterdings zu besitzen, und erwartete nichts weniger, als dass sein getreuer Knecht Fali seinen Wünschen den mindesten Wiederstand entgegensetzen werde! je mehr dieser wankte, dem Verlangen seines Herrn zu gehorsamen, je mehr feuerte der alte Evnuche seine Liebe an, je mehr suchte er ihm glauben zu machen, dass er ohne mich der unglücklichste Sterbliche sei, und sich daher den ungerechten Zumutungen seines Herrn gerade zu wiedersetzen müsse: der alte Bösewicht, um den Untergang seines Herrn desto schneller zu befödern, riet ihm sogar, den Antrag der Härte und Unwillen abzuweisen. Auf der andern Seite blies Edzar die leidenschaft des Despoten unermüdet an, und die beiden Alten, der König und sein Feldherr Fali, waren wie zwei gierige Raubtiere, die sich auf die Aufmunterung und Loshetzung jener beiden Verbrecher um mich, ihre Beute, hassten, verfolgten und lieber gar gewürgt hätten. Der König musste meinen Herrn schonen, wenn er sich nicht der Gefahr eines Aufruhrs aussetzen wollte: denn Fali war der Liebling aller Soldaten, die ihn, wie ihren Vater, vor jeder Verletzung zu sichern suchten und für seine Erhaltung ihre eigne verachtet hätten. In dieser quälenden Verlegenheit griff er nach der List und wollte mich durch verdeckte Wege aus den Händen des widerspenstigen Fali reissen: Edzar erfuhr seinen Anschlag und begünstigt ihn. Man legte an dem Teile des Palastes, wo ich wohnte, Feuer an, und wenn ich mitten durch die Flammen mich retten würde, so sollten mich einige Auflaurer auffangen und dem Könige überliefern. Der alte Evnuche, der von allen diesen Ränken völlig unterrichtet war, liess zwar die Flammen ungehindert auflodern und mich eben so ungehindert von meinen Entführern davontragen, allein auf seine Veranstaltung wurden einige von den königlichen Aufpassern eingefangen und vor dem Fali gebracht, der mit der Wut eines Löwen wider seinen Herrn tobte, Schätze, Palast, Weiber und alles der Willkühr der Flamme überliess, und davon eilte, um mich zurückzuholen, oder alles zum allgemeinen Aufstande aufzuwiegeln und dann seine Beleidigung mit Blute zu rächen. Er raste wie sinnenlos, und Zorn und Rachsucht machten seine Liebe zu mir stärker als sie wirklich war: er lief, ohne zu wissen wohin, indessen dass ihm der Dampf von seinem verbrennenden Vermögen nachrollte. Wem er auf seinem Wege begegnete, dem erzählte er mit der äussersten Hastigkeit seine geschichte, und jeder war schon auf seiner Partei, ehe er ihn noch dazu ziehen wollte: in kurzer Zeit verbreitete sich der Tumult allentalben, Soldaten und andre Einwohner eilten in vermischter Ordnung einher, und alles rief: es lebe Fali! es sterben alle seine Feinde! – Der beleidigte Feldherr selbst war an ihrer Spitze und schnaubte vor Zorn und Rache: das Scharmützel fing an und wurde bald zur offnen Schlacht. Man erwürgte sich, man schlug sich blutig, man hieb sich nieder, mir und dem Fali zu Ehren. Der Sieg schien ungezweifelt für den Feldherrn, als plözlich seine ganze Partei sich von ihm trennte und ihn der Wut seiner Gegner überliess, die ihn gefangen nahmen. Dieser plözliche Unfall war Edzars Veranstaltung, der unter dem Hintertrupp von Falis Verfechtern das Gerüchte ausstreuen liess, dass ihr Anführer in einer entlegnen Strasse grosse Gefahr laufe, in die hände der Feinde zu fallen: sogleich stürzte sich der getreue Trupp an den Ort, wohin sie das falsche Gerüchte rief; die Uebrigen, die dies für Flucht hielten, folgten ihnen zum teil nach, um sich mit ihnen zu retten, zum teil um die Entflohenen zu ihrer Schuldigkeit zurückzubringen. Diese Trennung verursachte bald allgemeine Unordnung und Verwirrung: dieser fürchtete sich, jener zürnte, dieser tobte, jener stand vor Zerstreuung untätig: ein jeder wurde durch eine leidenschaft von der Gegenwehr abgerufen, die Feinde drangen ein, trieben sie fort umringten den verlassnen Fali und brachten ihn vor seinen Herrn, der ihn gern mit dem Blicke vor Wut getödtet hätte und ihn sogleich den gräulichsten Martern übergeben liess.
Nunmehr, da der Sturm vorüber war, hatte er Musse, die Schönheit in Betrachtung zu nehmen, die ihn veranlasst hatte: ich wurde zu ihm geführt. War es Unmut und böse Laune oder entsprach meine Gestalt seiner überspannten Erwartung nicht! – ich missfiel ihm im höchsten Grade, so sehr dass er mich von zwei Evnuchen zum Serail hinauspeitschen liess und sogleich Befehl gab, dem Edzar, der die Wollust seines Herrn so unverantwortlicher Weise zu der falschesten Erwartung verführt hatte, den Kopf glatt vom Rumpfe herabzusäbeln. –
Da sieht man doch, dass die Vorsicht noch lebt! würde Freund Medardus ausrufen – sprach Belphegor, ohne zu überlegen, dass diess ein Mittel sein könnte, sich vor der Zeit zu verraten: allein Akante war zu sehr in ihre geschichte vertieft, um sich ein solches Anzeichen nicht entwischen zu lassen. Sie hielt sich also bloss an das Wesentliche des Ausrufs und fiel ihm hastig ins Wort: – Ja, so würde ich auch denken;